IGW: Wetterkapriolen treffen Weihnachtsbaumanbauer

Wind und Wetter sind die Weihnachtsbaumanbauer gewohnt, doch die Saison 2023 wird vielen als besonders schlimm in Erinnerung bleiben, meldet die Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer (IGW).

Glück im Unglück: Das Hochwasser trifft viele Weihnachtsbaumanbauer erst nach der Verkaufssaison. Dieses Bild zeigt eine Kultur in Gilten im Aller-Leine-Tal (Lkr. Heidekreis, Niedersachsen). Foto: Rainer Backhaus.

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Im November, mitten in der Erntezeit, setzten starke Niederschläge die Felder unter Wasser. Danach bedeckten Anfang Dezember Schneemassen die Höfe und Verkaufsplätze. Besonders betroffen waren der Alpenraum sowie Süd-, West und Norddeutschland. Glücklicherweise entspannte sich die Situation in der Adventszeit als der Hauptsaison, bis dann nach Weihnachten Dauerregen einsetzte, der weiten Teilen Deutschlands und vor allem Niedersachsen bis in den Januar hinein Hochwasser brachte.

Durchweichte Böden und Fahrgassen erschwerten den Weihnachtsbaumanbauern die Arbeit zu Saisonbeginn enorm: Die im Morast geernteten Bäume konnten wegen des Schlamms nicht in der Kultur gelagert werden, sondern mussten gleich einzeln zu den Transportfahrzeugen getragen werden; die unbefestigten Feldwege waren kaum noch zu befahren, stellenweise mussten die Fahrzeuge mit Seilwinden durch den Schlamm gezogen werden; dazu kam in manchen Regionen das ständige Schneeräumen. Auf die Bäume und den Verkauf wirkte sich das nicht aus, sagt ein Christbaumbauer aus der Bodensee-Region: „Der Kunde ist König. Ihn interessiert es nicht, wie ich es schaffe, die Bäume vom Feld zum Hof zu bringen. Und er kriegt seinen Baum.“ Wohl aber verursachten die Wetterkapriolen bei manchen Anbauern Mehrkosten von mehreren 1000 Euro.

Den Regenrekord hielt im vergangenen November der Südschwarzwald mit örtlich über 400 Liter je Quadratmeter. Der Wintereinbruch am 1. und 2. Dezember brachte Süddeutschland und Österreich stellenweise über 50 Zentimeter Neuschnee, sodass zeitweise sogar der öffentliche Nah- und Fernverkehr zusammenbrach. „Dass wir nicht die schönste Jahreszeit zum Ernten haben, das ist nun mal so“, sagt Peter Geiß, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer (IGW), „aber diese Saison war wirklich arg“. 200 Liter Regen pro Quadratmeter verzeichnete der 54-Jährige aus Peiting (Lkr. Weilheim-Schongau) allein in der dritten November-Woche.

Ähnlich wie den Weihnachtsbaumanbauern erging es den Baumschulen. Für das Auspflanzen im Wald müssen im Winter die zwei- bis dreijährigen Forstpflanzen, vor allem Laubgehölze, vom Feld geholt werden, was aber im Morast nicht möglich ist. „Wir sind erheblich in Zeitverzug geraten“, berichtet ein Baumschuler in Schleswig-Holstein. Die Schäden, die das Januar-Hochwasser auf den betroffenen Höfen angerichtet hat, sind noch nicht erfasst.

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