Bayer: Will Produktivität und Ertragskraft deutlich steigern

Effizienz- und Strukturmaßnahmen sollen die Wettbewerbsfähigkeit von Bayer steigern und einschließlich der erwarteten Synergien aus der Monsanto-Übernahme ab 2022 jährliche Beiträge in Höhe von 2,6 Mrd. Euro generieren.

Das Bayer-Kreuz bei Nacht. Bild: Bayer AG.

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Mit einer Reihe von Portfolio- sowie Effizienz- und Strukturmaßnahmen will der Bayer-Konzern seine Life-Science-Kerngeschäfte weiter stärken. So sollen die Produktivität sowie die Innovationskraft erhöht und damit die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert werden. Der Aufsichtsrat der Bayer AG hat sich mit den entsprechenden Plänen des Vorstands am Donnerstag befasst und einstimmig deren Unterstützung beschlossen. Das Unternehmen schafft damit die Voraussetzungen für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg in langfristig attraktiven Wachstumsmärkten. „Wir haben mit der strategischen Weiterentwicklung von Bayer in den vergangenen Jahren sehr gute Fortschritte erzielt. Mit den Maßnahmen, die wir jetzt angehen, schaffen wir die Voraussetzung, um die Performance und Ertragskraft von Bayer nachhaltig zu steigern“, sagte Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG. „Damit sind wir als Life-Science-Unternehmen bestmöglich für die Zukunft aufgestellt.“

Fokussierung auf die Life-Science-Kerngeschäfte

In Laufe des kommenden Jahres soll die Umsetzung mehrerer Portfoliomaßnahmen vorangetrieben werden. So will sich Bayer von seinem Animal-Health-Geschäft trennen und prüft entsprechende Optionen. Zwar bieten sich hier Wachstumsoptionen in einem attraktiven Markt. Die dazu notwendigen Investitionsmittel sollen jedoch für die Kerngeschäfte Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science eingesetzt werden. Für die Division Consumer Health wurden Maßnahmen initiiert, um in den kommenden Jahren wieder an das Marktwachstum anzuschließen und die Profitabilität zu verbessern. Dazu gehört auch ein geplanter Rückzug aus Produktkategorien, die außerhalb von Bayer ein besseres Entwicklungspotenzial haben. Neben der bereits angekündigten Veräußerung der rezeptpflichtigen Dermatologie-Produkte werden in den kommenden Monaten strategische Optionen geprüft, sich von den Bereichen Sonnenschutz (Coppertone™) und Fußpflege (Dr. Scholl‘s™) zu trennen. Damit will sich das Unternehmen bei Consumer Health auf das profitable Wachstum der Kernkategorien konzentrieren. Darüber hinaus führt Bayer Gespräche über eine Veräußerung seines 60-prozentigen Anteils am deutschen Standortdienstleister Currenta. Nach der erfolgreichen Trennung von Covestro steht die Nutzung der Dienstleistungen von Currenta in keinem Verhältnis mehr zum Besitzanteil von Bayer.

Maßnahmen zur Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft

Zusätzlich zu den geplanten Portfoliomaßnahmen soll auch die Kostenstruktur deutlich verbessert werden. Ziel ist es, die Innovationskraft und Produktivität weiter zu stärken, den Zugang zu Zukunftstechnologien zu beschleunigen, die Wettbewerbsfähigkeit und die Profitabilität weiter zu erhöhen und in diesem Zusammenhang auch die Querschnittsfunktionen und Services effizienter aufzustellen.

Im Rahmen aller geplanten Effizienz- und Strukturmaßnahmen sind – einschließlich der erwarteten Synergien aus der Monsanto-Übernahme – ab 2022 jährliche Beiträge in Höhe von 2,6 Mrd. Euro vorgesehen. Dies geht einher mit einem geplanten Abbau von rund 12.000 der weltweit 118.200 Arbeitsplätze, ein signifikanter Teil davon in Deutschland, der allerdings sozialverträglich erreicht werden soll. Details werden in den kommenden Monaten ausgearbeitet. Die insgesamt erwarteten Einmalkosten für diese Maßnahmen liegen im Bereich des 1,7-Fachen der jährlichen Beiträge. Ein Teil der frei werdenden Mittel soll in den kommenden Jahren genutzt werden, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Divisionen zu stärken. „Allein bis Ende 2022 sind Zukunftsinvestitionen von insgesamt rund 35 Mrd. Euro vorgesehen. Mehr als zwei Drittel davon wollen wir in Forschung und Entwicklung investieren und knapp ein Drittel in Sachanlagen“, sagte Baumann.

Für das bereinigte Ergebnis je Aktie erwartet das Unternehmen unter der Annahme eines konstanten Portfolios und konstanter Wechselkurse 6,80 Euro im Jahr 2019 (2018: 5,70 bis 5,90 Euro). In den Folgejahren soll das bereinigte Ergebnis je Aktie bis auf rund 10 Euro im Jahr 2022 ansteigen. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen des Bayer-Konzerns soll im Zeitraum bis 2022 auf mehr als 30% steigen.

Die Unternehmensstrategie, Finanzziele und Prioritäten bei der Kapitalallokation von Bayer werden auf dem Capital Markets Day am 5. Dezember in London erläutert.

