VHE: „Sauberer Bioabfall guter Kompost“

Fachleute erörterten auf der 19. Fachtagung des Verbandes der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord e.V. (VHE-Nord) in Barsinghausen die gegenwärtige Situation.

Poster des VHE-Nord „Reinheit für die Biotonne“

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Eigentlich stand das Thema „Sauberer Bioabfall – Guter Kompost“ im Mittelpunkt der diesjährigen Fachtagung des VHE-Nord in Barsinghausen. Doch kamen die fast 90 Teilnehmer nicht daran vorbei, sich – wieder einmal – auch mit der Novelle der Düngeverordnung (DüV) und ihren unmittelbaren Auswirkungen auf die Kompostwirtschaft zu beschäftigen. „Die landwirtschaftliche Verwertung der Komposte muss erhalten bleiben“, mahnte denn auch der VHE-Nord Vorsitzende Herbert Probst, stellvertretend für viele Akteure der Branche, Politik und Verwaltung.

Auch Thomas Schwarz, Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallwirtschaft der Region Hannover (aha), sparte nicht mit kritischen Worten am Gesetzgeber. Süffisant griff er hierzu den Begriff der Dialektik auf, um damit auf die wachsenden Widersprüche und Spannungen im Umfeld von Abfall-, Gewässerschutz- und Umweltpolitik hinzuweisen. Zwar gäbe es, so Schwarz, seit Beginn 2015 die gesetzliche Pflicht, die Bioabfälle getrennt zu sammeln, doch zugleich werde genau dieses kreislaufwirtschaftliche Bestreben durch die neue DüV im Namen des Gewässerschutzes massiv erschwert, ohne dass sich die schlechte Gewässerqualität damit verbessern ließe.

Dass die Düngeverordnung Unmut provoziert, musste auch Dr. Dagmar Matuschek von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erfahren, als sie in ihrem Referat die Auswirkungen einzelner Paragraphen der Novelle auf die Düngepraxis mit Kompost aufzeigte. Am Ende blieben viele Fragen offen, obwohl die Verordnung in Kürze in Kraft tritt und das neue Düngejahr im Juli 2017 vor der Tür steht. Hier besteht also dringend Klärungsbedarf, so das Fazit vieler Zuhörer.

Damit die landwirtschaftliche Kompostverwertung weiterhin möglich bleibt und nicht die gesamte Bioabfallsammlung und -verwertung - das Paradebeispiel der Kreislaufwirtschaft - als Kollateralschaden enden, müssen in den Ländern praxisgerechte Regelungen gefunden werden. Hierbei sind die stofflichen Eigenschaften des Kompostes beim Nährstoffvergleich (geringe Stickstoffverfügbarkeit, Humuswirkung) entsprechend zu berücksichtigen.

Um die Kreislaufwirtschaft im Interesse der Bürger und im Sinne des Umweltschutzes weiter nach vorne zu bringen, appelliert der VHE-Nord als Stimme der norddeutschen Kompostwirtschaft trotz vieler Hürden für die Rückkehr zur Vernunft und sucht weiterhin den Dialog mit Bürgern, Behörden sowie der Wasser- und Landwirtschaft.

Denn eines machte Rüdiger Oetjen-Dehne vom Ingenieurbüro Oetjen-Dehne & Partner GmbH in seinem Vortrag über die vom VHE-Nord in Auftrag gegebene „Bioabfallstudie Schleswig-Holstein 2016“ ganz deutlich: „Die angestrebte Recycling-Quote von 65% ist nicht erreichbar, wenn die Bioabfalltrennung aufgegeben würde.“ Dabei spiele der Kompost in der Landwirtschaft gar nicht die Rolle, die viele vielleicht erwarten, führte Oetjen-Dehne aus. So werden beispielsweise in Schleswig-Holstein auf nur 0,36% der landwirtschaftlichen Flächen Komposte ausgebracht. Diese Zahl demonstriert zweierlei: Zum einen hat Kompost wenig mit den bisherigen Nitrateinträgen ins Grundwasser zu tun, zum anderen dürfte es eigentlich nicht an Flächen mangeln, wenn die Kompostmenge aufgrund steigender Erfassungsquoten in den nächsten Jahren zunimmt.

Allerdings, und das ist die klare Botschaft der 19. Fachtagung des VHE-Nord, muss die Kompostwirtschaft alles daran setzen, die Sortenreinheit der Bioabfälle deutlich zu verbessern. Wenngleich die Forderung, in Zukunft unter 1% Fremdstoffanteil zu erreichen, „sehr sportlich“ sei und gegenwärtig viele Betreiber von Kompostanlagen mit Fremdstoffanteilen von fünf bis über 10% zu kämpfen haben, betonte Dr. Michael Kern vom Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie, „dass es keinen Weg vorbei an höherer Bioabfallqualität geben kann“. Kern forderte die Zuhörer auf, noch mehr als in der Vergangenheit zu unternehmen, um bessere Qualitäten zu erreichen.

Dabei gelte es, unterstrich Stefan Grüner, Geschäftsführer vom Biogenen Zentrum Peine, „die Sensibilität der Bürger neu zu schärfen“; nicht zuletzt deshalb, konstatierte Grüner, „weil die Qualität der Biotonne schleichend schlechter wird.“ Grüner ist daher der Ansicht, dass es neben der Aufklärungsarbeit auch Kontrollen und Sanktionen geben müsse. Eine Aussage, die Michael von Ketteler, Geschäftsführer vom Verbund kompostierbare Produkte e. V. auf den Plan rief. „Nicht Abmahnung, sondern positive Überzeugungsarbeit und gute Ideen seien wichtig, um die Bürger zum sauberen Trennen zu motivieren“, warf von Ketteler ein und nannte das Beispiel München, wo die Einführung kompostierbarer Papiertüten die Fehlwurfquote signifikant reduziert habe.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Öffentlichkeitsarbeit, die in den letzten Jahren jedoch geschwächelt hat. Es gibt enormen Aufklärungsbedarf, um beispielsweise die größte Fremdstoff-Fraktion, den PE-Beutel, aus der Biotonne zu verbannen.

Fazit der VHE-Nord Fachtagung: Es muss sich noch vieles verändern, um die Kompostwirtschaft erfolgreich durch diese schwierigen Zeiten manövrieren zu können.

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