LALLF: Pflanzkartoffeln vor Viren schützen

Einzigartig für Deutschland sind die Standorte für die Erzeugung gesunder Pflanzkartoffeln in Mecklenburg-Vorpommern. Das liegt an den natürlichen Voraussetzungen wie dem Seeklima, der Bodenqualität und den pflanzengesundheitlichen Bedingungen auf über 136.000 ha Ackerfläche.

Gesundes, zertifiziertes Pflanzgut ist an der blauen Banderole an den im Handel erhältlichen Raschelsäcken zu erkennen. Bild: LALLF.

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Die Ackerflächen in Mecklenburg-Vorpommern sind als sogenannte Gesundlagen für die Pflanzkartoffelerzeugung durch die EU anerkannt. Den ersten Impuls für ihre Errichtung gaben die Blattläuse. Sie übertragen zahlreiche Kartoffelviren, haben es an der Küste bei Wind und Wetter jedoch schwerer, sich zu vermehren und auszubreiten. Alle großen Kartoffelzüchter Deutschlands sind deshalb im Land ansässig. Mecklenburg-Vorpommern gilt als Kinderstube fast aller deutschen Kartoffelsorten, auch in ökologischer Qualität.

Aber natürlich droht dem Kartoffelanbau trotz aller positiven Grundbedingungen Gefahr – unter anderem durch die Viren. „Der Ausschluss des Befalls mit Viruskrankheiten ist eines der wichtigsten Kriterien in der aufwändigen Pflanzgutvermehrung, die durch das LALLF kontrolliert wird“, sagt Dr. Stephan Goltermann, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock. „Viren rauben den Pflanzen Vitalität und Kraft und können den Knollenertrag empfindlich schmälern“, ergänzt er. Erkennbar sind Viruskrankheiten an Veränderungen der Blätter, wie Mosaikverfärbungen und Kräuselungen. Blattläuse nehmen die Viren beim Saugen von Pflanzensaft auf. „Fliegen sie auf die nächste Kartoffelpflanze, zieht auch das Virus mit und die Krankheiten verbreiten sich.“, zeigt Goltermann auf. Sämtliche Kartoffel-Vermehrungsflächen werden daher mehrfach auf Blattlausbefall oder Krankheitssymptome kontrolliert und die geernteten Knollen mittels PCR auf ihren Virusgehalt untersucht. Bei einem erkannten Befall droht den Züchtern die Aberkennung des betreffenden Aufwuches und damit eine Handelssperre. In jedem Fall müssen virusbefallene Feldbestände bereinigt werden.

Um die Virusübertragungsgefahr noch weiter zu reduzieren, wendet man im Land M-V für die Gesundlagen strengere Anforderungen an die Pflanzgutqualität an, als gesetzlich vorgegeben. So soll erreicht werden, dass sich auch in der Nachbarschaft der Züchterbestände keine gravierenden Infektionsquellen befinden, von denen sich Viren durch Blattläuse verbreiten können. Dabei geht es nicht nur um landwirtschaftliche Kartoffelbestände, sondern ebenso um den Kartoffelanbau in Kleingärten. Denn auch diese Kartoffeln sind mögliche Lebensgrundlage von Blattläusen und können bei schlechter Qualität als Infektionsquelle dienen.

„Es ist wichtig, dass nur anerkanntes Pflanzgut, unter anderem durch direkten und meist kostengünstigen Bezug vom Züchter, zum Anbau gelangt“, unterstreicht Goltermann. Gesundes, zertifiziertes Pflanzgut ist an einer blauen Banderole an den im Handel erhältlichen Raschelsäcken zu erkennen.

In den letzten zwei Jahren sind vermehrt virusbefallene Pflanzkartoffelpartien aufgefallen, die wahrscheinlich auf belastete Kartoffelbestände in der Nachbarschaft zurückzuführen sind. Goltermann appelliert an die Kleingärtner: „Bitte legen Sie nicht ein-fach übrig gebliebene oder angekeimte Speisekartoffeln in die Erde. Im Zweifel schaden Sie damit der Kartoffelwirtschaft des Landes“.

Hintergrund

Wegen ihrer besonderen Eignung wurden mit der Gesundlagenverordnung 1992 bestimmte Gebiete für die Pflanzkartoffelerzeugung in M-V als Gesundlage eingestuft. Bevor Kartoffeln als Pflanzgut in Verkehr gebracht werden dürfen, müssen in einem Anerkennungsverfahren zahlreiche Anforderungen an den Feldbestand und insbesondere an die Beschaffenheit erfüllt werden. Die amtliche Beschaffenheitsprüfung beinhaltet molekularbiologische Tests auf Viruskrankheiten, Bakterielle Ringfäule, Schleimkrankheit, weitere Knollenkrankheiten sowie auf äußere Mängel. Der Ablauf des Anerkennungsverfahrens und die Anerkennungsnormen werden durch die Pflanzkartoffelverordnung vorgegeben.

Bis der Landwirt oder der Kleingärtner hochwertiges und geprüftes Pflanzgut erwerben kann, vergehen bis zu neun Jahre. Viele Kartoffelkrankheiten, unter anderem die Viren, werden über die Knollen an den nachfolgenden Aufwuchs weitergegeben. In den ersten vier Vermehrungsjahren darf erzeugtes Pflanzgut nur maximal 0,5% Virus aufweisen.

In der Beschaffenheitsprüfung auf Viruskrankheiten wird der Besatz mit den sechs wichtigsten einheimischen Kartoffelviren als Grundlage für die Einstufung einer Pflanzgutpartie ermittelt. (LALLF)

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