Torfersatz: Verpilzung ein wichtiges Thema

Ob Blumenerde für den Endverbraucher oder Profisubstrat für den Erwerbsgärtner: Wachsen im Anzuchtmedium ungewollt Pilze, kann das sehr lästig sein.

Pilze sprießen aus dem torfreduzierten Substrat. Bild: GABOT.

Wer schon einmal Erfahrungen mit kompostierbaren Töpfen gemacht hat, musste sich sicher auch mit dem Thema Verpilzung auseinandersetzen. Profigärtner, die in einem sterilen Plastiktopf und einem reinen Torfsubstrat kultivierten, hatte hingegen kaum Probleme, da der Substratausgangstoff Torf insgesamt nur wenig biologische Aktivität ausweist. Die Situation ändert sich, als der Torf immer mehr aus den Substraten verdrängt wird und stattdessen Torfersatzstoffe Verwendung finden. Bei den anorganischen Substratausgangsstoffen wie Ton, Blähton oder Perlite kaum ist das problematisch, bei den organischen Torfersatzstoffen wie Holzfasern, Grünkompost, Rindenhumus, Kokos, Torfmoose oder Miscanthus aber schon. Sie weisen eine hohe biologische Aktivität auf, die den Kultivateur dann vor Probleme stellen kann.

Viele Substrathersteller haben Versuche gestartet um die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen wie Miscanthus, Silphie, Paulownia, Phragmites oder Typha als Torfersatz zu testen – oft mit unzureichendem Erfolg. Es zeigte sich immer wieder, dass das unaufbereitete Material eine viel zu starke biologische Aktivität hatte; eine Aufbereitung der Rohstoffe durch Kompostierung oder Fermentation kann da Abhilfe schaffen, ist aber zeit- und kostenintensiv.

Die wichtigste Rolle im Torfersatz spielt aktuell die Holzfaser, die inzwischen praktisch alle Erdenhersteller in ihren Produkten verwenden. Soll der Torf komplett ersetzt werden, reichen Holzfasern allein aber nicht aus, eine Mischung aus Holzfasern, Kompost und Kokos gibt derzeit als eine gute Kombination. Aber wie dann die biologische Aktivität eines solchen Substrates aussieht ist bisher nicht erforscht. Mikroorganismen (Bakterien und Pilze) sind permanent vorhanden und aktiv, wobei diese nicht generell schädlich sein müssen.

Fest steht, dass Temperatur und Feuchtigkeit einen sehr großen Einfluss auf das Auskeimungen von im Substrat vorhandenen Pilzsporen haben; welche Einflüsse sonst noch entscheidende Rollen spielen und um welche Pilze es sich dabei aus botanischer Sicht überhaupt handelt, liegt noch im Dunkeln. An den Grundlagen wird an verschiedenen Einrichtungen geforscht, zum Beispiel an der Lehr- und Versuchsanstalt in Hannover-Ahlem. Dort versucht man in Zusammenarbeit mit der Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen e. V. genauere Kenntnis über mikrobiellen Substrateigenschaften zu erlangen.

Die Verpilzung gartenbaulicher Kulturen ist ein Thema mit hoher Relevanz. Oftmals reicht nach unauffälliger Kultur eine kurze Zeit im feucht-warmen LWK oder auf einem foliengewickelten Container aus, um eine „Pilzexplosion“ herbei zu führen. Bedenkt man die steigenden Ansprüche der Privatkunden in Hinblick auf die Sauberkeit der Produkte sind verpilzte Partien dann nicht mehr absetzbar. Um die Kultursicherheit bei Anbau in torfreduzierten oder torffreien Substraten für die Erzeuger sicher zu stellen, sind weitere Forschungen in diesem Bereich unbedingt nötig.

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Torfersatz: Verpilzung ein wichtiges Thema

Ob Blumenerde für den Endverbraucher oder Profisubstrat für den Erwerbsgärtner: Wachsen im Anzuchtmedium ungewollt Pilze, kann das sehr lästig sein.

Pilze sprießen aus dem torfreduzierten Substrat. Bild: GABOT.

Wer schon einmal Erfahrungen mit kompostierbaren Töpfen gemacht hat, musste sich sicher auch mit dem Thema Verpilzung auseinandersetzen. Profigärtner, die in einem sterilen Plastiktopf und einem reinen Torfsubstrat kultivierten, hatte hingegen kaum Probleme, da der Substratausgangstoff Torf insgesamt nur wenig biologische Aktivität ausweist. Die Situation ändert sich, als der Torf immer mehr aus den Substraten verdrängt wird und stattdessen Torfersatzstoffe Verwendung finden. Bei den anorganischen Substratausgangsstoffen wie Ton, Blähton oder Perlite kaum ist das problematisch, bei den organischen Torfersatzstoffen wie Holzfasern, Grünkompost, Rindenhumus, Kokos, Torfmoose oder Miscanthus aber schon. Sie weisen eine hohe biologische Aktivität auf, die den Kultivateur dann vor Probleme stellen kann.

Viele Substrathersteller haben Versuche gestartet um die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen wie Miscanthus, Silphie, Paulownia, Phragmites oder Typha als Torfersatz zu testen – oft mit unzureichendem Erfolg. Es zeigte sich immer wieder, dass das unaufbereitete Material eine viel zu starke biologische Aktivität hatte; eine Aufbereitung der Rohstoffe durch Kompostierung oder Fermentation kann da Abhilfe schaffen, ist aber zeit- und kostenintensiv.

Die wichtigste Rolle im Torfersatz spielt aktuell die Holzfaser, die inzwischen praktisch alle Erdenhersteller in ihren Produkten verwenden. Soll der Torf komplett ersetzt werden, reichen Holzfasern allein aber nicht aus, eine Mischung aus Holzfasern, Kompost und Kokos gibt derzeit als eine gute Kombination. Aber wie dann die biologische Aktivität eines solchen Substrates aussieht ist bisher nicht erforscht. Mikroorganismen (Bakterien und Pilze) sind permanent vorhanden und aktiv, wobei diese nicht generell schädlich sein müssen.

Fest steht, dass Temperatur und Feuchtigkeit einen sehr großen Einfluss auf das Auskeimungen von im Substrat vorhandenen Pilzsporen haben; welche Einflüsse sonst noch entscheidende Rollen spielen und um welche Pilze es sich dabei aus botanischer Sicht überhaupt handelt, liegt noch im Dunkeln. An den Grundlagen wird an verschiedenen Einrichtungen geforscht, zum Beispiel an der Lehr- und Versuchsanstalt in Hannover-Ahlem. Dort versucht man in Zusammenarbeit mit der Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen e. V. genauere Kenntnis über mikrobiellen Substrateigenschaften zu erlangen.

Die Verpilzung gartenbaulicher Kulturen ist ein Thema mit hoher Relevanz. Oftmals reicht nach unauffälliger Kultur eine kurze Zeit im feucht-warmen LWK oder auf einem foliengewickelten Container aus, um eine „Pilzexplosion“ herbei zu führen. Bedenkt man die steigenden Ansprüche der Privatkunden in Hinblick auf die Sauberkeit der Produkte sind verpilzte Partien dann nicht mehr absetzbar. Um die Kultursicherheit bei Anbau in torfreduzierten oder torffreien Substraten für die Erzeuger sicher zu stellen, sind weitere Forschungen in diesem Bereich unbedingt nötig.

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