Weihnachtsbaum: Sommerlicher Wurzelschnitt

Wer Weihnachtsbäume zieht, braucht einen langen Atem. Aus dem Samen, der vor einem Vierteljahr ins Saatbeet kam, wird frühestens nach zehn bis zwölf Jahren ein stattlicher Zwei-Meter-Weihnachtsbaum geworden sein - aber nur, wenn alles gut geht.

Weihnachtsbäumchen in Reih und Glied. Foto: Frank Ostermann.

In Ellerbek, dem Dorf der fünf Baumschulen nahe Hamburg, wird zurzeit eine Tannengeneration für die 2030er Jahre vorbereitet: Ab Herbst gehen von hier aus wie jedes Jahr viele Hunderttausend drei bis vier Jahre alte Pflänzchen an die Weihnachtsbaumanbauer in Deutschland und Österreich. Aktuell erhalten sie den letzten Schliff mit einem Wurzelschnitt.

Stark, von schönem Wuchs und sattgrüner Farbe – so wünscht man sich den Weihnachtsbaum. Die Vorbedingungen dafür sind zum einen qualitativ einwandfreies Saatgut, das in Klengen bzw. Forstsamendarren aus Zapfen gewonnen wird, und zum anderen daraus gezogene kräftige Jungpflanzen. Wegen des hohen Aufwandes überlassen die allermeisten Weihnachtsbaumanbauer die Anzucht spezialisierten Baumschulen. „Das kann sich kaum einer vorstellen, aber die Pflege der Tannenkeimlinge und der Pflänzchen hält uns das ganze Jahr auf Trab“, sagt Frank Ostermann, Seniorchef der Baumschule Matthias Ostermann GbR in Ellerbek (Kreis Pinneberg), der seit über 35 Jahren Weihnachtsbäumchen zieht.

Der 58-Jährige hat sich zusammen mit seinem Sohn Jan-Erik Ostermann, wie auch vier weitere Ellerbeker Kollegen, auf Forstpflanzen und darunter insbesondere die Nordmanntannen spezialisiert. Sie bilden zu über 80% das Gros der alljährlich etwa 28 Millionen Weihnachtsbäume in Deutschland und Österreich. Aktuell steht der Wurzelschnitt für die Pflänzchen an, die ab September und in Masse dann im Frühjahr 2026 auf die Reise zu den Anbauern gehen. Zweimal werden die Pfahlwurzeln der Tännchen in ihren ersten drei Jahren mit einem Unterschneidemesser eingekürzt: „Das regt die Bildung feiner Faserwurzeln im oberen Bereich an und verhindert, dass die Pfahlwurzel zu stark wird. Dadurch wachsen die Pflanzen besser an“, erklärt Frank Ostermann.

Bis zum Versand läuft die Anzucht der Forstpflanzen kurz gefasst so ab: Säckeweise erhalten die Baumschulen im Februar von den Saatgutfirmen die aufwendig verlesenen Samen, sorgfältig getrennt nach Arten wie Blaufichten, Rotfichten, Nobilis, Korktannen und andere mehr. Auch bei den Nordmanntannen wird nach zahlreichen Varietäten unterschieden, je nach den gewünschten Eigenschaften. Die Baumschulen bringen das Saatgut durch Feuchtigkeits- und Temperaturregulierung zum Keimen. Im Mai setzen sie die Sämlinge ins Saatbeet, bis zu 1000 Stück pro Meter. Im Juni des folgenden Jahres folgen das erste Einkürzen der Wurzel und das Umsetzen – Verschulen – vom Saat- ins Pflanzbeet, nun bis zu 100 Stück auf einem Meter. Die Baumschule Matthias Ostermann GbR belässt es bei 75, was kräftigere Pflanzen ergibt. Im nächsten Jahr kürzen die Baumschuler erneut die Wurzel, ehe die Pflänzchen im Herbst oder im folgenden Frühjahr auf Reisen gehen. Manche Anbauer bevorzugen dreieinhalb- oder vierjährige Tännchen, daher darf ein Teil der Jungpflanzen im angestammten Beet bleiben. Einige Hundertausend kleine Weihnachtsbäume der Baumschule Matthias Ostermann GbR gehen jedes Jahr in alle Teile Deutschlands und Österreichs und bringen sozusagen ein Stückchen Ellerbek in ebenso viele Wohnzimmer.

