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Landgard: Plant Logistikzentrum in Westerstede
Westerstede/Hollwege - Landgard, Deutschlands führender Vermarkter von Blumen und Pflanzen, will in Westerstede ein neues Logistikzentrum errichten. Die Ratsmitglieder der Stadt Westerstede haben nun offensichtlich die Weichen für den Neubau gestellt.
Landgard plane in Hollwege an der Norderbäke direkt an der Autobahn A28 in der Nähe der Autobahnauffahrt „Westerstede-West“ auf einer Fläche von rund 10 ha ein neues Logistikzentrum zu errichten, berichtet die Online-Ausgabe der Nordwest-Zeitung. Bis zu 200 Mitarbeiter sollen in dem neuen Logistikzentrum beschäftigt werden. Die Stadt sei mit den Repräsentanten des Unternehmens schon seit mehreren Monaten im Gespräch und auch die Politik sei bereits informiert worden.
Bedenken gegen die Ansiedlung äußerten erneut die Grünen, 10 ha zu versiegeln sei ein unvorstellbarer Eingriff in die Natur. Zugleich hätte man aber auch Sorge um den Hochwasserschutz in dieser Region, die als Überschwemmungsfläche wichtige Aufgaben erfüllen sollte, so Ratsherr Jochen Gertjejanßen von den Grünen. Im vergangenen Herbst hatte der Landkreis Ammerland festgestellt, dass das Gebiet südlich der A28 ein schützenswerter Naturraum ist und gleichzeitig einen wichtigen Überschwemmungsraum für Hochwassersituationen darstellt.
Im Internet macht die Ratsfraktion der Grünen noch einmal deutlich, dass man keinesfalls grundsätzlich Ansiedlungen und Investitionen der Baumschulwirtschaft ablehne. Allerdings lehne man die bisherige Planung der Firma Landgard für ein riesiges Logistikzentrum in der Hollweger Bäkenniederung in der Tat ab.
Die Grünen argumentieren mit einer „nicht zukunftsfähige Verkehrsanbindung“. Wesentliches Ablehnungskriterium für die Grünen ist dabei die Tatsache, dass das geplante Logistikzentrum keinen Gleisanschluss habe. Zusätzlich problematisch sei, dass ein neues Transport-Logistikzentrum der Baumschulindustrie für die Zukunft geplant werde, ohne dass durch eine Planung an einem Gleisanschluss wenigstens die Option einer zukunftsfähigen Weiterentwicklung der Logistikkette ermöglicht werde.
Angesichts immer stärker steigender Transportkosten dürfe die langfristige Tragfähigkeit dieses Konzeptes arg bezweifelt werden. Ein Logistikzentrum, welches nicht einmal potentiell einen Gleisanschluss hat, stelle für die Grünen keine zukunftsfähige Planung dar. Trotzdem habe der Bauausschuss des Westersteder Rates jetzt den Startschuss zur Überbauung der Landfläche gegeben.
Auch wenn zur Zeit der Pflanzentransport überwiegend auf der Straße erledigt würde, sei man der Meinung, dass sich das bei stark steigenden Treibstoffpreisen wie im vergangenen Jahr sehr schnell ändern könnte. Ein Logistikbetrieb, der keine Chance habe darauf zu reagieren, riskiere schon mittelfristig seine Existenz. Der Stadt bliebe dann nur eine unbrauchbare versiegelte Fläche zurück. Deswegen fordere man von der Stadt und dem Investor Landgard, die Planung zu überarbeiten und entweder direkt an der Bahnlinie in Ocholt oder wenigstens im Gewerbegebiet Burgforde eine neue Planung vorzulegen. Im Gewerbegebiet Burgforde lägen immerhin noch Schienen, die wieder reaktiviert werden könnten.
Laut Hermann Rust von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) könne von 200 neuen Arbeitsplätzen gar keine Rede sein. Die würden sicherlich nach dem Vorbild von Edeka lediglich verlegt. Auch landschaftlich hielte er eine Ansiedlung Landgards für unvertretbar. „Wir wissen ja nicht, wie lange die bleiben“, zitiert die Nordwest-Zeitung Rust.
CDU, SPD und FDP hingegen hätten den Plänen im Rat zugestimmt. „Sicherlich laute die Devise nicht Wachstum und Arbeit um jeden Preis.“, sagte Heino Hinrichs von der SPD. Doch der Standort sei für ein solches Unternehmen richtig. Ratsherr Markus Schneider von der CDU sagte, dass sich am Beispiel Landgard zeige, dass die Autobahnnähe für große Firmen doch ein wesentliches Argument darstelle.
Bündnis 90/Die Grünen kündigte bereits an, man werde die Entscheidung nicht mittragen. Stattdessen wolle man versuchen, den Widerstand gegen die Planungen in Hollwege hoch zu halten, um konstruktiv zukunftsweisende Alternativen, die der hiesigen Baumschulwirtschaft wirklich eine Perspektive bieten, zu ermöglichen.
Die Online-Ausgabe der Nordwest-Zeitung berichtet, dass Landgard nach eigenen Angaben plane, die Logistikbereiche für die Blumenvermarktung von Wiesmoor und den Baumschulwarenumschlag von Torsholt in das geplante Logistikzentrum zu verlegen. Demnach sollen offensichtlich an dem neuen Standort an der Autobahn die Logistikbereiche der Landgard Niederlassung in Westerstede-Torsholt sowie der am gleichen Standort beheimateten Eurogarden Attractive Garden Plants GmbH mit dem Logistikbereich der Nordwest-Blumen Wiesmoor GmbH zusammengelegt werden. Eine konkrete Entscheidung stehe aber noch aus.
Landgard ist seit Januar 2007 mit einer Niederlassung in Westerstede vertreten (GABOT berichtete). Landgard hatte damals die Gelegenheit wahrgenommen, Teilbereiche aus dem in der Insolvenz befindlichen Baumschulbetrieb Uwe Marken in Westerstede zu übernehmen. Dazu gehörten eine 3.000 qm große Halle mit 6 Rampen und ein modernes Bürogebäude. Landgard sah in dieser Maßnahme eine wesentliche strategische Neuausrichtung des Unternehmens in Norddeutschland.
Die Landgard eG mit Sitz in Straelen ist Deutschlands führende Erzeuger- und Vermarktungsorganisation für Gartenbauprodukte und Marktführer bei Blumen, Zierpflanzen, Obst und Gemüse. Aktuell sind rund 3.000 Mitgliedsbetriebe in der eG zusammengeschlossen. Diese Gartenbaubetriebe liefern ihre Produktion bei den operativen Gesellschaften Landgard Blumen & Pflanzen GmbH und Landgard Obst & Gemüse GmbH & Co. KG an. Landgard erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2008 einen Jahresumsatz von rund 1,26 Mrd. Euro, davon entfielen rund 946 Mio. Euro auf Blumen und Pflanzen. Landgard beschäftigt an über 40 Standorten rund 2.500 Mitarbeiter.
Entstanden ist die Landgard eG im Jahre 2005 durch die Fusion der Firmen Azalerika eG, EVS eG, Niederrheinische Blumenvermarktung eG, Fleurfrisch Vertrieb eG, Nordwest-Blumen Wiesmoor Gartenbaugenossenschaft eG und der Centralmarkt Rheinland eG.

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