Landschaftsgärtner: "Rettet den Vorgarten"

Grün statt grau: Landschaftsgärtner Schleswig-Holsteins setzen sich auf der NordBau gegen die Versteinerung von Gärten ein.

Die Fotofassade zweier Reihenhäuser bildete am Stand des FGL S.-H. auf der NordBau die Kulisse für zwei naturgetreu gestaltete Vorgärten. Foto: FGL S.-H.

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„Rettet den Vorgarten“ – mit diesem starken Statement startete der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) im Januar 2017 eine bis heute viel beachtete Initiative gegen die zunehmende Verkieselung von Außenanlagen. Die Lobbyarbeit für lebendiges Grün in Vorgärten lebte von Beginn an auch von der Aufklärung auf Landesebene durch die jeweiligen Landesverbände und ihre Mitglieder. Die Verbände und Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus sollen Kundenwünschen nach Kies- und Schottergärten mit guten Argumenten entgegentreten. Sehen lassen konnte sich in diesem Zusammenhang der Auftritt des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein (FGL S.-H.) und seiner Mitgliedsunternehmen auf der diesjährigen NordBau in Neumünster. Vom 5. bis zum 9. September 2018 zeigten die schleswig-holsteinischen Landschaftsgärtner auf der Messe, die zu den größten Baufachmessen Nordeuropas zählt, Flagge und leisteten Überzeugungsarbeit für die Rückkehr von Grün in norddeutsche Gärten.

„Pikant ist, dass viele Straßenzüge in Neumünster, dem Austragungsort der NordBau, ein gutes Beispiel dafür sind, wie man es nicht machen sollte. Wenn man hier durch Wohngebiete fährt, findet man in den Vorgärten zahlreiche Steinwüsten mit Alibigehölzen vor. Grün sucht man vielerorts vergebens“, berichtete der Geschäftsführer des FGL S.-H, Achim Meierewert und lieferte so gleich ein wichtiges Entscheidungskriterium des Verbands, seinen diesjährigen Messeauftritt diesem Thema zu widmen. „Schleswig-Holstein ist eigentlich ein grünes Land. Aber auch hier breitet sich der Negativtrend, Grün aus den Gärten zu verbannen, besorgniserregend aus. Dem wollten wir auf der NordBau entgegenwirken.“ Das Forum war gut gewählt, denn es sind vielfach private Hausbesitzer oder solche, die es werden wollen, die der Baumesse einen Besuch abstatten und sich inspirieren lassen. „Wir treffen hier genau auf die Zielgruppe, die wir erreichen möchten“, bestätigte Meierewert.

Praxis statt Theorie: Naturgetreu gestaltete Gärten als Positiv- und Negativbeispiel

Erreicht hat der FGL S.-H. die Besucher der NordBau tatsächlich. Und zwar mit einem Positiv-Negativ-Szenario, das ins Auge fiel und zum Nachdenken anregte. Wer sich dem 65 qm großen Stand der Landschaftsgärtner näherte, sah bereits von Weitem eine klassische Reihenhausituation in Form zweier Hausfassaden, fotografisch festgehalten und inszeniert auf einer großen Fotowand an der Rückseite der Standfläche. Vor den Fassaden: Zwei Vorgärten, die Mitgliedsbetriebe des FGL S.-H. naturgetreu gestaltet hatten. Der kleinere Garten war das Negativbeispiel: Eine versteinerte Fläche, die – mit Ausnahme einiger Formgehölze - ausschließlich aus Steinplatten und Schotter bestand. Der größere Garten zeigte anschaulich, wie schön sich ein mit Hecken, Sträuchern und Stauden bepflanzter Vorgarten präsentiert. Meierewert: „Uns war es wichtig zu verdeutlichen, dass ein verkieselter Vorgarten nicht automatisch pflegeleichter ist als ein bepflanztes Pendant. Deshalb spross zwischen den Kieseln auch Unkraut hervor, und Laub lag herum. Wir wollten mit dem weit verbreiteten Irrglauben aufräumen, dass man in einem Steingarten nichts tun muss. Die Natur bahnt sich immer einen Weg, und warum dann nicht gleich selbst für eine ansprechendes, pflegeleichte Begrünung sorgen anstatt ständig zwischen Steinen Unkraut zu zupfen und Laub zu harken?“

Überzeugte Besucher: Argumente für Grün trafen den Kern der Zielgruppe

Die Botschaft kam an und lockte während der fünf Messestage zahlreiche Gäste und Besucher an den Stand des FGL S.-H. So auch Christina Herbst, Staatssekretärin für ländliche Räume und Kommunen im schleswig-holsteinischen Innenministerium, die die Garten-Experten für ein Gespräch aufsuchte. Aber auch viele Privatleute ließen sich für einen grünen Vorgarten begeistern: „Etwa 90% der Standbesucher haben sich spontan dem bepflanzten Garten zugewandt, ihn betreten und uns konkret nach bestimmten Pflanzen gefragt. Wir konnten ihnen die Angst vor einem zu großen Pflegeaufwand nehmen, indem wir zum Beispiel gezeigt haben, dass eine bodendeckende Bepflanzung weitaus weniger pflegeintensiv ist als ein verkieselter Garten, in dem jedes Unkraut und Laubblatt auffällt“, berichtete Markus Prehn von Unternehmen, Tulpe Garten- und Landschaftsbau, der als Vizepräsident des FGL S.-H. am Stand präsent war. Allerdings gäbe es auch gänzlich beratungsresistente Grundstücksbesitzer, bei denen die Argumentation pro Grün nicht die geringste Chance habe, so Prehn. „Bei diesen Leuten beißt man, um in der Metaphorik der versteinerten Gärten zu bleiben, auf Granit. Zum Glück bildete diese Gruppe auf der NordBau aber die klare Minderheit.“

Positives Fazit: Große Resonanz dank Einsatz der Mitglieder

Das Fazit von Achim Meierewert zum Ende der Messe fiel ebenfalls positiv aus: „Es hat sich auch in diesem Jahr gelohnt, auf der NordBau präsent zu sein. Wir treffen hier genau die Menschen, bei der der Aufklärungsbedarf am größten ist. Und das mediale Interesse an unseren grünen Messeauftritten ist immer sehr hoch. Das war auch in diesem Jahr so“, resümierte Achim Meierewert. Ohne die Unterstützung der Mitgliedsunternehmen, sagte er weiter, wäre die Realisierung einer derart umfangreichen Sonderschau allerdings nicht möglich gewesen: „Insbesondere möchte ich mich bei der Arbeitsgruppe aus fünf Mitgliedsbetrieben bedanken, die sich von Anfang an in die Planung eingebracht und den Stand vor Ort betreut hat. Und bei unseren Mitgliedern und Partnern, die den Auf-und Abbau des Standes und den Standdienst übernommen sowie Materialien zur Verfügung gestellt haben!“

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