Im Interview: Manfred Entemann

Hosta-Experte Manfred Entemann ist Gartenschau-Veteran. Für seine informative Ausstellung bei der 8. Hallenschau erhielt der Garten- und Landschaftsbauer aus Teltow eine Große Goldmedaille. Ein Gespräch über die „Olympischen Spiele der Gärtner“, die Züchtungsarbeit und natürlich seine Funkien.

Hosta-Experte Manfred Entemann erhielt eine Große Goldmedaille auf der BUGA in Erfurt. Bild: DBG.

Anzeige

Herr Entemann, Sie nehmen bereits seit vielen Jahren an Gartenschauen teil, in Freiland und Halle. Sie haben schon viele Preise erhalten. Freuten Sie sich noch über eine Große Goldmedaille?

Eine Große Goldmedaille ist schon etwas Besonderes. Bundesgartenschauen sind die Olympischen Spiele der Gärtner, Medaillen gehören dazu. Kaum einer macht nur mit, um dabei zu sein, jeder will auch auf dem Treppchen stehen. Eine Medaille ist eine Anerkennung für das, was man geleistet hat. Man tritt gegeneinander an, der Preis ist die Belohnung. Und die Werbewirkung nehme ich natürlich gerne mit. Auch wenn Hosta für mich eher Liebhaberei sind neben meinem Betrieb.

Wie kam es zu Ihrer Leidenschaft für Funkien?

2001 habe ich mit den Hosta angefangen. Natürlich hatte ich die Staude auch vorher schon verwendet, aber eher die üblichen Sorten wie 'Frances Williams'. Los ging es dann, als ich bei der Bundesgartenschau in Potsdam 2001 in einer Schattenpflanzung 'Sum and Substance' gesehen habe. Die hat mich fasziniert mit ihrem hellen, riesenhaften Blatt. Nach der Schau durfte ich sie mitnehmen. Wegen der Wühlmäuse musste ich sie zu Hause in einen Kübel setzen, das gefiel der Pflanze gut. Es kamen ein, zwei weitere dazu und Ratzfatz ist eine Sammlung daraus geworden. Das macht eine große Freude.

Bei der Hallenschau zeigen Sie ganz unterschiedliche Hosta von Züchtern aus Europa, aber auch den USA. Wie viele Pflanzen haben Sie in Ihrer Sammlung?

Ungefähr 2000, davon stelle ich hier 74 aus. Ich finde es wichtig, sie zu zeigen. Wer züchtet und gezüchtet hat, welche Ziele dahinterstecken. Zu Hause nenne ich meine Sammlung „Museum“.

Züchten Sie auch selber?

Ich habe meine Teltow-Linie, zum Beispiel 'Teltow Lemon Fountain' oder 'Teltow Yellow Explosion'. Meist habe ich aber nur ein Exemplar davon. Bei mir züchten die Bienen und Hummeln, ich selektiere dann die Sämlinge.

Welche Kriterien haben Sie beim Selektieren?

Schöne feste Blätter, die nicht labberig sind. Eine schöne Blattform und Struktur, aber einfarbig! Gelb, Lemon, tiefes Dunkelgrün wie bei meiner 'Teltow Lance Black'. Streaker mit unregelmäßigen Streifen interessieren mich zum Beispiel nicht, die sind mir zu bunt. Aber farbige Blattstiele dagegen schon. Ich habe auch mein Heideturm-Projekt.

Was ist das?

Der 'Heideturm' ist eine Hosta-Sorte von Ullrich Fischer mit Blütenstielen, die bis zu zwei Meter hoch werden. Davon habe ich Samen genommen und hatte 2000 Sämlinge. Aus denen selektiere ich Pflanzen mit hohen Blattstielen und gelben oder blauen Blättern.

Wie lange brauchen Sie, um herauszufinden, ob eine vielversprechende Hosta dabei ist?

Fünf bis acht Jahre, dann weiß ich, ob eine Sorte spektakulär ist. Und dann muss ich sie noch bei der American Hosta Society anmelden, die die Sortenanmeldungen weltweit bündelt.

Alle Ihre Funkien wachsen in Kübeln?

Ja, und die älteste ist jetzt 20 Jahre alt! So sind die Pflanzen beweglich, das finde ich wichtig, auch für Gartenbesitzer. Man kann immer mal ein neues Bild damit schaffen. Und sie sind weniger anfällig für Schnecken. Die müssen erstmal durch den „Burggraben“, das Wasser im Untersetzer.

Brauchen die Pflanzen im Topf besondere Pflege?

Hosta sind sehr anspruchslos, benötigen sandiges, leicht humoses Substrat mit etwas Struktur, zum Beispiel Blähton. Im Winter dürfen sie nicht zu nass stehen, sonst faulen sie. Ich gebe nur wenig Dünger, einen Langzeitvolldünger.

Diese Hallenschau widmet sich dem Gärtnern und der Kultivierung von Pflanzen. Was bedeutet „Gärtnern“ für Sie?

Gärtnern ist für mich die Essenz von allem. Mein Herzblut. Ich komme aus einem gärtnerischen Haushalt. Mein Vater war Friedhofsgärtner, meine Mutter war jeden Tag im Garten. Ich bin ausgebildeter Landschaftsgärtner, im Herzen aber immer noch der Töpfchengärtner – das Eigentliche ist für mich der Umgang mit der Pflanze. Mit meinem Betrieb decke ich zwar das ganze Spektrum ab, aber in mir drin ist der Gärtner, der sät, topft und pflegt. (BUGA)

Vielen Dank!

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.