IGW: Weihnachtsbaum trotzt Wind und Wetter

Bilanz der Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer (IGW): Kostendruck steigt erheblich weiter an.

Kein Weihnachten ohne eine schöne Tanne, das galt auch vergangenes Jahr in Deutschland und Österreich. Das Bild zeigt den Verkauf am Backhaus-Hof in Gilten (Lkr. Heidekreis, Niedersachsen). Bild: Rainer Backhaus.

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Die Saison 2023 wird vielen Weihnachtsbaumanbauern in Erinnerung bleiben als „die anstrengendste und kräftezehrendste“, wie es ein Anbauer am Alpenrand formuliert. In Teilen Deutschlands, vor allem im Norden und im Süden, sowie in Österreich machten ab Mitte November erst heftiger Dauerregen und dann Schneemassen die Ernte beinahe unmöglich. Zum Glück beruhigte sich das Wetter an den verkaufsstärksten Wochenenden (zweiter und dritter Advent), bevor nach Weihnachten vielerorts Hochwasseralarm gegeben wurde. Nicht nur wegen des Wetters zieht die Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer (IGW) eine eher bescheidene Bilanz der Saison 2023: Trotz eigentlich guter Verkaufszahlen reiche das Ergebnis auf den meisten Höfen nicht an die Vorjahre heran, so der IGW-Vorsitzende Peter Geiß (Peiting, Oberbayern). Der Grund dafür seien nicht nur die Wetterkalamitäten, sondern vor allem die Inflation sowie in Deutschland zusätzlich die seit Dezember fast verdoppelte Lkw-Maut und die neue Umsatzsteuer-Pauschalierung.

„Da sind die weiteren geplanten Belastungen durch die Ampel-Regierung noch gar nicht eingerechnet. Die treffen uns genauso wie alle anderen Landwirte“, sagt der 54-Jährige: „Ich hoffe sehr, dass das in Berlin noch erkannt und abgewendet wird.“ Der Fachverband IGW zählt über 80 regional verwurzelte Familienbetriebe in Deutschland und Österreich, die zum Teil oder ganz vom Schnittgrün- und Weihnachtsbaumanbau leben. Mit einer Mitgliederbefragung wurde die Saison 2023 analysiert. Peter Geiß‘ Fazit daraus: „Jetzt machen uns die Corona-Auflagen nicht mehr zu schaffen, sondern die Kosten- und Abgabenexplosion.“

Was den IGW-Vorsitzenden freut: „Die Kundschaft zieht qualitativ hochwertige, übers Jahr sorgsam gepflegte Weihnachtsbäume aus ihrer Region der billigeren Massenware unbekannter Herkunft vor.“ Damit sei eine Zielsetzung seiner IGW bestätigt - die professionelle Erzeugung und heimatnahe und auch ökologisch sinnvolle Vermarktung von Schnittgrün und Weihnachtsbäumen. Noch ein weiteres Ergebnis der Mitgliederbefragung freut Geiß: Über 40% der Bäume waren der Qualitätsstufe „gut“ und fast 42% der Qualitätsstufe „sehr gut“ zugeordnet. Dieses Niveau werde in der IGW regelmäßig erreicht: „Wir tragen dem Qualitätsbewusstsein unserer Kunden Rechnung.“

Der Umfrage zufolge setzt sich der Trend zu größeren Weihnachtsbäumen ab zwei Meter und darüber fort. Peter Geiß betont, dass es den IGW-Mitgliedsbetrieben trotz der widrigen Wetterbedingungen und der diesmal kurzen Adventszeit wiederum gelungen sei, ausreichend Bäume der gefragten Qualitäten und Größen bereitzuhalten. Allerdings sei das Angebot nach dem dritten Advent mancherorts merklich knapper geworden. Daher lautet Geiß‘ Ratschlag an die Kundschaft, nicht bis kurz vorm Fest mit dem Weihnachtsbaumkauf zu warten – „Ende November und Anfang Dezember ist die Auswahl größer, und unsere Qualitätsbäume bleiben über Wochen und mindestens bis in den Januar hinein frisch“.

Gesicherte Zahlen zum Bedarf an Weihnachtsbäumen gibt es nicht. Schätzungen gehen von alljährlich 25 bis 30 Mio. Bäumen in Deutschland und von knapp 3 Mio. in Österreich aus. Die beliebteste Baumart ist nach wie vor mit weitem Abstand die Nordmanntanne; ihr Anteil liegt bei mindestens 80%. (IGW)

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