VGL NRW: Positionspapier

Die Positionen des Garten-, Landschafts-und Sportplatzbaus zur Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen hat der VGL NRW jetzt in einem Papier zusammengefasst.

Der Positionen des Garten-, Landschafts-und Sportplatzbaus zur Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen hat der VGL NRW jetzt in einem Papier zusammengefasst.

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Eine große Stärke Nordrhein-Westfalens ist seine regionale und landschaftliche Vielfalt. Stadt und Land gehen hier oft nahtlos ineinander über - die hochverdichtete Metropolregion Rhein-Ruhr ist durchzogen von Naturräumen, Gewässern und Wäldern. Andererseits besitzen auch die dünner besiedelten Landschaften wie das Sauerland oder Ostwestfalen eine hohe Wirtschaftskraft. Mit 396 Kommunen und rund 17,9 Millionen Einwohnern ist Nordrhein-Westfalen das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Für die Bürger ist die Grüne Infrastruktur der Städte und Gemeinden von besonderer Bedeutung, dies wurde in der Corona-Krise überdeutlich, ist aber langfristig vor allem zur Anpassung an den Klimawandel und zur Förderung von Gesundheit und Lebensqualität unersetzlich.

Der Garten-, Landschafts-und Sportplatzbau leistet in Nordrhein-Westfalen wesentliche Beiträge zum Klima-, Natur-und Umweltschutz, zur nachhaltigen Stadtentwicklung mit Grün und auch zur Ausbildung junger Menschen. Die Ergebnisse ihre Arbeit zeigen sich in privaten Gärten und öffentlichen Parks, an Straßen und auf Plätzen, in grünen Städten und Dörfern, in Gewerbegebieten und in renaturierten Landschaftsteilen, aber auch gebäudenah als Dach-und Fassadenbegrünung. Die Dienstleistungen sind wirksame Instrumente zur Klimaanpassung und zum Klimaschutz. Sie präsentiert sich mit ihren Themen und Leistungen regelmäßig auf Landesgartenschauen, die der Verband als wichtige Impulsgeber und Motoren der Stadt-und Regionalentwicklung sieht.Dieser   Verantwortung will man im Schulterschluss mit der Landespolitik und den Städten und Gemeinden auch in Zukunft gerecht werden.

Beitrag und Anspruch:

- Grüne Infrastruktur sichern und erhalten

- Vielfältige Lebensräume schützen und ausbauen

- Städte und Gemeinden klimaresilient weiterentwickeln

- Kommunen attraktiver machen und stärken

- Landesgartenschauen durchführen

- Fachkräftenachwuchs sichern

Grüne Infrastruktur sichern und erhalten

Die grün-blaue Infrastruktur der Städte und Gemeinden hat über die traditionell ästhetische und raumstrukturierende Wirkung in der Stadtgestaltung hinausgehend heute eine wesentlich größere Bedeutung. Öffentliche Grünflächen sind entscheidende Instrumente der Stadtklimatologie, indem sie die Stadtluft kühlen, Schatten spenden, Sauerstoff erzeugen, Schadstoffe binden, Feinstaub filtern. Darüber hinaus gewinnen sie an Bedeutung für das Regenwasser-Management, insbesondere mit Blick auf die zuneh-menden Starkregenereignisse, die mit dem Klimawandel einhergehen. Nicht zuletzt spielen sie eine wichtige Rolle für die Gesundheit und das soziale Miteinander der Bürgerinnen und Bürger. So bieten Parks und Grünflächen den Menschen Ausgleichs-und Ruheräume, Naturerfahrungsflächen und vor allem Raum für Begegnung, Sport und Spiel an der frischen Luft.

Während der Corona-Krise haben sich öffentliche Grünflächen als wertvolle Naherholungsbereiche erwiesen. In dieser von Kontaktverboten und sozialen Distanzregeln geprägten Zeit hat sich gezeigt, dass die städtische Natur es den Bürgern ermöglicht, zumindest zeitweise der Enge von Räumen zu entfliehen, Spaziergänge zu unternehmen, sportliche Aktivitäten auszuüben oder sich ganz einfach frei zu fühlen. Gestaltete Grünanlagen konnten die Schließung von Spielplätzen und Sportstätten zumindest teilweise kompensieren. So leistet Grün einen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und fördert den sozialen Frieden.