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Weihnachtsbaum: Sommerlicher Wurzelschnitt

Wer Weihnachtsbäume zieht, braucht einen langen Atem. Aus dem Samen, der vor einem Vierteljahr ins Saatbeet kam, wird frühestens nach zehn bis zwölf Jahren ein stattlicher Zwei-Meter-Weihnachtsbaum geworden sein - aber nur, wenn alles gut geht.

Weihnachtsbäumchen in Reih und Glied. Foto: Frank Ostermann.

In Ellerbek, dem Dorf der fünf Baumschulen nahe Hamburg, wird zurzeit eine Tannengeneration für die 2030er Jahre vorbereitet: Ab Herbst gehen von hier aus wie jedes Jahr viele Hunderttausend drei bis vier Jahre alte Pflänzchen an die Weihnachtsbaumanbauer in Deutschland und Österreich. Aktuell erhalten sie den letzten Schliff mit einem Wurzelschnitt.

Stark, von schönem Wuchs und sattgrüner Farbe – so wünscht man sich den Weihnachtsbaum. Die Vorbedingungen dafür sind zum einen qualitativ einwandfreies Saatgut, das in Klengen bzw. Forstsamendarren aus Zapfen gewonnen wird, und zum anderen daraus gezogene kräftige Jungpflanzen. Wegen des hohen Aufwandes überlassen die allermeisten Weihnachtsbaumanbauer die Anzucht spezialisierten Baumschulen. „Das kann sich kaum einer vorstellen, aber die Pflege der Tannenkeimlinge und der Pflänzchen hält uns das ganze Jahr auf Trab“, sagt Frank Ostermann, Seniorchef der Baumschule Matthias Ostermann GbR in Ellerbek (Kreis Pinneberg), der seit über 35 Jahren Weihnachtsbäumchen zieht.

Der 58-Jährige hat sich zusammen mit seinem Sohn Jan-Erik Ostermann, wie auch vier weitere Ellerbeker Kollegen, auf Forstpflanzen und darunter insbesondere die Nordmanntannen spezialisiert. Sie bilden zu über 80% das Gros der alljährlich etwa 28 Millionen Weihnachtsbäume in Deutschland und Österreich. Aktuell steht der Wurzelschnitt für die Pflänzchen an, die ab September und in Masse dann im Frühjahr 2026 auf die Reise zu den Anbauern gehen. Zweimal werden die Pfahlwurzeln der Tännchen in ihren ersten drei Jahren mit einem Unterschneidemesser eingekürzt: „Das regt die Bildung feiner Faserwurzeln im oberen Bereich an und verhindert, dass die Pfahlwurzel zu stark wird. Dadurch wachsen die Pflanzen besser an“, erklärt Frank Ostermann.

Bis zum Versand läuft die Anzucht der Forstpflanzen kurz gefasst so ab: Säckeweise erhalten die Baumschulen im Februar von den Saatgutfirmen die aufwendig verlesenen Samen, sorgfältig getrennt nach Arten wie Blaufichten, Rotfichten, Nobilis, Korktannen und andere mehr. Auch bei den Nordmanntannen wird nach zahlreichen Varietäten unterschieden, je nach den gewünschten Eigenschaften. Die Baumschulen bringen das Saatgut durch Feuchtigkeits- und Temperaturregulierung zum Keimen. Im Mai setzen sie die Sämlinge ins Saatbeet, bis zu 1000 Stück pro Meter. Im Juni des folgenden Jahres folgen das erste Einkürzen der Wurzel und das Umsetzen – Verschulen – vom Saat- ins Pflanzbeet, nun bis zu 100 Stück auf einem Meter. Die Baumschule Matthias Ostermann GbR belässt es bei 75, was kräftigere Pflanzen ergibt. Im nächsten Jahr kürzen die Baumschuler erneut die Wurzel, ehe die Pflänzchen im Herbst oder im folgenden Frühjahr auf Reisen gehen. Manche Anbauer bevorzugen dreieinhalb- oder vierjährige Tännchen, daher darf ein Teil der Jungpflanzen im angestammten Beet bleiben. Einige Hundertausend kleine Weihnachtsbäume der Baumschule Matthias Ostermann GbR gehen jedes Jahr in alle Teile Deutschlands und Österreichs und bringen sozusagen ein Stückchen Ellerbek in ebenso viele Wohnzimmer.

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