VHE: Tagungsbericht zum "3. Holsteiner Humus-Forum"erschienen

Zum dritten Mal veranstaltete der Verband der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord (VHE-Nord) e.V. im Rahmen der Landwirtschaftsmesse NORLA in Rendsburg das Holsteiner Humus-Forum.

Der Sommer 2018 hat deutlich gezeigt, wie wichtig ein humoser, gesunder, gut durchlüfteter und wasserrückhaltefähiger Boden für gute Erträge ist. Bild: GABOT.

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Beim 3. Holsteiner Humus-Forum drehte sich thematisch vieles um den Einsatz von Komposten im Ökolandbau, aber auch die Bedeutung von Humus für die Bodenfruchtbarkeit in Zeiten extremer Witterungen wurde erörtert.

Der Sommer 2018 hat die Landwirtschaft ziemlich hart getroffen. Und allen Landwirten deutlich gezeigt, wie wichtig ein humoser, gesunder, gut durchlüfteter und wasserrückhaltefähiger Boden für gute Erträge ist. Daher hat der VHE-Nord als Veranstalter des Holsteiner Humus-Forums mit dem Vortrag von Prof. Dr. Conrad Wiermann unter dem Titel „Bedeutung von Humus für die Bodenfruchtbarkeit, insbesondere bei extremen Wetterlagen“ den Nerv und die Nöte vieler Landwirte getroffen.

Der Fachhochschul-Professor vom Fachbereich Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Kiel hielt vor rund 70 Zuhörern ein couragiertes Plädoyer für eine größere Beachtung gegenüber dem Boden, respektive Humus in der gängigen landwirtschaftlichen Praxis. Wenngleich laut der Zahlen der Untersuchungslabore in Schleswig-Holstein mit den gängigen Fruchtfolgen zwar positive Humusbilanzen zu verzeichnen sind, ist der Zustand der Böden nichtsdestotrotz an vielen Orten nicht zufriedenstellend. Das hat seine Gründe, wie Prof. Dr. Wiermann vortrug: Denn die natürliche Ertragsfähigkeit des Bodens ist eine sensible Funktion von Textur, Humus, Basensättigung und Zugänglichkeit des Unterbodens. Er wies vor allem auf die Bodenstruktur hin. Erst genügend Makro- und Mikroporen ermöglichen eine „Lebendverbauung im Boden“; mit anderen Worten: Ein gut ausgebildetes Porennetzwerk sorgt für ausreichend Belüftung, einen fließenden Nährstoffaustausch und eine gute Wasserführung. Garant hierfür ist die Wirkungskraft von Humus im Boden: Er verfügt über ein hohes Kompensationsvermögen, dass gerade bei extremen Wetterverhältnissen zum Tragen kommt. Denn wenn es extrem trocken oder extrem nass ist, ist Humus in der Lage, die negativen strukturellen Folgen im Bodenmilieu abzufedern, was sich direkt positiv auf die Wachstumsbedingungen der Kulturpflanzen auswirkt. Mit dem sich abzeichnenden Klimawandel werden die Herausforderungen sicherlich nicht weniger, schloss Prof. Dr. Wiermann und stellte mit Blick in die Zukunft aber zufrieden fest, dass seine Studenten dem Thema sehr offen und interessiert gegenüberstünden.

Neben dem Vortrag von Prof. Dr. Wiermann drehte sich beim diesjährigen Humus-Forum vieles um den Einsatz von Komposten im ökologischen Landbau. Der Ingenieur Ralf Gottschall aus Hessen skizzierte dabei die großen Chancen, die der Einsatz von Komposten für viele Biolandwirte in der ganzen Bundesrepublik inzwischen böte. Dabei sei aber, so Gottschall weiter, die Toleranz gegenüber Fremdstoffen sehr gering. Diese Einschätzung kann auch Wilfried Stegmann von EIP-Projekt „Biokartoffeln mit Komposteinsatz“ bestätigen. Der Mitarbeiter vom Kompetenzzentrum Ökolandbau (KÖN) in Visselhövede hob jedoch die Anstrengungen seitens der Kompostierer hervor, nur die besten Kompostqualitäten an die Ökolandwirtschaft abzugeben. Nach drei Jahren Projektarbeit auf vier niedersächsischen Ökobetrieben zog Stegmann ein durchweg positives Fazit. „Der Ertrag ist durch den Einsatz von Biokomposten um rund 20% gestiegen, was die anfänglichen Erwartungen sogar noch übertroffen hat", so Stegmann.

Dass die Kompostierung für den ökologischen Landbau eine große Chance bietet, darüber berichtete auch Romana Holle vom Ökoring im Norden und ihrem EIP-Projekt „Innovative Kompostsysteme für mehr Bodenfruchtbarkeit“. An diesem Vorhaben sind 18 Ökobetriebe beteiligt, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Kieler Universität sowie Henning Knutzen von der Qualitätssicherung Kompost zwei Kompostierungsverfahren (Mikrobielle Carbonisierung nach Walter Witte und Control Microbial Composting nach Lübke/Hildebrand) testen. Dabei wird in den Versuchsreihen direkt auf organische Inputmaterialien aus der Landwirtschaft und auf Komposte auf Basis von Grünschnitt und Biotonneninhalten zurückgegriffen. Obgleich eine detaillierte Auswertung der Ergebnisse noch nicht vorliege, so Holle, konnte man feststellen, dass die Komposte in ihrer Nährstoffwirkung sehr stark variieren würden. Trotzdem zeigten sich auch im schleswig-holsteinischen EIP-Projekt die gleichen positiven Ertragswirkungen wie in Niedersachsen.

Die anschließende Diskussion brachte dann, trotz differierender Einschätzungen in den Details, doch klar zum Ausdruck, dass bei einem womöglich jetzt schon spürbaren Klimawandel die Bedeutung der Humusversorgung weiter zunehmen werde. Der Einsatz von Komposten, die in über 20 Kompostierungsanlagen allein in Schleswig-Holstein erzeugt werden, ist dabei eine gute Option.

Die Vorträge zum „3. Holsteiner Humus-Forum“ sind auf der Homepage des VHE-Nord www.vhe-nord.de unter der Rubrik „Aktuelles“ abrufbar. (VHE-Nord)

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