Im Sinne der Umweltgerechtigkeit ist zu betonen, dass die Verfügbarkeit von öffentlichen Grünflächen frei von Konsumzwängen oder Eintrittsgeldern für alle Bürgerinnen und Bürger dauerhaft sichergestellt sein muss. Wichtig ist allerdings auch, dass zum Erhalt der Grünen Infrastruktur eine ausreichende Pflege und Instandhaltung eingeplant wird. Der VGL sieht Ihre Aufgaben im öffentlichen Grün, aber auch in Projekten zur Wohnumfeldverbesserung und Revitalisierung von Siedlungen oder in der Modernisierung von Spiel-und Freizeitanlagen. Vernetzte Grünflächen, die von jedem Ort in der Stadt in relativ kurzer Zeit fußläufig erreichbar sind, zeichnen die Qualität der Stadt der Zukunft aus.

Vielfältige Lebensräume schützen und ausbauen

Ein großes Problem unserer Zeit ist der Verlust von Lebensräumen und das damit einhergehende Artensterben bei Tieren und Pflanzen. Rund 45% der Landesfläche in Nordrhein-Westfalen sind als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen, dennoch konnte bisher trotz aller Bemühungen im Naturschutz noch keine generelle Trendwende beim Artenrückgang erreicht werden. Die Artenvielfalt ist heute in urbanen Raum größer als in der freien Landschaft. Dies erklären sich Ökologen vor allem mit der Kleinteiligkeit und dem Abwechslungsreichtum von öffentlichen und privaten Grünflächen in Städten und Gemeinden. Diese sind deshalb unbedingt schützens- und erhaltenswert.

Die Landschaftsgärtner legen großen Wert auf Pflanzenvielfalt, die die Basis für die Schaffung von Lebensräumen für Insekten, Vögel und andere Tierarten ist. Wir befürworten den Rückbau von versiegelten Flächen und die Renaturierung von Wasserläufen und insbesondere Uferräumen als bedeutende Biotope für viele Tier-und Pflanzenarten. Auch im Umbau der vorhandenen Bestände im urbanen Raum zur Anpassung an den Klimawandel stehen Die Landschaftsgärtner in Zusammenarbeit mit dem produzierenden Gartenbau in Nord-rhein-Westfalen als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung. Sie plädieren für eine Fortsetzung der aktiven Naturschutzpolitik in Nordrhein-Westfalen.

Städte und Gemeinden klimaresilient weiterentwickeln

Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sind heute eng verbunden mit der grün-blauen Infrastruktur. Als schon heute spürbare Auswirkungen der Klimaveränderung sind insbesondere deutlich mehr bzw. stärkere Wetterextreme festzustellen: Jahrhundertfluten, Sturmereignisse wie Ela, Extremsommer mit längeren Trockenzeiten, ungewöhnlich milde Winter ebenso wie späte Kälteeinbrüche sind typische und in Städten besonders unangenehme Begleiterscheinungen.

Für Städte und Kommunen ergeben sich hieraus erheblich erweiterte Aufgaben - auch mit Blick auf Gesundheitsschutz und Katastrophenvorbeugung. So überfordern die infolge des Klimawandels immer öfter auftretenden Starkregenfälle die Abwassersysteme der Städte. Begrünte Dächer dagegen speichern das Regenwasser temporär und geben es zeitverzögert wieder ab. Damit werden die Kanalisation entlastet und Schäden durch Überschwemmungen deutlich vermindert. Mit Blick auf die demographische Entwicklung sind besonders die an Anzahl und Temperatur zunehmenden sommerlichen Hitzetage im urbanen Raum problematisch. Auch hier kann man mit Stadtgrün und Gründächern spürbar entgegenwirken, denn im Gegensatz zu Betondächern erhitzen sich die bepflanzten Flächen durch die Sonneneinstrahlung viel weniger stark. Außerdem hat die Verdunstung des gespeicherten Wassers einen kühlenden Effekt und sorgt für ein angenehmeres Klima in der unmittelbaren Umgebung.

