QBB: Tagungen in Großbeeren und Potsdam

Die Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung e. V. (QBB) versammelte sich am 29. und 30. Mai zu ihrer diesjährigen Schulung und Mitgliederversammlung in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik (LVGA) in Großbeeren.

Der Baumsachverständige Dietrich Kusche (3. v. li.) erhielt den Qplus Award der QBB für sein jahrzehntelanges Engagement in der Qualitätsentwicklung der Baumpflege. Den Preis überreichten (v. li. n. re.) Martin Draeger, der QBB-Vorsitzende Christian Draeger, QBB-Schatzmeister Simon Klapper, Hans Rhiem, Ehrenmitglied der QBB, und der 2. QBB-Vorsitzende Martin Hüfner. Foto: QBB.

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120 Geschäftsführer:innen und Mitarbeitende aus QBB-Mitgliedsunternehmen nutzten die beiden Tage, um sich fortzubilden und aktuelle fachliche Herausforderungen der Baumpflege zu diskutieren. Den Schlusspunkt setzten die Mitgliederversammlung und die Ehrung eines prägenden Branchenvertreters: Für sein jahrzehntelanges Engagement für den Berufsstand und die Qualitätssicherung in der Baumpflege erhielt Dietrich Kusche den Qplus Award der QBB.

Verbandsarbeit trifft auf Versuchswesen

Die Wahl des Veranstaltungsortes war keine zufällige: Die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik in Großbeeren verbindet praxisbegleitendes Versuchswesen mit Ausbildung und Weiterbildung. Ein zentrales Thema des Standorts Großbeeren ist die urbane, klimaangepasste Pflanzenverwendung und damit ein Bereich, der auch für die Baumpflege von wachsender Bedeutung ist. Hinzu kommt mit der Obstbauversuchsstation der LVGA in Müncheberg ein Themenfeld, das für die Baumpflege weit über den klassischen Obstbau hinaus relevant ist. Alte Obstsorten, genetische Vielfalt, Streuobstbestände und Obstgehölze als wertvolle Habitate werden vor dem Hintergrund des Klimawandels und des Artenschutzes ebenfalls immer wichtiger. Zugleich sind Obstbäume von großer emotionaler und kulturhistorischer Bedeutung, sei es im Privatgarten, auf der Streuobstwiese oder im öffentlichen Raum.

Christian Draeger, 1. Vorsitzender der QBB, begrüßte die Teilnehmenden mit Blick auf den Anlass und den Ort: „Der Klimawandel und seine mitunter dramatischen Folgen für die Umwelt beeinflussen unsere Arbeit immens. Er ist das Generalthema unserer und folgender Generationen, mit dem wir uns dauerhaft in vielen Details auseinandersetzen müssen. Wir alle wissen, Qualität fällt einem dabei nicht einfach in den Schoß, sie will kontinuierlich erarbeitet werden. Das erfordert Neugier, Fleiß und stetes Wissen-Wollen!“ Genau dafür, so Draeger, böte die LVGA mit ihrer Verbindung aus Lehre, Weiterbildung und Versuchswesen einen idealen Rahmen.

Vom Boden bis zum Blätterdach: Schulungsprogramm mit Tiefgang

Den Auftakt der zweitägigen Veranstaltung bildeten am Freitag vier praxisorientierte Workshops auf dem Gelände der LVGA in Großbeeren. Die Themenvielfalt spiegelte die Bandbreite moderner Baumpflege wider: Ein Workshop der Fachfirma Terrafit führte die Teilnehmenden durch den Ablauf einer Bodenbelüftungsmaßnahme am praktischen Beispiel, von der richtigen Standortbeurteilung über den Einsatz geeigneter Technik bis hin zur Auswahl passender Zuschlagsstoffe. Peer Wischenkow von der LVGA Großbeeren beleuchtete in seinem Workshop die Artenvielfalt in der Baumpflege, ein Thema, das angesichts des Artensterbens und des Klimawandels zunehmend in den Fokus der Branche rückt. Maria Bach, ebenfalls von der LVGA, widmete sich dem Berufsbild des Obstbaumwarts und der Streuobstbaumpflege als Sonderfall innerhalb der Baumpflege. Viel Aufmerksamkeit erhielt auch der Workshop „Streuobstbaum als Alleebaum“ von Sören Hobohm von der Baumschule Nauen. „Obstalleen haben früher Menschen mit vielfältigen Früchten versorgt. Heute muss man sich erst informieren, um sich mit der Ernte nicht strafbar zu machen", sagte der Referent und verwies anschließend auf das Potenzial von Obstalleen, im Rahmen der Umsetzung von § 40 Bundesnaturschutzgesetz an untergeordneten Straßen zur Erhöhung der Artenvielfalt beizutragen. Die praktische Umsetzung von Obstalleen scheitere trotz erreichbarer Lichtprofile jedoch oft an ihrer zu geringen Distanz zum Fahrbahnkörper. Hobohm machte weiterhin deutlich, dass ältere, vitale Obstbaumbestände, die heute noch gut dastünden, auch auf ihre Resilienz gegenüber längeren Trockenperioden hin bewertet werden müssten

