GaLaBau BW: Tag der Landschaftsgärtner

Nachdem die interne Mitgliederversammlung im März 2021 lediglich digital stattfinden konnte, verlegte der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg den öffentlichen Teil auf die Landesgartenschau in Überlingen.

Moderatorin Andrea Müller, Vizepräsident Bundeverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. Paul Saum, Staatssekretärin Andrea indlohr MdL, Oberbürgermeister der Kreisstadt Überlingen Jan Zeitler. Bild: GaLABAu B-W.

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Auf der Seebühne im Uferpark trafen sich am 16. Juli die baden-württembergische Politik, Ehrengäste, Mitgliedsunternehmen und Fördermitglieder mit insgesamt rund ca. 400 Personen zu einem gleichsam informativen wie unterhaltsamen Programm-Mix. Die anschließenden Geländeführungen wurden zahlreich genutzt und der nun wieder mögliche persönliche Austausch von Angesicht zu Angesicht hochgeschätzt.

Was den GaLaBau bewegt

„Die Branche des Garten- und Landschaftsbaus erzielte in Baden-Württemberg auch in Corona-Zeiten eine erneute Umsatzsteigerung auf 1,78 Mrd.. Trotz dieser positiven Entwicklung, trotz der guten Nachfrage, gibt es Punkte, die wir durchaus kritisch sehen“, so Vorstandsvorsitzender Martin Joos in seiner Eröffnungsrede. „Die zunehmende Materialknappheit auch in unserem Bereich, verzögerte Vorleistungen, steigende Energiekosten sowie die laufend steigenden Aufwendungen in der Organisation unserer Baustellen machen es nicht immer einfach, alles gewinnbringend auf den Baustellen umzusetzen. Wir wissen, eine solch hohe Nachfrage nach schönen Gärten wie seit Corona gab es noch nie, und so manche Branche wäre froh um diese Perspektive. Umso wichtiger ist die Aus-, Fort- und Weiterbildung unseres Berufsnachwuchses, weshalb wir nun Mehrheitsgesellschafter an der DEULA in Kirchheim/Teck sind. An diesem Standort würden wir gerne Vollgas geben, um dann vielleicht doch noch ein gutes Ende für die „unendliche Geschichte“ der Staatsschule in Stuttgart Hohenheim zu finden. Hier blockieren sich verschiedene Behörden gegenseitig, da kann nichts Gutes mehr dabei herauskommen, das ist mittlerweile unsere Befürchtung“, erläutert Joos. „In Sachen Klimaschutz appellieren wir an unsere „öffentlichen Auftraggeber“.

Mit ihren Investitionen in GRÜN schaffen sie Beschäftigung und reguläre Arbeit ist allemal wichtiger und sinnvoller als die Finanzierung von Kurzarbeit. Zudem sind diese Investitionen mehr als notwendig. Ohne grüne Infrastruktur geht in Zukunft nichts mehr, das zeigen auch die katastrophalen Hochwasserereignisse im Moment sehr eindrücklich. „Wir müssen Dächer begrünen, Regenwassermanagement betreiben, Parkanlagen und Sportplätze schaffen, in die richtigen Baumquartiere und Bäume in der Stadt investieren sowie hochwertige Grünanlagen schaffen. Alle diese Maßnahmen gemeinsam sorgen zukünftig für ein angenehmeres Stadtklima, aber auch für den dringen notwendigen Regenrückhalt“, mahnt Joos die Entscheidungsträger.

Bauen ja, aber bitte mit mehr Grün!

Das Land Baden-Württemberg hat sich auf die Fahne geschrieben, das fortschrittlichste Klimaschutzprogramm aller Bundesländer auf den Weg zu bringen. Von grünen Maßnahmen hört man leider noch nicht so viel, dafür stehen CO2-Reduktion und E-Mobilität im Fokus. Auf diese Anmoderation der SWR-Redakteurin und Moderatorin Andrea Müller, die charmant und professionell durch das Programm führte –nahm die neue Staatssekretärin Andrea Lindlohr Stellung. Sie hat als Landtagsabgeordnete den Verband bereits viele Jahre begleitet und äußerte sich sehr anerkennend zum Berufsstand der Landschaftsgärtner, die genau das können, was dringend gebraucht wird. Die aktuelle Regierungskoalition arbeitet an einem neuen Landesentwicklungsplan, der sowohl bezahlbaren Wohnraum als auch mehr grünen öffentlichen Freiraum bieten soll. Letzteres sei ein hochpolitisches Thema, und zwar mehr denn je nach den schrecklichen Hochwasserereignissen vom 15. Juli, die ganz Deutschland schockierten. Aus Sicht von Lindlohr haben der GaLaBau und die Landespolitik viele gemeinsame Ziele: Nicht nur die biologische Vielfalt soll erhalten bleiben, sondern auch mehr Bebauung mit Grün, unter Einbeziehung des Faktors Wasser sei geplant. Bei der doppelten Innenentwicklung werde zukünftig Wohnen mit grünen Freiraumen konzeptionell zusammengeführt und gemeinsam wachsen. An der Nachverdichtung komme man nicht vorbei, meinte Lindlohr, aber eben dann Hand in Hand mit einer stärkeren grünen Infrastruktur.

