Hochstamm Deutschland: Steinkauz bald ohne Höhle?

Die Heimat von Steinkauz, Wiedehopf und Co. ist bedroht: Die artenreichen Streuobstwiesen in ganz Deutschland weisen Jahr für Jahr mehr Lücken auf. Aber warum?

Streuobstlandschaften sind aus einer landwirtschaftlich-kulturellen Entwicklung entstanden und damit direkt an menschliches Wissen gebunden. Dieses Erfahrungswissen und die traditionellen Handwerkstechniken drohen vielerorts verloren zu gehen. Bild: Sophia Philipp.

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Immer weniger Streuobstbewirtschafter greifen zu Astschere und Erntekorb. Der Aufwand ist groß, die Preise gering. Genau hier setzt der gemeinnützige Verein Hochstamm Deutschland e.V. mit seinem Projekt an: Ein gemeinsames Markenzeichen für Streuobstprodukte soll den Verbrauchern zeigen, wie sie mit ihrem Einkauf Streuobstwiesen zukünftig schützen können. Wie die Streuobstwiesenbewohner benötigt auch der Verein zusätzliche finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung des Projektes und hat deshalb eine Crowdfunding-Kampagne gestartet: www.ecocrowd.de/projekte/treehugger. Die erste Spendenetappe hat der Verein erreicht und bereits 1.500 Euro gesammelt. Im Endspurt hofft der Verein auf weitere Unterstützung zur Umsetzung weiterer Projektbausteine. Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg unterstützt das Projekt mit einer großzügigen Förderung.

„Ein fairer Preis für hochwertige Streuobstprodukte ist die Grundvoraussetzung, dass Streuobst-wiesen erhalten werden“, beschreibt Martina Hörmann, Vorsitzende von Hochstamm Deutschland, die Motivation für das innovative Projekt. Der gemeinnützige Verein ist Träger des Projekts „Treehugger – Aufbau eines Gemeinschaftsmarketings für Hochstamm-Streuobstprodukte“. Eine Studie des Naturschutzbundes (NABU) aus dem Jahr 2015 bestätigt die Wichtigkeit einer bundesweiten Marke für Hochstamm-Obstbäume.

Aufwendige Pflege vs. geringe Entlohnung

In Deutschland bilden ökologisch wertvolle Streuobstwiesen, -Äcker und -Alleen ein prägendes Landschaftsmerkmal. Neben seltenen Arten wie dem Steinkauz oder Wiedehopf leben dort weitere 5.000 andere Tier- und Pflanzenarten. Allerdings gehen immer mehr der wertvollen Bäume und Wiesen – und damit ein wichtiger Hotspot der Artenvielfalt und ein einmaliges Kulturgut verloren. „Viele Streuobstwiesenbesitzer und Landwirte sehen keinen Anreiz mehr, ihre Bäume und Flächen zu pflegen“, erklärt Hörmann die Probleme. „Für sechs bis sieben Euro für einhundert Kilogramm Äpfel sollen die privaten Streuobstwiesenbewirtschafter das Obst auflesen, die Wiese mähen, das Gras wegbringen, die Bäume pflegen und nachpflanzen und somit die Heimat von Steinkauz, Wiedehopf und Co. erhalten?“

Marketing in Sachen Streuobst

Genau an diesem Punkt setzt Hochstamm Deutschland e.V. an. Über ein bundesweites Markenzeichen will der Verein eine wirtschaftliche Grundlage und ein wirkungsvolles Marketing-Instrument für Streuobstbewirtschafter schaffen. Im Sinne eines Qualitätszeichens soll das geplante Markenzeichen VerbraucherInnen zeigen: Dieses Produkt stammt von nachhaltig bewirtschaftenden Streuobstwiesen und bietet den Bewirtschaftern einen fairen Preis.

Transparentes Markenzeichen

Dafür erarbeitet der Verein zusammen mit Fachexperten eine Erzeugerrichtlinie. Diese soll den Verbrauchern eine nachhaltige Bewirtschaftungsweise garantieren. „Wir schaffen ein transparentes Markenzeichen – auf Grundlage der praktischen Bewirtschaftung“, stellt Hörmann die engagierten Bewirtschafter in den Fokus. Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsschritte bei der Projektumsetzung veröffentlicht Hochstamm Deutschland regelmäßig im Newsletter und auf der eigenen Homepage. Aktuell steht der Entwurf der Erzeugungsrichtlinie zur Diskussion. Hochstamm Deutschland freut sich auf zahlreiche Rückmeldungen und Expertisen. Natürlich ist auch Platz für Diskussionen in der Streuobst-Community und Öffentlichkeit, um so ein bundesweit abgestimmtes und praxisnahes Markenzeichen zu entwickeln. 2022 steht die Markteinführung an.

Crowdfunding fürs Streuobst

Einen Teil der Projektkosten muss der Verein finanzieren und hat hierfür die Crowdfunding-Kampagne eingerichtet: www.ecocrowd.de/projekte/treehugger Die erste Etappe der Kampagne wurde jetzt mit Spenden von über 1.500 Euro erreicht. Diese Summe fließt nun in die Fertigstellung der Erzeugungsrichtlinie und in die Entwicklung eines passenden Kontrollkonzepts. Bereits jetzt möchte sich der Verein schon bei allen Unterstützenden bedanken! Zur nächsten Etappe fehlen nun noch circa 700 Euro. Über weitere Spenden zur Umsetzung nachfolgen-der Bausteine freut sich der Verein – und mit ihm die Bewohner der Streuobstwiese. Spender erfahren, wie lecker nachhaltig produzierte Streuobstprodukte schmecken, denn sie erhalten ein hochwertiges Tauschgut direkt von den Streuobstwiesen.

Das Projekt „Treehugger – Aufbau eines Gemeinschaftsmarketings für Hochstamm-Streuobst-Produkte“ wird unterstützt von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg und gefördert aus zweckgebundenen Erträgen der Glücksspirale. (Hochstamm Deutschland)

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