Effizienz- und Strukturmaßnahmen in allen Divisionen, Funktionen, Länderplattformen und Services

In der Division Pharmaceuticals ist neben der erfolgreichen Weiterentwicklung der Forschungs- und Entwicklungspipeline eine verstärkte Ausrichtung auch auf externe Innovationen essenziell. Dies bedeutet eine beschleunigte Weiterentwicklung des Innovationsmodells und geht mit einer Umstrukturierung der internen Forschung und Entwicklung einher. Die durch die Reduzierung interner Kapazitäten freiwerdenden Ressourcen sollen für verstärkte Investitionen in Forschung gemeinsam mit Partnern und externe Innovationen genutzt werden.

Im Bereich der Hämophilie ist der Wettbewerb mit der Einführung mehrerer neuer Produkte deutlich gestiegen. Um in diesem Segment wettbewerbsfähig zu bleiben, hat Bayer beschlossen, den in Wuppertal (Deutschland) gebauten Faktor-VIII-Betrieb nicht zu nutzen, sondern die Herstellung aller rekombinanten Faktor-VIII-Produkte auf den Standort Berkeley (USA) zu konzentrieren.

In der Division Consumer Health gilt es, mit einer Reihe von Maßnahmen in den kommenden Jahren wieder an das Marktwachstum anzuschließen und die Profitabilität zu verbessern. Dazu soll – zusätzlich zu den Portfoliomaßnahmen – unter anderem auch die Organisation neu aufgestellt werden, um in einem sich rapide verändernden Marktumfeld erfolgreich zu sein.

In den Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals fallen im 4. Quartal 2018 voraussichtlich außerplanmäßige, nicht zahlungswirksame Abschreibungen in der Größenordnung von insgesamt 3,3 Mrd. Euro an. Diese Abschreibungen betreffen bei Consumer Health vor allem Marken, die mit den Geschäften von Merck & Co. und Dihon erworben wurden, sowie einen Teil des bilanzierten Goodwills (insgesamt rund 2,7 Mrd. Euro). Bei Pharmaceuticals erfolgen außerplanmäßige Abschreibungen von rund 0,6 Mrd. Euro insbesondere aufgrund der Entscheidung zum Faktor-VIII-Betrieb in Wuppertal.

In der Division Crop Science gilt der Fokus der erfolgreichen Integration des akquirierten Agrargeschäfts. Wie bereits bekannt gegeben, sind von 2022 an jährliche Beiträge zum EBITDA vor Sondereinflüssen aus Synergien in Höhe von 1,04 Mrd. Euro (1,2 Mrd. US-Dollar) geplant, die im oben genannten Beitragsziel enthalten sind – davon 0,87 Mrd. Euro (1 Mrd. US-Dollar) als Kostensynergien.

Die genannten Veränderungen in den Divisionen sowie die Straffung des Portfolios werden durch weitere umfangreiche Anpassungen im Unternehmen unterstützt. Das bezieht sich auf die übergreifenden Konzern- und Querschnittsfunktionen, Business Services sowie die Länderplattformen. Ziel ist eine effiziente Organisation und Infrastruktur, um die Geschäfte – und damit die Kunden des Unternehmens – bestmöglich zu unterstützen.

Der geplante Abbau von weltweit rund 12.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2021 verteilt sich wie folgt auf die genannten Maßnahmen: Vorgesehen ist jeweils ein Abbau von rund 900 Arbeitsplätzen in der Forschung bei Pharmaceuticals, rund 350 im Zusammenhang mit dem Faktor-VIII-Betrieb in Wuppertal, rund 1.100 durch die Neuaufstellung der Organisation bei Consumer Health, rund 4.100 bei Crop Science durch die Integration des akquirierten Agrargeschäfts und weitere 5.500 bis 6.000 bei den übergreifenden Konzern- und Querschnittsfunktionen, Business Services sowie den Länderplattformen.

„Mit diesen notwendigen Anpassungen werden wir in Zukunft noch schlagkräftiger und agiler. Wir wollen damit die Wachstumspotenziale für unsere Geschäfte optimal nutzen“, so Baumann. „Gleichzeitig sind wir uns der Tragweite der Entscheidungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst und werden die geplanten Maßnahmen – wie in der Vergangenheit – fair und verantwortungsvoll umsetzen.“

Neue Vereinbarung zur „Zukunftssicherung Bayer 2025“

Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter verständigten sich in einer Gemeinsamen Erklärung auf eine neue Vereinbarung zur „Zukunftssicherung Bayer 2025“. Demnach sind betriebsbedingte Kündigungen im Personalverbund der Bayer AG in Deutschland bis Ende 2025 grundsätzlich ausgeschlossen. „Die geplanten Maßnahmen bei Bayer sind ein gravierender Einschnitt für die Kolleginnen und Kollegen“, sagte Oliver Zühlke, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Bayer. „Für uns haben die Sicherung der Beschäftigung und die Zukunftsfähigkeit der Arbeitsplätze höchste Priorität. Mit der Gemeinsamen Erklärung ist es uns gelungen, dafür gute Voraussetzungen zu schaffen.“ Die Gemeinsame Erklärung soll im 1. Quartal 2019 in eine Gesamtbetriebsvereinbarung überführt werden.

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