Ein solches dezentrales System zum Wassermanagement verbessert die Resilienz unserer Städte und Gemeinden direkt und stärkt den Gesundheitsschutz und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger. Nützlicher Nebeneffekt: Begrünte Dächer steigern im Sommer die Leistungsfähigkeit von Photovoltaik-Anlagen durch Kühlung der Module um bis zu 20%.

Ein weiteres großes Thema im bebauten Raum sind die sogenannten Schottergärten, die sich insbesondere in Neubaugebieten breit gemacht haben. Mit unserer Initiative „Rettet den Vorgarten“ setzen die Landschaftsgärtner Zeichen für mehr Klimaschutz im direkten Lebensumfeld derMenschen. Darüber hinaus plädieren wir für die verstärkte Verwendung von versickerungsfähigen Oberflächen und insgesamt eine Inwertsetzung der Grünen Infrastruktur. Die Städte und Gemeinden müssen gerade jetzt investieren, zumal Investitionen in den Klimaschutz Ökonomen zufolge zu den wirksamsten Konjunkturimpulsen überhaupt gehören. So erklärt sich, dass bundesweit der Appell von Ministerien, Umweltverbänden und Initiativen unisono auf eine verstärkte Durchgrünung städtischer Räume setzt.

Kommunen attraktiver machen und stärken

Im Wettbewerb der Städte um Bürger und Unternehmen geht es immer mehr auch um die Qualität des Freiraums: Städte positionieren sich im Stadtmarketing und betonen ihr individuelles Flair und den Wiedererkennungswert. Die Grüne Infrastruktur gehört zu den wichtigsten Elementen kommunaler Daseins-vorsorge. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, steigende Erwartungen an den öffentlichen Raum, aber auch neue Sortimente, neue Formen der Pflanzenverwendung und angepasste Pflege- und Unterhaltungsaufgaben brauchen starke Grünflächen - aber auch Umweltämter.

Der Garten-, Landschafts-und Sportplatzbau steht den Kommunen zur Seite und bietet mit seiner breiten Expertise die Voraussetzungen für eine attraktive und funktionierende Grüne Infrastruktur. Gemeinsam mit Kommunen, Institutionen und Unternehmen tragen wir dazu bei, nachhaltige Konzepte umzusetzen und so die ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Weiterentwicklung unserer Städte und Gemeinden zu unterstützen. Die Kommunen rechnen infolge der Corona-Pandemie mit einem drastischen Rückgang ihrer Steuereinnahmen. Vielen bleibt nur noch wenig Spielraum zur Umsetzung der dringend notwendigen Grünmaßnahmen. Darum müssen Bund und Länder für eine klimagerechte und nachhaltige Stadtentwicklung jetzt wirksame und umfassende Investitionen in grüne und blaue Infrastruktur anstoßen, auch um die Ziele des Weißbuchs Stadtgrün und des Masterplans Stadtnatur der Bundesregierung aktiv umzusetzen.

Es gilt, die Struktur und Organisation der Grünflächen- und Umweltämter gerade jetzt zu stärken. Dabei sind sowohl Investitionen in die Erweiterung und Anpassung der vorhandenen Grünflächen zu beachten als auch die Sicherung langfristiger Pflegekonzepte, die für die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Grün- und Freiflächen existenziell sind.

Landesgartenschauen durchführen

Seit den 1980er Jahren werden in Nordrhein-Westfalen regelmäßig Landesgartenschauen durchgeführt. Sie sind heute als wirksame Instrumente einer nachhaltigen Stadt-und Regionalentwicklung anerkannt und haben sich als bedeutender Bestandteil der Landeskultur einen festen Platz erobert. Bundes-und Landesgartenschauen sowie Internationale Gartenschauen zeigen exemplarisch, was der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau auch andernorts im öffentlichen Grün und in Privatgärten leistet. Es geht um nachhaltige Konzepte zur Gestaltung des direkten Lebens-und Arbeitsumfelds der Menschen.

