Im Interview: Wolfgang Kautz

Seit 1972 züchtet und vermehrt Wolfgang Kautz Rittersporn. Für sein Sortiment – das bei der Hallenschau auch Paeonien umfasst – erhielt er eine Große Goldmedaille. Ein Gespräch über seinen Lehrmeister Karl Foerster und das Leben mit der Diva unter den Stauden.

Rittersporn 'Morgentau'. Bild: DBG.

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Herr Kautz, erzählen Sie uns von den Anfängen: Karl Foerster hat Sie zum Rittersporn gebracht?

Wir wohnten seit 1968 bei Karl Foerster, und ich brachte ihn jeden Abend ins Bett, wenn kein anderer da war. Wir haben dann immer zwei bis drei Stunden gefachsimpelt. Er schlug vor: „mach doch Rittersporn“. Aber ich war ein Flüchtlingskind aus Schlesien - woher sollte ich Land nehmen? Ich bekam keins! Lange bin ich mit meinen Pflanzen umhergezogen, habe sogar mal zwischen Kirschbäumen angebaut. Durch die vielen Umzüge gab es Rückschläge. Aber dann ist der Rittersporn mein Markenzeichen geworden.

Sie haben auch heute noch Sorten von Karl Foerster?

Manche lassen inzwischen in ihrer Leistungsfähigkeit nach. Aber ich habe zum Beispiel noch 'Morgentau' und 'Jubelruf'. Zur Sorte 'Schildknappe', die bei der Hallenschau zu sehen ist, gibt es eine besondere Geschichte: Karl Foerster hat sie gezüchtet, dann aber an die Gräfin von Zeppelin aus Laufen verkauft. Sie galt als „Foerstersorte West“. Als ich mal Pflanzen nach Laufen geliefert habe, habe ich mir drei Pflanzen mit zurückgenommen, reimportiert.

Sie züchten auch selber?

Ich mache Sämlingsauslesen. Da sind oft ganz tolle Pflanzen dabei. 'Augenweide' war die erste Sorte, die ich gezüchtet habe, 1978. Hellblau mit rosa Einschlag, sehr robust – sie gilt als eine der gesündesten Sorten. 'Bunzlau' habe aus 'Atlantis' ausgelesen, als die Sorte in ein Steingutblau zurückgesportet ist. 'Bunzlau' ist locker und luftig und wirkt gut als Schnittblume. In der Wohnung kommt das Blau besser zur Geltung als das dunkle von 'Atlantis'. 'Gücksfund' hat sehr kurze Blütenrispen, die sich für Tischsträuße eignen. So etwas ist für Floristen wichtig.

'Glücksfund' ist eine von vielen Sorten, die Sie im Karl-Foerster-Garten im egapark gepflanzt haben…

Für die Pflanzung habe ich sogar Mist aus Potsdam mitgebracht, denn die Böden waren schlecht. Der Rittersporn ist eine Diva, er ist empfindlich und wählerisch. In Erfurt hatte er trotz allem einen schlechten Start. Nach dem Pflanzen im April gab es in Erfurt noch drei Mal Bodenfrost mit Minusgraden, auch die Bodentemperatur zum Anwachsen war gar nicht gegeben.

Inzwischen blühen die Pflanzen schön in den Beeten. Genau wie die geschnittenen Rittersporne der Hallenschau.

Die meisten Rittersporne sind aber jetzt, zur Zeit der Schau, bei mir in Bornim schon verblüht. Ich hätte gerne 'Glücksfund' oder 'Nachtwandler' hingestellt. 'Völkerfriede' war noch reichlich da, und 'Ballkleid' - bei dem hellen Blau denkt man an ein 16-jähriges blondes Mädchen mit einem Taftkleid! Rittersporne rieseln, wenn sie trocken werden. Aber als sich mal jemand darüber beschwert hat, hat Foerster gesagt: „Rittersporn hält länger aus als Sie im Konzert.“ Drei Tage hält er in der Vase, das schaffen Sie mit keinem Konzert!

Was bedeutet Ihnen die Große Goldmedaille?

Ich nehme seit den 1990er Jahren an Bundesgartenschauen teil und habe schon Medaillen gewonnen. Einen Preis habe ich jetzt gar nicht erwartet - das ist ein schöner krönender Abschluss. Wenn ich so in meiner Einsamkeit über den Acker gekrochen bin, dachte ich oft: ach, wenn ich doch mal ein Goldstück finden würde! Jetzt habe ich für mein mühsames Rumkriechen doch noch ein großes Gold bekommen. (BUGA)

Vielen Dank!

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