BUGA Erfurt 2021: 9. Hallenschau

Die 9. Hallenschau auf der BUGA Erfurt 2021 zeigt einen floristischen Streifzug durch die Jahrhunderte.

Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverband Gartenbau (ZVG), verlieh Christopher und Jessica Ernst vom „Creativ Team“ eine von zwei Großen Goldmedaillen der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft. Bild: DBG.

Anzeige

Üppige, barocke Blumenbouquets aus mehrfarbigen Paeonien, ein Sonnenblumenfeld, den Gemälden von van Gogh nachempfunden. Streng monochrome Pflanzdekorationen der Bauhaus-Zeit, emotionale Blumenarrangements zum Thema „Zweiter Weltkrieg“, schrille Sträuße der Pop-Art- und der 90er-Loveparade-Ära: Ein ungewöhnlicher floristischer Streifzug durch die Jahrhunderte erwartet die Besucher der aktuellen BUGA-Hallenschau.

Mit viel Liebe zum Detail hat der Schaugestalter, Floristikmeister Christopher Ernst, mit seinem Team aus Kindelbrück, diese Reise gestaltet. Sie führt anhand bedeutender europäischer Kultur- und Kunstepochen von der Romanik bis zur Techno-House-Ära der Neuzeit. Über 1000 Jahre Kulturgeschichte der Floristik präsentiert das „Creativ Team“ in der großflächigen Blumenschauhalle im egapark.

21 „Epochen“ umfasst die Zeitreise und überall gibt es etwas für die Besucher zu entdecken. Als Orientierung wird jede Epoche auf einer Informationstafel zeitlich eingeordnet und kurz erläutert. Fünf weitere Floristen gestalteten thematische Gestecke und Sträuße. Sieben Gärtnereien stellten dazu eine große Auswahl an Pflanzen und Schnittblumen zur Verfügung.

Den historischen Wandel in der Floristik darzustellen war Beate Walther, der Ausstellungsbevollmächtigten der Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG), wichtig. Denn in Erfurt war Johannes Olbertz tätig, der seit dem späten 19. Jahrhundert die erste Fachzeitschrift für Blumenbinderei, „Bindekunst“, herausgab. Sie verhalf der Blumenbindekunst zum Durchbruch und war ein bedeutendes Medium zur Information und für den Austausch unter den Blumenbindern. Ausgaben sind heute im Deutschen Gartenbaumuseum im egapark zu sehen.

Die Blumenbindekunst oder auch Binderei entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts in enger Beziehung zum Gartenbau weiter. So wurden zum Beispiel im Biedermeier Sträuße sehr eng und kurz gebunden, da die Stängel der Blumen dünn und weich waren. Zum Teil wurden sie mit Draht verstärkt. Doch bestand eine Wechselwirkung zwischen Gartenbau und der Bindekunst: Gärtnereien züchteten Pflanzen mit längeren und stärkeren Stielen, mit denen die Floristen besser arbeiten konnten. Auch gesteckt wurden Blumen, allerdings zunächst in Moos. Erst der synthetisch hergestellte Schaum, der in den 1950er Jahren zuerst in den USA populär wurde, revolutionierte die Floristik. Heute wiederum rücken andere Aspekte der Beziehung des Menschen zur Natur in den Fokus. Ein Zeichen dafür ist ein neu entwickelter Blumensteckschaum, der bereits zu 20 Prozent auf der Basis biologischer Rohstoffe hergestellt wird.

Schafgarbe, die Blumenbinder in der Gründerzeit gerne für Trockenblumensträuße verwendeten, sind auch bei der Hallenschau zu sehen. Ausgezeichnete Sorten stellte die Gärtnerei Bruchmüller aus Möser zur Verfügung, etwa Achillea filipendulina 'Summer Gold', 'Terracotta' oder Achillea millefolium 'Paprika'. Von hoher Qualität sind auch die Pflanzen des Teppichbeetes vor der Halle, wie die Echeveria secunda. Die Anlage erinnert an die Zeit um 1900, als auch Pflanzschalen in den großbürgerlichen Villen in diesem Stil gestaltet wurden. Eine große Vielfalt an Teppichbeetpflanzen wird in der Gärtnerei Bachmann in Bad Liebenstein kultiviert, von Pelargonium zonale 'Wilhelm Langguth' bis Iresine herbstii 'Walisii'. Auch die Sprache der Blumen wird eingesetzt: So sind die Gestecke und Kränze der Romanik und Gotik voller symbolischer Pflanzen des Mittelalters wie Rose, Lilie und Distel. Floristin Bianca Schröter-Ullrich aus Lohfelden nutzte diese besondere Kraft für ihre tiefgründigen und emotionalen Arrangements zum Thema „Zweiter Weltkrieg“. Auch ihre Blumen vom Wegesrand sind in der Lage, Trost und Hoffnung zu spenden. Die wandlungsfähige Verbindung aus Floristik und Gartenbau überzeugte die Preisrichter. Sie vergaben insgesamt 18 x Gold, 13 x Silber und 8 x Bronze an die 13 gärtnerischen und floristischen Aussteller. Darüber hinaus wurden zwei Große Goldmedaillen der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft und ein Ehrenpreis verliehen.

Die Ausstellung wird ergänzt durch Werkstücke, die im Rahmen der IHK-Prüfung der Floristen angefertigt wurden.

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.