Verden: Rund um die Möhre

Auch die siebte Ausgabe des Möhrenforums, das in diesem Jahr im niedersächsischen Verden (Aller) stattfand, fand wieder großen Anklang bei Anbauern und Experten. Die Veranstalter AMI und Rheinischer Landwirtschafts-Verlag konnten Teilnehmer nicht nur aus den Möhrenanbaugebieten Deutschlands, sondern auch aus den Niederlanden und der Schweiz begrüßen.

Die 7. Ausgabe des Möhrenforums in Verden (Aller). Bild: Jacobsen.

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Gleich zum Auftakt des Möhrenforums gab es einen Blick über den Rand des deutschen Möhrentellers. Inga Jessen, Nunhems Vegetable Seeds BASF, gab in einem unterhaltsamen Quiz einen Überblick über den weltweiten Anbau und die unterschiedlichen Verzehrsgewohnheiten. Möhren gehören zu den wenigen Gemüsearten, die rund um den Globus angebaut, gehandelt und konsumiert werden. Bei der Möhrenproduktion in Europa steht Deutschland mit einem Ertrag von rund 60 t/ha auf Rang Sieben. Der durchschnittliche Möhrenertrag in Europa liegt aber nur bei etwa 35 t/ha. Bei dem Quiz wurde deutlich, dass die Möhre kein uniformes Produkt mehr ist, das zu einem möglichst niedrigen Preis verkauft wird. Vielmehr werden in anderen Ländern eine Reihe von Snack- und Convenience-Produkten aus der Möhre entwickelt, die dem Trend zu individuellen Verzehrsgewohnheiten folgen. Dies könnte auch bei uns zu einer Produktsegmentierung im eigentlich eher konservativen Möhrenmarkt führen, so Inga Jessen: „Da ist noch eine Menge Luft nach oben.“ Das rasche Wachstum lässt sich mit Zahlen untermauern: So erhielten fast 22% aller Neueinführungen im Nahrungsmittelsektor Möhren.

Hans-Christoph Behr von der AMI zeichnete in seinem Vortrag einen „Möhrenmarkt in Bewegung“. Bestimmender Faktor in der zurückliegenden Saison war die Witterung. Lagermöhren aus dem nassen Jahr 2017 hatten nur eine begrenzte Haltbarkeit und es kam zu Lagerschäden. Die Vorräte waren deshalb früh aufgebraucht. Zugleich kam das Angebot an Frühmöhren aus Spanien relativ spät auf den Markt. Die Saison 2018/19 startete daher mit einem hohen Preisniveau. Die Ernte 2018 fiel dürrebedingt gering aus, sodass die derzeitige Marktsituation durch einen knapp versorgten Markt mit festen Preisen gekennzeichnet ist.

