Landschaftsschutz: Ein Aufbruch zu einer Kultur des Gartens

Was die Stiftung Landschaftsschutz von 2021 erwartet: Ein Aufbruch zu einer Kultur des Gartens.

Die SL wünscht sich –oder fordert gar vielmehr– eine Kultur des Gartens. Bild: GABOT.

Anzeige

Am Ende ihres Jubiläumsjahrs zum 50-­jährigen Bestehen wünscht sich die Stiftung Landschaftsschutz (SL) für das kommende Jahr mehr als nur ein Wiederkehren der "Normalität". Sie fordert ein breites Umdenken in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Der SL fehlt eine breite öffentliche Diskussion um positive Zukunftsziele, welche die negativen Dystopien der Coronazeit verdrängen helfen. Der Wunsch nach Normalität wird zur rückwärtsgerichteten Utopie, wenn sie darunter die bloße Rekonstitution der bisherigen Wirtschafts-­ und Lebensweise versteht. Diese führt zwar zu einem angenehmen Leben; ihre Folgen sind für die Natur allerdings inakzeptabel und werden für den Menschen mehr und mehr zum Bumerang. War bis vor kurzem noch die Natur die Umwelt des Menschen, ist im Anthropozän der Mensch zur Umwelt der Natur geworden. Von ihm hängt Klima, Biodiversität, Baukultur, landschaftliche Schönheit und menschliches Glück ab.

Wir brauchen nicht rückwärtsorientierte Utopien, sondern neue positive Zukunftsvisionen.

Die SL wünscht sich –oder fordert gar vielmehr– eine Kultur des Gartens. Der Garten, der den Menschen im Sinne des "Otium" und "Negotium" gleichermaßen ernährt und erfreut, ist das Grundprinzip der schonungsvollen Bodennutzung, wo Nutzen und Schönheit, Planung und Selbstgestaltung, Eigenwille und Gemeinschaftswille, Natur und Kultur sich ausgleichend und gegenseitig inspirierend begegnen. Wenn die Erde als Garten zu verstehen ist, so bedeutet dies für den Umgang mit jedem Quadratmeter Boden unseres Planeten eine neue Form von Kultiviertheit. Der Garten Schweiz wurde massiv verletzt. Zeit also den Imperativ der Erde wieder zu erkennen. Dieser lautet, sie zu schonen, was wiederum bedeutet sie schön zu behandeln, wie es der Philosoph Byung-­Chul Han ausdrückte. Das Schonen und das Schöne sind etymologisch miteinander verwandt. Für das eine brauchen wir wissenschaftliche Erkenntnisse, für das andere unsere sinnliche Wahrnehmung. Beides manifestiert sich in der Kultur des Gartens.

Die Chancen für eine Kultur des Gartens waren selten so groß wie jetzt, da wir im Coronajahr die Natur und Landschaft vor unserer Haustüre schätzen gelernt haben.

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.