Grünflächen und Freiräume sind in unserem dicht besiedelten und verkehrsreichen Bundesland von ganz besonderer Bedeutung und - das sieht man in der Coronakrise - der Druck auf den öffentlichen Raum wächst. Landesgartenschauen sind Investitionen in die Stadt- und Regionalentwicklung, die nur langfristig bewertet werden können. Wie auch bei anderen Großveranstaltungen oder bedeutenden touristischen, kulturellen oder infrastrukturellen Einrichtungen ist der tatsächliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Wert erheblich größer als der direkt zurechenbare Nutzen. Zu berücksichtigen sind z.B. auch positive externe Effekte auf die Gastronom und Hotellerie oder den Einzelhandel,die von Besuchern von außerhalb profitieren. Wertvoll sind aber vor allem die nur bedingt monetär bewertbaren Auswirkungen auf die Attraktivität der Region und die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger, die potenzielle Abwanderungstendenzen bremsen oder sogar umkehren können. Die Landschaftsgärtner befürworten daher die Entscheidung der Politik, die Fortführung der Landesgartenschauen in Nordrhein-Westfalen zu sichern.

Fachkräftenachwuchs sichern

Der Garten-, Landschafts-und Sportplatzbau ist mittelständisch geprägt, die Unternehmen werden zum Großteil als Familienbetriebe geführt. Der Fachkräftebedarf ist nach wie vor enorm, der Verband wie die Betriebe unternehmen vielfältige Anstrengungen, um Nachwuchs zu gewinnen – mit guten Argumenten, denn unsere Branche bietet viele Beispiele für erfolgreiche Berufs-und Lebenswege. Der Verband wünscht sich jedoch insgesamt mehr Wertschätzung für die berufliche Bildung und plädieren für eine NRW-weite Landeskampagne zur Imagesteigerung und Inwertsetzung des Berufsbildes. Problematisch ist für die Ausbildungsbetriebe und deren Auszubildende schon heute der Lehrermangel an berufsbildenden Schulen und die teilweise umständlichen Qualifizierungswege in NRW. Ausbildung wie Studium sollten gestärkt werden. Als neuen Studienstandort für Landschaftsbau und Landschaftsarchitektur setzen sie sich für die Stadt Wuppertal ein, deren zentrale Lage mitten in NRW den Studieninteressierten entgegenkommt. Auch Quereinsteigern wird eine Zukunft in der Branche geboten. Darüber hinaus sind die Landschaftsgärtner offen für die Beschäftigung und Integration von Geflüchteten. Hierzu gibt es ein explizites Eingliederungsprogramm des Verbandes.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt führt zu einer zunehmenden Veränderung der Arbeitsprozesse auch im Garten-, Landschafts-und Sportplatzbau. Parallel sind aber auch Investitionen in die Infrastruktur der berufsbildenden Schulen gerade im Bereich digitaler Medien sowie digitaler Maschinen und Geräten dringend erforderlich, um die Branche zukunftsorientiert aufzustellen.

Der Ansatz: Gemeinsame Verantwortung

Menschen wollen fußläufig zu Grünflächen gelangen, in denen sie dem Lärm und der Hektik, dem Verkehr und der schlechten Luft der Stadt entfliehen können. Eine grüne Stadt - so nennen sich landesweit viele Städte -steht für Lebensqualität, Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Menschen und gilt auch als gutes Argument im touristischen Stadtmarketing. Erfolgreich in einem qualitativen Sinne sind die Städte, die ein umfassendes Freiraumkonzept umsetzen, in dem Grünflächen eine zentrale Rolle spielen. Die Grundlage ist eine frühzeitige und ganz selbstverständliche, natürliche Integration der Grün- und Freiraumplanung in die Städteplanung, nicht als Anhängsel, das wie ein Schmuckstück am Schluss noch für grünen Anstrich sorgen soll.

Gelingt es, Grün im urbanen und im ländlichen Raum zu stärken und nachhaltig aufzuwerten, wirkt sich das positiv auf das Klima, die Wettbewerbs-und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft und die Attraktivität unserer Städte aus. Dafür müssen alle Akteure zusammenwirken. Eine grüne Infrastruktur gibt es nicht zum Nulltarif: Investitionen in den Erhalt und Ausbau von Grünzügen und Grünflächen in den Städten und Gemeinden sind ebenso wichtig wie die langfristige Sicherung von deren Pflege. Hierzu ist eine starke Grünverwaltung vor Ort in den Städten und Gemeinden wichtiger Partner und Garant für eine zukunftsfähige, klimaangepasste und nachhaltig wirksame Kommunal- und Regionalentwicklung. (VGL NRW)

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