Innovationsförderung: Biologische Verfahren gegen Schadinsekten

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am 20. April 2021 die Förderurkunden für zwei Projekte im Beerenanbau virtuell überreicht, die mit rund 1,5 Mio. Euro vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über das Programm zur Innovationsförderung gefördert und vom Projektträger BLE (ptble) betreut werden.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der virtuellen Übergabe der Förderurkunden. Quelle: Bild: BMEL/Photothek/Schmitz.

Die Projektstarts sind der Auftakt zur Förderbekanntmachung "Nicht-chemischer Pflanzenschutzverfahren im Gartenbau". Ziel beider Vorhaben ist die biologische Kontrolle von Schadinsekten im Beerenanbau.

Beerenkulturen werden durch verschiedene Schadinsekten beeinträchtigt, wobei die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) als oberirdischer Schädling besonders hohen Schaden bei Beerenobst verursacht. Unterirdisch sorgen Fraßschädlinge, wie der Dickmaulrüssler und die Blatthornkäfer, auch für hohe Ernteausfälle. Da Insektizide nur unzureichend wirken und umweltschonende Alternativen gewünscht sind, kommt dem Einsatz von Nützlingen als Gegenspielern und biotechnischen Verfahren eine tragende Rolle zu.

Parasitische Schlupfwespen zur biologischen Kontrolle der Kirschessigfliege

Gegenstand des Vorhabens "Anwendung von Pupalparasitoiden zur biologischen Regulierung der Kirschessigfliege in der Praxis (ParaDrosu)" ist die Entwicklung eines Produkts auf Basis heimischer Pupalparasitoide, das zur biologischen Regulierung der Kirschessigfliege in den Beerenkulturen Him- und Heidelbeeren in der Praxis dienen soll. Die zwei parasitischen Schlupfwespen, die Zehrwespe (Trichopria drosophilae) und die Erzwespe (Pachycrepoideus vindemmiae), sollen als Nützlinge vorbeugend und schädlingsspezifisch eingesetzt werden.

Die Wirksamkeit der Nützlinge wird in praxisnahen Modellversuchen erprobt. In Praxisbetrieben wird eine Optimierung erfolgen. Das entwickelte Verfahren zur biologischen Kontrolle der Kirschessigfliege soll in die Kulturführung im Beerenanbau integriert werden. Koordinator des Verbundvorhabens ist das Julius Kühn-Institut Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) vertreten mit dem Institut für Biologischen Pflanzenschutz und dem Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau. Weiterhin beteiligt sind die Hochschule Geisenheim University und die Katz Biotech AG.

Insektenpathogene Viren und Pilze für die biologische Kontrolle im Beerenanbau

Das Vorhaben "Entwicklung holistischer Formulierungsverfahren für den biologischen Pflanzenschutz von Beerenobst (HOPE)" befasst sich mit der Entwicklung von Formulierungsverfahren für den biologischen Pflanzenschutz am Beispiel Heidelbeeren. Eine effektive Applikation soll entwickelt werden, die auf einer neuartigen Virus-Formulierung basiert, und wirksam gegen die Kirschessigfliege sein soll.

Weiterhin soll eine innovative Bodenapplikation entwickelt werden, die mit einem Nutzpilz als Kill-Komponente wirksam gegen den gefurchten Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) und Käferlarven der Blatthornkäfer (Überfamilie Scarabaeoidea) ist. Nach Wirksamkeitstests im Labor folgen Feldversuche im Freiland. Koordinator des Verbundvorhabens „HOPE“ ist die Fachhochschule Bielefeld. Weiterhin beteiligt sind die BIOCARE Gesellschaft für biologische Schutzmittel mit beschränkter Haftung, die Geohumus GmbH, die Spargel und Beerenanbau Winkelmann GmbH & Co. KG, das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME und die Technische Hochschule Mittelhessen.

Hintergrund

Mit der "Bekanntmachung über die Förderung von Innovationen nicht-chemischer Pflanzenschutzverfahren im Gartenbau" unterstützt das BMEL die Einführung neuer Pflanzenschutzverfahren in die gartenbauliche Praxis. Mit Hilfe innovativer Lösungen soll den sich ändernden Herausforderungen im Gartenbau begegnet und zukunftsträchtige Pflanzenproduktionssysteme entwickelt werden. Die Bekanntmachung beinhaltet zwei Module.

Für Modul A (Innovationsförderung) liegt der Schwerpunkt in der Forschung und Entwicklung von innovativen Produkten und Verfahren unter der Beteiligung von Forschungseinrichtungen, Wirtschaft und der Praxis. Die gestarteten Projekte "ParaDrosu" und "HOPE" sind diesem Modul zugeordnet.

