Blütenfülle auf dem Grab: Ein Fest für Insekten

Aus einer gepflegten Grabstätte kann auch eine nachhaltige Nahrungsquelle für Honig- und Wildbienen, Hummeln und andere Insekten werden.

Üppig bepflanzte Gemeinschaftsgrabanlage in Geretsried. Ein Blütenmeer für Menschen und Insekten. Bild: TBF.

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Der Frühsommer ist da und damit eine neue Blütenwelle auf den Friedhöfen in Bayern. Doch nicht nur die Angehörigen sind Nutznießer dieser Blütenpracht, auch die Insekten sollen reichlich Nahrung vorfinden. So wird aus einer gepflegten Grabstätte eine nachhaltige Nahrungsquelle für Honig- und Wildbienen, Hummeln und andere Insekten.

Wer die auch für uns Menschen ungemein wichtigen Insekten unterstützen möchte, kann in den Gärtnereien aus nektar- und pollenreichen Pflanzen auswählen. Dafür kommen nicht nur Beet- und Balkonpflanzen, sondern auch Stauden und Gehölze infrage. Die Experten der gartenbaulichen Versuchsanstalten, wie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim, haben bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass vor allem durch eine Kombination verschiedener blütenreicher Pflanzen die Ernährung verschiedener Insekten gesichert und zugleich die Biodiversität gefördert werden kann. Denn unterschiedliche Blüten locken auch unterschiedliche Insekten an, nicht nur auf dem heimischen Balkon, sondern eben auch auf Omas Grab.

So haben sich beispielsweise die Fächerblume (Scaevola), der Zauberschnee (Euphorbia), der Zweizahn (Bidens) oder die Strohblume (Bracteantha) in den Versuchen als echte Insektenmagnete erwiesen. Interessant war auch, dass beim Zweizahn vor allem die weiß- und rosablühenden Sorten Insekten anlockten und diese Blütenfarben mehr besucht wurden als die rot-gelben oder gar rein gelben Bidens-Blüten. Aber auch Kräuter, wie Salbei oder Lavendel, die gerne als Strukturpflanze auf dem Grab verwendet werden, tragen dazu bei, dass ein Grab bienenfreundlich bepflanzt ist.

Lebenswichtig für alle Insekten ist zudem eine Blüten- Konstanz vom Frühjahr bis in den späten Herbst. Wer nach dem Sommerflor das Grab seiner Angehörigen neu bepflanzt, der sollte deshalb auch im Herbst auf Blütenschmuck achten und Pflanzen wie Glockenheide (Erica), Christrose (Helleborus), Funkie (Hosta) oder Herbstaster auswählen. Sie bieten auch noch spät im Jahr ein ausreichendes Futterangebot.

Ein großer Teil der Pflanzen, die Friedhofsgärtner auf die Gräber in Bayern pflanzen, tragen zur ökologischen Vielfalt auf Friedhöfen bei. Besonders gut umgesetzt wird dies vor allem auch bei Gemeinschaftsgrabanlagen – modernen, parkartig gestalteten Anlagen, die durch ihre zusammenhängenden Flächen noch mehr Möglichkeiten für eine abwechslungsreiche Pflanzung bieten. Auch wenn es vielen Hinterbliebenen wichtig ist, ein individuell gestaltetes Grab für die Trauerarbeit aufzusuchen, können oder wollen sie die Grabpflege oftmals nicht selbst übernehmen. Für diese Fälle eignen sich sogenannte Gemeinschaftsgrabanlagen oder Ruhegemeinschaften. Die bayernweit ganz unterschiedlich gestalteten Grabstätten, werden von Friedhofsgärtnern mit verschiedenen Gehölzen, Stauden und saisonalen Blühpflanzen angelegt und gepflegt. Das ist möglich, da hier beim Erwerb einer Grabstelle ein Dauergrabpflegevertrag mit abgeschlossen wird. Um die Grabpflege müssen sich die Hinterbliebenen dann nicht mehr kümmern und finden dennoch bei einem Besuch eine üppig bepflanzte Grabstätte, mit eigenem Grabstein oder mit Gemeinschaftsstele vor. Die Anlagen bieten die Möglichkeit, für die Trauerarbeit wichtige, persönliche Mitbringsel oder Blumen abzulegen.

Die Friedhofsgärtner setzen sich dafür ein, dass unsere Friedhöfe nicht nur Orte der Trauer, sondern auch lebendigen Oasen für Mensch und Tier werden. So bieten sie ein Umfeld für die notwendigen Momente der Trauerarbeit und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für die Umwelt. (TBF)

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