IVA: Düngemittel-Industrie braucht bezahlbare Energie

Die deutsche und europäische Düngemittel-Industrie steht angesichts der rekordhohen Energie- und insbesondere Gaspreise vor einer existenzbedrohenden Herausforderung.

Die Düngemittel-Industrie stellt lebenswichtige Nährstoffe für den Pflanzenbau und damit letztlich für die Lebensmittelkette bereit. Bild: GABOT.

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Zur Lage der energieintensiven Düngemittel-Industrie vor dem Hintergrund der jetzt  vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Absatzeinbrüche im ersten Halbjahr 2022 und den politischen Debatten auf europäischer und nationaler Ebene zur Unterstützung in der aktuellen Energiekrise erklärt der Leiter Pflanzenernährung und Biostimulanzien im Industrieverband Agrar e. V. (IVA), Dr. Sven Hartmann:

„Die deutsche und europäische Düngemittel-Industrie steht angesichts der rekordhohen Energie- und insbesondere Gaspreise vor einer existenzbedrohenden Herausforderung – mit absehbaren negativen Folgen für die gesamte Gesellschaft. Als besonders energieintensive Branche, die Erdgas nicht nur als Energieträger, sondern auch als wichtigen Rohstoff einsetzt, ist sie den Kostensteigerungen und dem Wettbewerbsdruck durch Importe aus energiebegünstigten Regionen besonders stark ausgesetzt. Die jüngsten Zahlen belegen, dass die Nachfrage über alle Nährstoffe hinweg vor allem aufgrund der hohen Preise massiv eingebrochen ist. Das Überleben der Branche kann deshalb kurz- und mittelfristig nur gesichert werden, wenn die Gasversorgung zu global wettbewerbsfähigen Preisen gesichert ist."

Die Gasumlage für die Industrie dürfe nicht erhoben werden, da sie zu Mehrbelastungen in Millionenhöhe führt. Stattdessen sollte die Gasumlage aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Außerdem müssten neben der EU-Strompreisbremse auch die äußerst hohen und sehr volatilen Gaspreise in Europa gesenkt und gedeckelt werden. Drittens sei es dringend notwendig, die weitere Entlastung und finanzielle Unterstützung der betroffenen Unternehmen sicherzustellen. Das Energiekostendämpfungsprogramm müsse angepasst und das angekündigte „Programm für Energieintensive Unternehmen" schnell ausgestaltet werden, damit sie schnellstmöglich in Anspruch genommen werden können. „Für die notleidenden Unternehmen ist es bereits 5 vor 12", so Hartmann.

Die Düngemittel-Industrie stellt lebenswichtige Nährstoffe für den Pflanzenbau und damit letztlich für die Lebensmittelkette bereit. Importe aus dem außereuropäischen Ausland können die Versorgung der heimischen Landwirtschaft nicht dauerhaft sichern. Man dürfe sich hier nicht in neue Abhängigkeiten begeben. Zudem liefere die Düngemittel-Industrie auch Vorprodukte für zahlreiche weitere Wertschöpfungsketten. Ob Versorgung der Getränke-Industrie und anderer Sektoren mit CO2, Harnstoff für AdBlue oder den Kunststoffsektor, Stickstoffverbindungen und Kali-Salze für die pharmazeutische Industrie und vieles mehr – die Düngemittel-Industrie ist essenzieller Baustein der wirtschaftlichen Wertschöpfung.

„Das Überleben der Branche sichert nicht nur zahlreiche hochwertige Arbeitsplätze, insbesondere in strukturschwachen Regionen, sondern sorgt auch für eine zuverlässige Versorgung von branchenübergreifend benötigten Produkten wie Ammoniak, CO2 oder Harnstoff. Auch die begonnene Transformation hin zu einer Treibhausgas-neutralen Produktion ist ein wichtiger Hebel bei der Erreichung der gewünschten Klimaziele. Die dafür notwendigen Investitionen können nur gestemmt werden, wenn die Branche im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Dafür braucht es die richtigen Rahmenbedingungen – heute zwingender denn je", so Hartmann. (IVA)

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