Modul B fördert über das Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) insbesondere praxisorientierte Projekte - auch mit modellhaftem Charakter - und einen möglichst raschen Wissenstransfer in gärtnerische Betriebe. Dabei sollen mit dieser Bekanntmachung neue Strategien für den Pflanzenschutz erschlossen und die Rahmenbedingungen für deren Anwendung verbessert werden. (BLE)

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Innovationsförderung: Biologische Verfahren gegen Schadinsekten

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am 20. April 2021 die Förderurkunden für zwei Projekte im Beerenanbau virtuell überreicht, die mit rund 1,5 Mio. Euro vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über das Programm zur Innovationsförderung gefördert und vom Projektträger BLE (ptble) betreut werden.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der virtuellen Übergabe der Förderurkunden. Quelle: Bild: BMEL/Photothek/Schmitz.

Die Projektstarts sind der Auftakt zur Förderbekanntmachung "Nicht-chemischer Pflanzenschutzverfahren im Gartenbau". Ziel beider Vorhaben ist die biologische Kontrolle von Schadinsekten im Beerenanbau.

Beerenkulturen werden durch verschiedene Schadinsekten beeinträchtigt, wobei die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) als oberirdischer Schädling besonders hohen Schaden bei Beerenobst verursacht. Unterirdisch sorgen Fraßschädlinge, wie der Dickmaulrüssler und die Blatthornkäfer, auch für hohe Ernteausfälle. Da Insektizide nur unzureichend wirken und umweltschonende Alternativen gewünscht sind, kommt dem Einsatz von Nützlingen als Gegenspielern und biotechnischen Verfahren eine tragende Rolle zu.

Parasitische Schlupfwespen zur biologischen Kontrolle der Kirschessigfliege

Gegenstand des Vorhabens "Anwendung von Pupalparasitoiden zur biologischen Regulierung der Kirschessigfliege in der Praxis (ParaDrosu)" ist die Entwicklung eines Produkts auf Basis heimischer Pupalparasitoide, das zur biologischen Regulierung der Kirschessigfliege in den Beerenkulturen Him- und Heidelbeeren in der Praxis dienen soll. Die zwei parasitischen Schlupfwespen, die Zehrwespe (Trichopria drosophilae) und die Erzwespe (Pachycrepoideus vindemmiae), sollen als Nützlinge vorbeugend und schädlingsspezifisch eingesetzt werden.

Die Wirksamkeit der Nützlinge wird in praxisnahen Modellversuchen erprobt. In Praxisbetrieben wird eine Optimierung erfolgen. Das entwickelte Verfahren zur biologischen Kontrolle der Kirschessigfliege soll in die Kulturführung im Beerenanbau integriert werden. Koordinator des Verbundvorhabens ist das Julius Kühn-Institut Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) vertreten mit dem Institut für Biologischen Pflanzenschutz und dem Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau. Weiterhin beteiligt sind die Hochschule Geisenheim University und die Katz Biotech AG.

Insektenpathogene Viren und Pilze für die biologische Kontrolle im Beerenanbau

Das Vorhaben "Entwicklung holistischer Formulierungsverfahren für den biologischen Pflanzenschutz von Beerenobst (HOPE)" befasst sich mit der Entwicklung von Formulierungsverfahren für den biologischen Pflanzenschutz am Beispiel Heidelbeeren. Eine effektive Applikation soll entwickelt werden, die auf einer neuartigen Virus-Formulierung basiert, und wirksam gegen die Kirschessigfliege sein soll.

Weiterhin soll eine innovative Bodenapplikation entwickelt werden, die mit einem Nutzpilz als Kill-Komponente wirksam gegen den gefurchten Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) und Käferlarven der Blatthornkäfer (Überfamilie Scarabaeoidea) ist. Nach Wirksamkeitstests im Labor folgen Feldversuche im Freiland. Koordinator des Verbundvorhabens „HOPE“ ist die Fachhochschule Bielefeld. Weiterhin beteiligt sind die BIOCARE Gesellschaft für biologische Schutzmittel mit beschränkter Haftung, die Geohumus GmbH, die Spargel und Beerenanbau Winkelmann GmbH & Co. KG, das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME und die Technische Hochschule Mittelhessen.

Hintergrund

Mit der "Bekanntmachung über die Förderung von Innovationen nicht-chemischer Pflanzenschutzverfahren im Gartenbau" unterstützt das BMEL die Einführung neuer Pflanzenschutzverfahren in die gartenbauliche Praxis. Mit Hilfe innovativer Lösungen soll den sich ändernden Herausforderungen im Gartenbau begegnet und zukunftsträchtige Pflanzenproduktionssysteme entwickelt werden. Die Bekanntmachung beinhaltet zwei Module.

Für Modul A (Innovationsförderung) liegt der Schwerpunkt in der Forschung und Entwicklung von innovativen Produkten und Verfahren unter der Beteiligung von Forschungseinrichtungen, Wirtschaft und der Praxis. Die gestarteten Projekte "ParaDrosu" und "HOPE" sind diesem Modul zugeordnet.

Modul B fördert über das Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) insbesondere praxisorientierte Projekte - auch mit modellhaftem Charakter - und einen möglichst raschen Wissenstransfer in gärtnerische Betriebe. Dabei sollen mit dieser Bekanntmachung neue Strategien für den Pflanzenschutz erschlossen und die Rahmenbedingungen für deren Anwendung verbessert werden. (BLE)

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