HSWT: Welche Vorteile kann der Mensch vom Ökosystem Streuobstwiesen ziehen?

Seit Januar 2020 läuft das von der HSWT durchgeführte zweijährige Forschungsprojekt zur Initiierung und Einrichtung eines Streuobstwiesen-Kompetenzzentrums im Lallinger Winkel.

Obstwiese der Firma "IG bio-zertifiziertes Streuobst Lallinger Winkel GbR" in Lalling. Bild: HSWT.

Vizepräsident Prof. Dr. Markus Reinke und seine wissenschaftlichen MitarbeiterInnen Peter Blum und Rebekka Honecker informierten bei einem Arbeits-Workshop in Lalling/Niederbayern die Bürgermeister der Gemeinden Lalling, Hunding, Grattersdorf und Schaufling sowie weitere Beteiligte von der Leaderaktionsgruppe Deggendorf über die Bedeutung des Ökosystems Streuobstwiese. Seit Januar 2020 läuft dort das von der HSWT durchgeführte zweijährige Forschungsprojekt zur Initiierung und Einrichtung eines Streuobstwiesen-Kompetenzzentrums im Lallinger Winkel.

Inhalte des Treffens im Juni 2020

Bei dem Treffen wurde unter anderem über einen geplanten Forschungsantrag "Ökosystemleistungen im Obstanbau – Quantifizierungs- und Monetarisierungsansätze für Obstanbauflächen" diskutiert.

Obstanbauflächen haben sowohl eine wirtschaftliche als auch eine ökologische und soziale Bedeutung. Diese hänge entscheidend von der Art und Intensität der Nutzung ab, so Prof. Dr. Markus Reinke. Das Konzept der Ökosystemleistungen solle dazu genutzt werden, die vielfältigen, bisher nicht oder zu wenig beachteten ökologischen Leistungen, die von den verschiedenen Obstanbausystemen ausgehen, möglichst objektiv zu ermitteln und quantitativ zu bewerten. Welchen Beitrag leisten die Obstanbausysteme mit unterschiedlicher Nutzungsintensität für den Arten-, Grundwasser-, Klima- und Landschaftsschutz, aber auch für die Erholung - und wie ist dieser gesellschaftliche Wert zu quantifizieren?

Damit ein hoher Gradient in der Nutzungsintensität untersucht werden kann, sollen Kernobstbestände aus dem traditionellen Obstanbaugebiet des Lallinger Winkels und der bayerischen Bodenseeregion betrachtet werden.

Ziele des Gesamtprojekts

Ein Ziel ist die Förderung der Streuobstregion Lallinger Winkel und die Sicherung der Streuobstbestände. Forschungsanträge wie der oben genannte sollen Kompetenzen im Bereich Streuobst aufbauen, regionale Akteure vernetzen sowie Bildungs- und Freizeitangebote zum Thema Streuobst ausarbeiten.

Ziel des Projekts ist es auch, die Streuobstbestände im Lallinger Winkel zu kartieren und Projekte im Bereich kulturelle, heimatkundliche und touristische Inwertsetzung von Streuobstwiesen durchzuführen. Einen großen Bereich wird der "Generationswandel bei Bäumen und Menschen" einnehmen.

Geplant ist außerdem noch ein Fachgespräch zum Thema Fördermöglichkeiten im Streuobstbereich, in dem die auf die Situation im Lallinger Winkel zugeschnittenen Förderprogramme betrachtet werden. Die Informationen zu den Fördermöglichkeiten werden dann den Streuobstakteuren im Lallinger Winkel zur Verfügung gestellt.

Grundlagen für die Beratung - weiteres Fachgespräch in Lalling Anfang Juli

Die Anwendung von Förderprogrammen für Streuobstbestände hat sich geändert. Was das in der Praxis bedeutet und wie die Förderprogramme für Streuobst vor Ort umgesetzt werden, war Gegenstand eines weiteren Fachgesprächs im Rahmen des Forschungsoprojekts in Lalling. Neben den Vertretern der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Prof. Dr. Markus Reinke, Peter Blum und Rebekka Honecker, waren Vertreter aus dem Lallinger Winkel, von der Regierung von Niederbayern, der unteren Naturschutzbehörde Deggendorf, vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, vom Naturpark Bayerischer Wald, vom Landschaftspflegeverband Deggendorf, dem Landesamt für Umwelt, der Landesanstalt für Landwirtschaft dabei vertreten.

Die Ergebnisse des Fachgesprächs sollen als Grundlage für die Information und Beratung der Streuobstwiesenbewirtschafter über die Fördermöglichkeiten genutzt werden. Ziel des Gesprächs war es auch herauszufinden, welche Schwierigkeiten und Chancen es bei der Umsetzung der Förderprogramme für Streuobst im Lallinger Winkel gibt.

Deutlich wurde, dass eine Notwendigkeit besteht, die Streuobstwiesenbewirtschafter darüber zu informieren, wie die Neuanlage und die Erhaltung von Streuobstbeständen, die Verarbeitung und Vermarktung der Produkte, aber auch die Umweltbildung im Streuobstbereich finanziell gefördert werden kann. Man möchte die Bewirtschafter auch zur Antragstellung beraten können.

Nachhaltig vermittelt werden soll, welche tatsächlichen Konsequenzen ein biotopkartierter Streuobstbestand hat, welche Absicht hinter dem Begriff Streuobstwiese im Biotopschutz steht und welche Vorgaben für die Förderung von Streuobstbeständen gelten. Dass der Baumbestand auf einer Streuobstwiese zusammen mit der Wiese gedacht werden muss, da sich die beachtliche Biodiversität von Streuobstwiesen erst durch die Kombination von Grünland und Gehölzen ergibt, ist oberstes Ziel der unteren Naturschutzbehörde. (HSWT)

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