BHB: Bau- und Gartenfachmärkte sicherste Einkaufmöglichkeit

Mit der aktuellen Änderung des Infektionsschutzgesetztes wollte die Politik den vielerorts entstandenen Verordnungs- und Verbotswust aufräumen – doch dies gelingt offenbar nicht in erhofftem Maße.

Das Hinweisschild ist kostenlos unter www.mitabstand-gruen.de downloadbar. Bild: ZVG/BVE.

Anzeige

Die aktuelle politische Diskussion um Systemrelevanz und notwendige Öffnung von Bau-und Gartenfachmärkten vernachlässigt zudem eine Reihe von Sachargumenten, die auch auf neuesten epidemiologischen Fakten basieren.

Diese in Kürze zusammengefasst:

- Die Infektionswahrscheinlichkeit im Baumarkt tendiert gegen Null: Das Max-Planck-Institut (MPI)um Prof. Bodenschatz (Mitglied Leopoldina) und Dr. Priesemann hat umfangreiche Analysen der Bau-und Gartenfachmärkte durchgeführt. Ergebnis: Dort ist eine Ansteckung höchst unwahrscheinlich. Prof. Dr. Kai Nagel (TU Berlin) bestätigt diese Aussage. Beide Analysen haben bereits die Effekte durch die Mutationen eingebaut.

- Die Infektionsrate bei Mitarbeitern liegt mit 0,3% deutlich unter dem Durchschnitt in Deutschland. Dies belegen interne Auswertungen der Baumärkte (die Quoten liegen auch unter denen des Lebensmittelhandels).

- Baumärkte sind KEINE üblichen Einzelhandelsstandorte: Die Fläche liegt mit 7.500 qm deutlich über dem Durchschnitt des Handels; zudem besteht fast die Hälfte davon (44%) aus Freifläche und/oder unbeheiztem Gewächshaus/Gartencenter mit durchgängiger Frischluftzufuhr. Die Anreise erfolgt zu über 90% individuell im Kfzoder Fahrrad.

- Kontakt-und Ausgangssperren erfordern Akzeptanz und sind nur dann erfolgreich, wenn Menschen sich Zuhause wohl fühlen und sich mit Reparaturen und Verschönerungsarbeiten (z.B. Farbe und Pflanze) beschäftigen können. Familien und Kinder kommen so besser durch die Zeit der Beschränkungen.Eine tiefenpsychologische Studie des renommierten rheingold Institutes belegt, dass Menschen Heimwerken und Gartenarbeit als tröstlich und aufbauend in einer ansonsten bedrückenden Pandemie-Situation empfinden und die Möglichkeit, sich dazu mit notwendigen Produkten zu versorgen, explizit einfordern.

- Viele notwendige Reparaturen und Wartungen sind nur mit Material aus dem Baumarkt möglich. Handwerker als Alternative sind überlastet,zu teuer oder vermeiden Kleinreparaturen bei Privataufträgen

- Sicherheitskonzepte sind bereits 2020 auf Level „Sicherheits-Weltmeister“ mit Zustimmung aller Ordnungsämter. Wieder-Öffnungen abgestuft mit schärferen Regeln als Branchenselbstverpflichtung (s. Re-Opening weiter unten).

Weitere Fakten im Detail:

(1)MPI bestätigt wissenschaftlich: Infektionennicht im Baumarkt

- Ein durchschnittlicher Baumarkt hat in Deutschland eine Verkaufsfläche von 7.500 qm, wovon i.d.R. rund 3.300qm Freifläche (=draußen, also Frischluft) und Gartencenter (=Gewächshaus mit Frischluft) ausmachen. Alle Bauten weisen eine spezielle Raumkubatur mit einem sehr hohen Raumvolumen (Deckenhöhen von 7 bis 14 Metern) auf. Durch die Eingangsschleusen und die internen Verbindungen zur Freifläche und zum Gartengewächshaus findet ein beständiger Luftaustausch statt. Selbst ohne Lüftungsanlagen erfolgt deshalb der Luftaustausch mindestens viermal pro Stunde. Dies entspricht den Anforderungen eines Krankenhauses. Neuere Baumärkte sind zudem mit modernen RLT-Anlagen ausgestattet.

