Royal FloraHolland: Das Beste aus dem Markt holen

Mitte März wurde die Zierpflanzenbranche hart von der Corona-Krise getroffen. Steven van Schilfgaarde, CEO von Royal FloraHolland, blickt auf das letzte Halbjahr zurück und spricht über die Zukunft.

Steven van Schilfgaarde, CEO von Royal FloraHolland. Bild: Royal FloraHolland.

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Über die Corona-Krise ließe sich ein ganzes Buch schreiben. Wie sieht Ihre kurze Zusammenfassung aus?

"Wenn ich zurückdenke, sehe ich zuerst das traurige Bild von Tausenden Karren vor mir, die nicht verkauft wurden. Gleich danach denke ich an die superschnelle Einführung der Lieferregulierung und an die wirksame Lobby für den Notfonds. Dass wir alle zusammen unter extrem schwierigen Bedingungen den Betrieb am Laufen gehalten haben, ist wirklich eine gigantische Leistung. Ich habe großen Respekt vor den Gärtnern und Käufern und bin sehr stolz auf alle Kollegen. Das gilt auch für den Mitgliederrat, die FPCs und den Aufsichtsrat. Dank des Engagements eines jeden Einzelnen und der erstaunlichen Flexibilität, die zum Vorschein kam, konnten wir uns schneller erholen als gedacht. Ab Mitte Mai hat sich der Umsatz aufgrund von hohen Preisen in die richtige Richtung entwickelt. Leider bleiben die Lieferungen hinter den Erwartungen zurück und die Uhr hat im Verhältnis zum Direktverkauf Einbußen zu verkraften. Das bedeutet, dass es längst nicht allen Gärtnern gut geht und dass Royal FloraHolland selbst noch tief in den roten Zahlen steckt."

Wie sieht die Zukunft aus?

"Ich blicke mit Optimismus in die Zukunft. Und das nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen während der Krise. Ausgangspunkt unserer Strategie ist, dass wir für unsere Mitglieder das Beste aus dem Markt holen werden: optimale Preisbildung zu minimalen Kosten. Deshalb bauen wir unseren Marktplatz zu der führenden Business-to-Business-Plattform für den weltweiten Zierpflanzenmarkt aus, auf dem Gärtner und Käufer über die Uhr und den Direktverkauf digital Handel treiben können. Unsere digitale Plattform Floriday wird bald ein komplettes und nachhaltiges Angebot für die Geschäftsprozesse Bestellen, Bezahlen und Liefern anbieten, auch für die Ströme des Direkthandels. Eine breite Akzeptanz ist dabei von entscheidender Bedeutung. Deshalb bauen wir ein großes internationales Netzwerk mit möglichst viel Angebot und Nachfrage auf. Denn indem wir das Angebot an uns binden, ziehen wir auch die Nachfrage an, und umgekehrt. Und das funktioniert nur mit einem sehr breiten Sortiment. Dabei brauchen wir jeden Einzelnen, auch die kleinen Gärtner, die Nischenprodukte und die Gärtner aus Afrika und Israel."

Sie haben die Zukunft in eigener Hand...

"Mit unserer Strategie reagieren wir effektiv auf die Trends, die zurzeit wichtig sind. Wir stellen beispielsweise eine immer schnellere Zunahme neuer digitaler Vertriebskanäle und Ankäufe fest. Ferner beobachten wir eine kontinuierliche Verlagerung des Handels von der Uhr zum Direktverkauf, die sich sogar noch beschleunigt hat. Die Folge ist, dass die Zahl der Karren vor der Uhr um 10% niedriger ist als im Vorjahr, während eine Karre über mehr Käufer verteilt wird. Das hat bedeutende Auswirkungen auf das Geschäftsmodell von RFH. Der Preisdruck aus dem Einzelhandel sorgt dafür, dass sich die Branche im Schnelldurchgang konsolidiert. Käufer werden durch Übernahmen immer größer, und aufgrund von steigenden Kooperationen wächst die Zahl der Gärtnergenossenschaften. Durch die Beschleunigung der genannten Trends, nicht zuletzt als Folge der Corona-Krise, ist eine effizient und effektiv arbeitende Zierpflanzenkette wichtiger denn je. Nur so können Verluste ausgeglichen werden, und nur so behalten wir die Zukunft selbst in der Hand."

Es gibt eine Agenda der Veränderung...

"Innerhalb des Unternehmens wird fieberhaft an unserer Agenda der Veränderung gearbeitet. Mit 100 % Digital unterstützen wir alle Arten von Geschäftsabschlüssen, sowohl über die Uhr als auch über den Direktverkauf, auf der Grundlage eines einzigen Systems. Zweitens vollziehen wir mit der Landesweiten Versteigerung den ersten richtig großen Schritt zur Stärkung der Uhr. Mittelfristig werden sich hier neue Möglichkeiten wie Versteigerung-Ab-Garten und die internationale Versteigerung anbieten. Drittens entwickeln wir national und international neue Bezahloptionen und Möglichkeiten der Kreditfinanzierung. Ich verspreche mir viel von den neuen Liefermöglichkeiten auf der Grundlage neuer Logistikkonzepte, wie Orderpicking und Transportregie. Das führt zu einer nachhaltigen Effizienz der Zierpflanzenkette als Grundlage für weiteres Wachstum. National und später auch international. Letzteres ermöglichen wir durch die Unterstützung und Weiterentwicklung von neuen Handelsrouten. Mein Optimismus basiert auf dieser ambitionierten Agenda und auf meinem Vertrauen in die Menschen, die daran arbeiten." Royal FloraHolland)

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