IGW: Weihnachtsbaumverkauf im zweiten Coronajahr

Mit gemischten Gefühlen blicken die Anbauer von Weihnachtsbäumen auf den Verkaufsbeginn am ersten Adventswochenende.

Peter Geiß, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer. Bild: IGW.

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Wieder lähmt die Corona-Pandemie das öffentliche Leben wie im vorigen Jahr, wieder werden Weihnachtsmärkte und andere größere Veranstaltungen abgesagt. Diese Einschnitte im vergangenen Jahr überstanden die meisten Familienbetriebe durch eine stärkere private Nachfrage nach Weihnachtsbäumen. Es waren viele Urlaubsreisen abgesagt worden, weshalb vermutlich privat mehr zum Fest geschmückt wurde. Wird das in diesem Dezember wieder so sein?

Das wüssten auch Peter Geiß, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer (IGW), und die 70 Mitglieder in Deutschland und Österreich gern. Sie haben dieses Jahr außer den Corona-Beschränkungen auch noch die stark gestiegenen Energiepreise und die allgemein hohe Teuerungsrate zu verkraften. Umso prekärer ist ihre Situation, als der Weihnachtsbaumverkauf das Einkommen für das ganze Jahr bedeutet. Momentan stellt sich die Lage durchwachsen dar:

Peter Geiß, der in Peiting (Lkr. Weilheim-Schongau, Oberbayern) selbst Christbäume anbaut und verkauft, gibt sich optimistisch: „Es hilft alles nichts, wir müssen da durch!“ Soeben ist ihm ein Großauftrag storniert worden. Sein Tannenhof sollte eine Festhalle mit kleinen und mit großen Bäumen dekorieren, dieser Großauftrag ist gestrichen. Die Bäume sind schon gefällt - Geiß will nun wenigstens ein Ausfallentgelt bekommen. Die Anfragen seiner Kollegen, wie er die Marktlage einschätze, beantwortet er vorsichtig: Ob noch einmal mit einer höheren privaten Nachfrage zu rechnen sei, stehe nicht fest. Aber generell: „Ja, wir hoffen. Wir brauchen den Direktverkauf.“ Der immerhin blieb vor einem Jahr in ganz Deutschland und Österreich durchgehend geöffnet und lief erfreulich für die Anbauer.

Eine Sonderregelung erlaubt dieses Jahr trotz Lockdown den Christbaumverkauf in Österreich. Selina Wohlgenannt, Juniorchefin vom Tannenhof Wohlgenannt in Dornbirn (Vorarlberg), ist erleichtert über die Ausnahmeregelung. Das kann die Stornierungen der gewerblichen Kunden in der Gastronomie und Hotelerie möglicherweise auffangen. Die sogenannten Dekobäume – Tannen von über vier Metern – sind bereits geschlagen und stünden bereit, aber es ist fraglich, ob die Gastronomen und Hoteliers sie am Ende des Lockdowns (13. Dezember) noch holen werden. Deren Weihnachtsgeschäft mit Kurzferien und Festen ist eingebrochen, sodass sich eine weihnachtliche Dekoration möglicherweise nicht mehr lohnt. Familie Wohlgenannt baut die Christbäume selbst an – im Schnitt 10.000 Bäume jährlich - und vermarktet sie in der Region („Üsr Tännele“) auf 30 Verkaufsplätzen.

Roman Thielen vom Forstbetrieb Thielen in Euscheid (Lkr. Bitburg-Prüm, Rheinland-Pfalz) geht wegen der Corona-Lage von einer ähnlich hohen Nachfrage wie im vergangenen Jahr aus: „Im Direktverkauf schätze ich, dass wir überlaufen werden.“ Seine Wiederverkäufer seien aufgrund der Erfahrung vom vergangenen Jahr ebenfalls guten Mutes: „Der Weihnachtsbaumverkauf ist krisenfest.“ Das gelte aber vielleicht nicht überall. Aus Gesprächen weiß Roman Thielen, seine Kollegen im süddeutschen Raum mit den hohen Inzidenzzahlen seien sehr verunsichert. (IGW)

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