Produktionstechnik im Fokus

Auch wichtige Fragen zur Produktionstechnik wurden auf dem Möhrenforum behandelt. Dr. Jean Wagner von Plantalyt setzte sich mit der Frage auseinander, ob herbizidresistente Unkräuter im Ackerbau überhaupt vermeidbar sind. Denn Herbizidresistenzen bei Unkräutern nehmen weltweit zu. Warum ist das so? Dazu erläuterte Wagner grundsätzlich die Prinzipien der Wirkstoffe. Seine Botschaft war klar: Das Wissen darüber, welche Wirkstoffe welche Mechanismen selektieren und wie der Wirkungsverlust von Wirkstoffen sinnvoll in Kombination mit Fruchtfolge und nichtchemischen Maßnahmen gebremst werden kann, setzt die Bereitschaft der Betriebsleiter voraus, dieser Problematik im Betriebsablauf die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Herbizidresistenzen und der Tatsache, dass neue chemische Wirkstoffe nicht in Sicht sind, erhöht sich der Stellenwert der mechanischen Unkrautbekämpfung. Auch im konventionellen Gemüsebau wird daher vermehrt Hacktechnik eingesetzt. Sabine Staub von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau berichtete von Versuchen aus den letzten drei Jahren, bei den automatische Steuerungssysteme auf Anbauflächen von Roten Beten und Möhren miteinander verglichen wurden. Steuerungssysteme mit GPS-RTK oder Ultraschall ermöglichen es, mit einem Verschieberahmen dicht an der Pflanzenreihe zu arbeiten. Außerdem können Maschinen mit größerer Arbeitsbreite eingesetzt werden, ein wichtiger Vorteil angesichts des engen Zeitfensters für diese Maßnahme. Kamerasysteme sind jedoch abhängig von der Größe der Kulturpflanze zum ersten Einsatzzeitpunkt, auch spielt die Unkrautdichte eine Rolle. GPS-RTK-Signale setzen einen guten Empfang während der Arbeit auf dem Acker voraus. Mit der Nährstoffversorgung von Möhren befasste sich Frank Uwihs, Fachberater Sonderkulturen bei der Agravis Raiffeisen AG, in seinem Vortrag. Er riet dazu, vor einer Blattdüngung eine Blattanalyse durchführen zu lassen, die etwa 46 Euro kostet. Wie Versuche gezeigt haben, führt eine gezielte Blattdüngung in Möhren zu einem signifikanten Mehrertrag. Von 16 untersuchten Flächen hatten nur drei keinen Nährstoffmangel im Bereich der Haupt- bzw. Mikronährstoffe, führte Uwihs aus. Er fasste als Fazit der Versuche zusammen: Blattdüngemaßnahmen nach temporärer Trockenheit stabilisieren den Ertrag. Allerdings sollte die Blattdüngung so früh wie möglich und so oft wie nötig durchgeführt werden. Dabei sollte die Witterung berücksichtigt werden. Die Zugabe von Herbosol zur Vorauflaufbehandlung sorgt für eine Anhaftung der Wirkstoffe im Oberboden und verbessert so ihre Wirksamkeit. Im Nachauflauf ist der Einsatz von Aminosäure-Produkten sinnvoll, positive Effekte zeigen sich auch durch den Einsatz von Mikro- und Makronährstoffen.

Im Öko-Landbau macht insbesondere Erzeugern in Niedersachsen der Möhrenblattfloh zu schaffen. Dabei handelt es sich um einen Schädling, der in der Fachwelt eigentlich schon seit Jahrzehnten bekannt ist, bislang aber nie groß in Erscheinung getreten ist. Er überwintert auf Koniferen und sucht sich im Frühjahr ab Mitte Mai bis Ende Juni seine Wirtspflanzen. Neben Möhren können das auch anderen Doldenblütler sein. Als Folge der Saugschäden durch die erwachsenen Blattflöhe kräuseln sich die Blätter und die Pflanzen bleiben im Wuchs stark zurück. Die größten Schäden treten auf, wenn die Möhren der Hauptaussaatperiode das Fünf-Blatt-Stadium erreicht haben. Praktiker können also eventuell mit einer Verlegung des Saattermins dem Schädling ausweichen. Sicheren Schutz bieten auch Kulturschutznetze mit einer Maschenweite kleiner als 1 mm. Allerdings ist dies auf größeren Flächen wenig praktikabel.

Die Rückstands-Problematik erweist sich für den Möhrenanbau zunehmend als Herausforderung. Denn die Vorgaben kommen nicht allein vom Gesetzgeber, vielmehr hat inzwischen der Lebensmitteleinzelhandel noch höhere Anforderungen an die Rückstandsfreiheit. Dass Rückstände in den Möhren nachweisbar sind, ist bei Herbiziden und Fungiziden am wahrscheinlichsten. Wie Jan Hendrik Zinser von Certis Europe B.V. ausführte, ist es möglich, durch den Einsatz von Cuprazin progress (mit dem Wirkstoff Kupferhydroxid) und Kumar (Kontaktwirkstoff Kaliumhydrogencarbonat) die konventionellen Fungizide zumindest teilweise zu ersetzen.

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