VGL NRW: Nachhaltigkeit darf nicht nur ein Wort sein

Nicht erst durch den Green Deal der EU ist Nachhaltigkeit eines der wichtigsten Dauerthemen.

Künftig müssen bei allen kommunalen Planungen in NRW Maßnahmen zur Klimaanpassung, wie unversiegelte Versickerungsflächen für Starkregen oder ein Netzwerk aus Grünflächen, mitgedacht werden. Bild: VGL NRW/GPP.

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Ob es um Lebensmittel, Bekleidung oder Fahrzeuge geht, um abstrakte Dinge wie Lieferketten, Geschäftsbeziehungen oder Stadtentwicklung … nahezu immer wird das Argument Nachhaltigkeit im öffentlichen Diskurs als Voraussetzung für gesellschaftliche Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit eingebracht. Dass der Begriff häufig auch missbraucht wird und zum sogenannten Greenwashing für ökologisch zweifelhafte Produkte oder Verhaltensweisen dient, hat dazu beigetragen, dass viele, wenn über Nachhaltigkeit gesprochen wird, eher genervt reagieren. „Genau das ist aus unserer Sicht bitter“, resümiert H. Christian Leonhards, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e.V. (VGL NRW), „denn für uns als Branche ist die Nachhaltigkeit ein hoher Wert und wir setzen uns täglich dafür ein, dass unsere Arbeit ressourcenschonend ausgeführt wird und tatsächlich Werte geschaffen werden, die langfristig angelegt sind.“

Transformation der Städte

Die Corona-Pandemie habe auch hier große Veränderungen bewirkt, so Leonhards. Die Wertschätzung für und auch der Nutzungsdruck auf den Freiraum der Städte und Gemeinden sei für jeden spürbar gestiegen, was vielerorts bestehende Mängel und Defizite offengelegt habe. Deshalb sei nachhaltige Stadtentwicklung mehr denn je das Gebot der Stunde und es müsse darum gehen, aus den Erfahrungen der Krise gemeinsam mit Kommunen und der Bürgerschaft neue Ideen für die Gestaltung des öffentlichen Raums zu entwickeln. Leonhards: „Wie können Innenstädte wieder belebt werden, welche Alternativen gibt es für Straßen und Parkplätze, die nicht mehr für den Autoverkehr genutzt werden, wie können Parks und Stadtplätze ertüchtigt werden, um die verschiedensten Nutzungen dauerhaft zu ermöglichen, welche kommunalen Maßnahmen fördern Klimaschutz und Klimaanpassung?“ Solche und ähnliche Fragen, die oft nur vor Ort entschieden werden können, seien notwendig, um in einer „Nach-Corona-Zeit“ wirklich spürbare Aufbruchstimmung und wirkungsvolle Veränderung zu initiieren. Dies bestätigt auch der aktuell vorgelegte erste Fortschrittsbericht des Deutschen Instituts für Urbanistik (difu) zur Umsetzung der New Urban Agenda der EU. Demnach gehen zwar viele Städte – unabhängig von Größe und Lage – erste Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Transformation, es gäbe jedoch erhebliche Unterschiede. Unbestritten sei, dass die systematische Erfassung von Nachhaltigkeitsinitiativen in Kommunen, wie sie die New Urban Agenda fordert, einen wichtigen Grundstein für die Sensibilisierung von Verwaltung und Bevölkerung für das Thema Nachhaltigkeit legt, so Dr. Henrik Scheller vom difu.

Freiraum und Nachhaltigkeit

Der öffentliche Raum der Städte, vor allem die Grün- und Freiflächen, haben sich als wichtige Orte für soziale Begegnung und als Ausgleich zu den vielfältigen Bewegungs- und Reisebeschränkungen der Pandemie erwiesen. Leonhards erweitert diese Erfahrung zu einer klaren Aufgabenstellung für die zukünftige Entwicklung in Nordrhein-Westfalen: „Alle Dimensionen der Nachhaltigkeit sind hier angesprochen, denn der Freiraum hat das Potenzial, Ökonomie, Ökologie und Soziales optimal zu verbinden. Wir brauchen einerseits die Experimentierfreude und Innovationskraft, wie sie sich in vielen kommunalen Projekten zeigt, aber auch die Planungssicherheit einer langfristig angelegten Strategie. Hier sind Bund und Land gefordert, den Kommunen, die ja infolge von Steuerausfällen mit sinkenden Einnahmen rechnen müssen, den Rücken zu stärken.“ Ausdrücklich begrüßt der Verband die Initiativen der Landesregierung, insbesondere die im September 2020 verabschiedete Nachhaltigkeitsstrategie und das erste eigenständige Klimaanpassungsgesetz, das einen starken Akzent setze: Künftig müssten zum Beispiel bei allen kommunalen Planungen in NRW Maßnahmen zur Klimaanpassung, wie unversiegelte Versickerungsflächen für Starkregen oder ein Netzwerk aus Grünflächen, mitgedacht werden. Anlässlich der Veröffentlichung des Umweltzustandsberichts NRW 2020 sagte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser im Mai 2021: "Auf Erreichtem dürfen wir uns nicht ausruhen. Umwelt-, Klima- und Naturschutz müssen weiterhin die Leitplanken unseres Handelns sein und in der Gesellschaft verankert werden." In diesem Zusammenhang sieht der Verband auch die verstärkte Förderung von Gebäudebegrünung in NRW. „Sowohl von Seiten des Landes als auch ergänzt durch Programme von Städten und Gemeinden wird die Dach- und Fassadenbegrünung mehr und mehr zu einem starken Signal für lebendiges Grün im direkten Lebensumfeld der Menschen“, betont Leonhards. (GPP)

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