Perspektivwechsel für die Praxis: Kurzvorträge an Tag 2

Am 30. Mai setzte die QBB ihre Schulung im Dorint Hotel Potsdam mit drei Kurzvorträgen fort. Der öffentlich vereidigte Sachverständige Christoph Beckschulte sprach über „Baumpflege aus Sicht des Sachverständigen“ und nahm gezielt mögliche Missverständnisse zwischen Sachverständigen und ausführenden Baumpflegerinnen und Baumpflegern in den Blick. Seine These: Während Sachverständige im Rahmen eines klar definierten Auftrags neutral auf konkrete Fragestellungen antworten müssten, verfolgten Baumpflegebetriebe in der Regel eine stärker handlungs- und lösungsorientierte Perspektive. Beckschulte warb für gegenseitiges Verständnis: „Ob Baumpfleger oder Sachverständiger: Beide haben Ahnung von der Materie, kommen aber aufgrund ihrer verschiedenen Hintergründe zu anderen Ergebnissen.“ Sein Anliegen sei es, Respekt für die jeweils andere Sichtweise zu fördern und damit Missverständnisse in der Praxis zu verringern.

Philipp Sattler, Geschäftsführer der Stiftung „Die grüne Stadt“ beleuchtete in seinem Vortrag die Rolle von Bäumen als Schlüssel für lebendige Städte und Daniel Kaiser von der LVGA Großbeeren berichtete über die Baumartenwahl im Klimawandel und die „Allee von morgen“. Auch diese Themen zeigen, wie breit das berufliche Spektrum der Baumpflege inzwischen geworden ist.

Die QBB auf Wachstumskurs: Sieben neue Mitgliedsbetriebe

Traditionell bildete die QBB-Mitgliederversammlung am Samstagnachmittag den Abschluss der zweitägigen Veranstaltung. Zu Beginn wurden sieben neue Mitgliedsbetriebe auf einen Streich in die QBB aufgenommen. Damit zählt die Qualitätsgemeinschaft nun 33 ordentliche und außerordentliche Mitglieder. Neu mit dabei sind die Firmen Arbor revital aus Halle (Westfalen), Baumpflege Fisch aus Homburg, Bloch – Gesamtkonzept Baum aus Neuhütten, oar Gartenservice aus Dänischenhagen, Seil und Beil aus Konz, Tree Solution aus Hamburg sowie Grüner Zweig aus Tecklenburg. Christian Draeger bewertete diese Entwicklung als starkes Signal für die Branche: „Das ist ein toller Anstieg, der die Bedeutung der Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung für die Baumpflegebranche unterstreicht!“

Ein Leben für den Baum: Der Qplus Award 2026 geht an Dietrich Kusche

Den emotionalen Höhepunkt der Mitgliederversammlung bildete die Verleihung des diesjährigen Qplus Awards. Mit dem Preis würdigt die QBB ausgewählte Persönlichkeiten und Projekte, die in besonderer Weise für eine hohe Ausführungsqualität und Nachhaltigkeit in der Baumpflege stehen. 2025 hatte die QBB den Preis erstmals vergeben – an zwei Mitgliedsunternehmen für eine spektakuläre Großbaumverpflanzung in Hamburg Wilhelmsburg. In diesem Jahr ehrte die QBB mit Dietrich Kusche eine Persönlichkeit, deren Werk die gesamte Branche geprägt hat. Der Berliner Baumexperte, Sachverständige und Autor erhielt den Qplus Award 2026 für sein außerordentliches Lebenswerk.

„Dietrich Kusche gehört zu den Persönlichkeiten, die die professionelle Baumpflege in Deutschland und Europa über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgestaltet haben. Er war Mitgründer der QBB, wirkte an der ersten ZTV-Baumpflege mit, engagierte sich auf europäischer Ebene unter anderem als Mitbegründer des European Arboricultural Council und trug mit seiner Arbeit als Unternehmer, Sachverständiger und Fachautor wesentlich zur Professionalisierung des Berufsstandes bei“, sagte Christian Draeger in seiner Laudatio. Mit der Ehrung verband der QBB-Vorsitzende auch eine persönliche Geschichte. Er kennt Dietrich Kusche seit seiner Kindheit: Kusche war der Chef von Draegers Vater, der in den 1970er Jahren die Niederlassung West von Kusches Baumpflege-Unternehmen aufbaute. Draeger, der heute die Kusche Baumdienst GmbH in Essen als Geschäftsführer leitet, beschrieb diese langjährige Verbundenheit und seinen persönlichen „Full Circle Moment“ mit den Worten: „Für mich und meine beiden jüngeren Brüder warst du, Dietrich, immer höchste Respektperson und wie unser Vater ein großes Vorbild. Die Qualität unserer Arbeit und der gemeinsame Anspruch, die Baumpflege bestmöglich voranzubringen, gründet auf deiner Lebensleistung!“

Qualität als Gemeinschaftsaufgabe

Die Mitarbeiterschulung und Mitgliederversammlung 2026 in Großbeeren hat einmal mehr gezeigt, was die QBB ausmacht: der lebendige Austausch zwischen Theorie und Praxis, das Engagement für eine nachhaltige, professionelle Baumpflege und der Zusammenhalt einer Gemeinschaft, die stetig wächst. Mit 33 Mitgliedsbetrieben, einem starken Programm und der Ehrung eines der Großen der Branche hat die Qualitätsgemeinschaft ein klares Signal gesetzt: Die Baumpflege in Deutschland hat eine starke, engagierte Stimme, und diese Stimme wird lauter.

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