Paul Saum, Vizepräsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V., pocht auf den hohen Wasserrückhalt, der gerade mit landschaftsgärtnerischen Arbeiten wie dem Regenwassermanagement durch Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Zisternen, Rigolen und einer Brauchwassernutzung erreicht wird. Grünflächen können außerdem Starkregenereignisse abmildern. Oberbürgermeister Zeitler weiß, was die Stadt Überlingen braucht. Auf die Frage, ob hier am Bodensee noch alles im grünen Bereich ist oder wie sich die Stadt Überlingen auf den Klimawandel einstellt, spricht der Oberbürgermeister von Plänen für ein klimaneutrales Stadtquartier im Jahr 2050. Zudem sollen bei neuen Bauprojekten auch Freiflächen geschaffen werden. „Wir wollen, können aber nicht immer“, so Zeitler der sich in seinen Handlungsweisen durch Verordnungen und Gesetze eingeschränkt fühlt.

Ein verdientes Dankeschön

Martin Joos dankte Bernd Deigner-Grünberg im Namen des VGL für sein berufsständisches Engagement beim Sozialpartner der IG Bauen, Agrar und Umwelt. „Wir verneigen uns vor seiner Fachkompetenz, die uns in zahlreichen Ausschüssen und Kommissionen begleitete und auch vor seiner Leidenschaft zu Pflanzen. Wir waren nicht immer einer Meinung, manchmal wurde trefflich „gestritten“, aber dabei ging es immer um die Sache und die perfekte Ausbildung junger Menschen“, ehrte Joos in seiner Rede den Arbeitnehmervertreter und entließ ihn mit einem Gutschein für das Gärtnerparadies Landgut Ettenbühl in den verdienten Ruhestand.

Ehrung der baden-württembergischen Meisterinnen 2020

Katharina Marenghi und Annika Hertz-Eichenrode vom Ausbildungsbetrieb Garten Halter aus Villingen-Schwenningen, holten sich im April 2020 den baden-württembergischen Meistertitel als erstes Frauenteam beim Landschaftsgärtner-Cup an der DEULA in Kirchheim/Teck. Bei den deutschen Meisterschaften im September 2020 in Nürnberg landeten die beiden Landschaftsgärtnerinnen auf einem hervorragenden 4. Platz. Hier trafen die beiden auf acht weitere Teams aus ganz Deutschland. Die zweitägige Wettbewerbsaufgabe war vielseitig und anspruchsvoll. Erwin Halter, Chef der beiden Landschaftsgärtnerinnen und im VGL-Vorstand für die Fachkräftesicherung verantwortlich, lobte die außergewöhnliche Leistung seines Frauenteams. „Das war zwei Mal ein sehenswerter Einsatz auf höchstem Niveau und der gesamte baden-württembergische Berufsstand ist sehr stolz auf solche Nachwuchskräfte“, freut sich Halter. Staatssekretärin Andrea Lindlohr und Martin Joos gratulierten dem engagierten Team direkt auf der Bühne. Marenghi und Herz-Eichenrode sind ein weiterer Beweis für die hervorragende Ausbildung und Nachwuchsarbeit, welche die Betriebe im Ländle sehr konstant seit Jahrzehnten leisten.

Warum Bäume helfen, unsere Zukunft zu retten

1.000 Mrd. bzw. 1 Bil. Bäume pflanzen – nichts geringeres ist das Ziel der Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet. Diese Bäume könnten bis zu einem Viertel der menschgemachten CO2 Emissionen aufnehmen und schenken uns Zeit, um unsere Emissionen auf null zu senken und die 2°C-Grenze nicht zu überschreiten. Als Botschafter*innen für Klimagerechtigkeit rufen heute mehr als 91.000 Kinder und Jugendliche Menschen aus aller Welt dazu auf, sich ihrem Ziel anzuschließen. Denn nur gemeinsam schaffen wir es, die Klimakrise in den Griff zu bekommen. Felix Finkbeiner, Gründer von Plant-for-the-Planet, erklärte in seinem Vortrag, was es mit der Klimakrise auf sich hat, wie lange sie erschreckender Weise bereits bekannt ist und wie eine weltweite Wiederaufforstung nachhaltig und transparent gelingt.

Jeder Einzelne kann beispielsweise durch eine Baumstiftung oder Baumpflanzung dazu beitragen. Die Landschaftsgärtner sieht er hier ganz eindeutig in der Vorreiterrolle beim täglichen Kampf gegen den Klimawandel. Ob beim Pflanzen von Bäumen, bei Renaturierungsmaßnahmen oder beim “Regenwassermanagement!”

Den Abschluss des Bühnenprogramms übernahm die Schauspielerin, Lyrikerin sowie Gewinnerin der Poetry-Slam Meisterschaften 2014 in Dresden, Dominique Macri mit tiefgründiger aktueller Dichtkunst aus dem aktuellen Inhalt der SprecherInnen vor ihr. Der Nachmittag galt der weiteren Gelände-Erkundung der Landesgartenschau Überlingen unter fachkundiger Führung. Gefüllt mit gärtnerischen Impressionen fand der Ausklang des Tags der Landschaftsgärtner am Treffpunkt Grün in den Villengärten, dem sozusagen „schöpferischen“ Teil der 13 Mitgliedsbetriebe auf dieser Landesgartenschau, statt. (GaLaBau B-W)

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