- Prof. Eberhard Bodenschatz, Geschäftsführerdes Max-Planck-Instituts, Mitglied des Beratergremiums Corona der Bundesregierung (sowie Mitglied der Leopoldina) hat für den für einen Baumarktbetreiber die Infektionsmöglichkeit im Baumarkt abgeschätzt. Dies bestätigt, dass aufgrund der Besonderheit der Räumlichkeiten, die es in keinem anderen Handelsformat so gibt, eine Infektionsmöglichkeit „nahezu ausgeschlossen“ ist. Auch Prof. Dr. Kai Nagel (TU Berlin) bestätigt diese Aussage mit den Worten: „Große Kaufhäuser zum Beispiel müssten nicht geschlossen sein.“ Beide Analysen berücksichtigen bereits die Virus-Mutationen. Eine neue Feldstudie von Prof. Bodenschatz aus März 2021 steht kurz vor dem Abschluss.

Diese Erkenntnis entspricht auch den praktischen Erfahrungswerten. Eine bundesweite Erhebung in der Branche hat einen Wert von 0,3% Infektionen bei Mitarbeitern ermittelt. Dieser liegt deutlich unter dem Durchschnitt in Deutschland von 2,5% (Mitte Januar2021).

(2)Sichere Mobilitätrund um Bau-und Gartenfachmärkte

• Ein Ziel der aktuellen Maßnahmen ist die Verringerung der Mobilität. Baumärkte funktionieren über Zielkäufe mit gezielter Mobilität und relativ hohen Durchschnitts-Warenkörben. Zur Erklärung: Der gesamte Einzelhandel hat 2019 rund 522 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet, davon entfallen rund 3,7% (19,46Mrd. Euro) auf den Baumarkt. Bei den Kaufvorgängen hat der Baumarkt bezogen auf den gesamten Handel einen noch geringeren Anteil von nur 0,5%, da gezielt und eben deutlich mehr als im Durchschnitt eingekauft wird (Berechnung auf Grundlage von Statista-Daten)

• Baumärkte werden fast ausschließlich (gut 91%) mit dem PKW (oder Transporter oder Fahrrad) angefahren und nicht mit dem ÖPNV. Es handelt sich also um eine risikofreie Mobilität ohne Fremdkontakte.

(3)Sinnvolle und motivierende Beschäftigung der Bevölkerung im Lockdown

• Der aktuelle Lockdown wird erfolgreicher, je mehr Menschen die Einschränkungen respektieren. Dies ist nicht nur als Gegenmittel für die allgemeine Stimmungseintrübung, sondern für das Wohl der Kinder und gegen häusliche Gewalt wichtig –hier haben alle Arten des Renovierens, Gestaltens, Bastelns, Verschönerns inklusive aller Garten-und Balkonarbeiten positiven Einfluss. Durch den Einkauf im Baumarkt verbringen die Menschen mehr Zeit Zuhause und fühlen sich zudem auch noch wohl dabei. Das Arbeiten an den Projekten erhöht die Resilienz der Menschen, die in der Folge die Einschränkungen leichter ertragen.Ein durchschnittlicher Einkauf im Baumarkt dauert max. 30Minuten. Im Allgemeinen kommen 92% mit max. 2 Personen (39% mit 1 Person) zum Einkaufen in den Betrieb vor Ort. Unter Corona-Sicherheitsbedingungen wird die Branche sog. Familienbesuche unterbinden (mit Ausnahmen z.B. Mutter oder Vater mit Kind). Danach sind die Menschen oft mehrere Tage Zuhause beschäftigt. Wer sich zuhause oder im Garten beschäftigt, steckt auch niemanden an. Das ist bei anderen Handelsformen nicht der Fall.

Wie wichtig diese Tatsache im Zuge der allgemeinen gedrückten Stimmungslage ist, sagt eine aktuelle Studie (März 2021) des renommierten rheingold institutes (Köln).Sie belegt unmittelbar die enorme Bedeutung der Do-it-yourself-/Gartenarbeit auf die Psyche des Menschen. Das Zitat eines Probanden steht hier symptomatisch: „Heimwerkerausrüstung ist doch Menschenrecht. Ich bin doch kein Tier, was vom Supermarkt nur gefüttert werden muss“.

Durch die Beschäftigung mit dem eigenen Zuhause (explizit ist hier der Garten eingeschlossen) könnten die Menschen Kraft und Resilienz wiederherstellen, gedanklich aus der Perspektivlosigkeit der Pandemie flüchten und Wirksamkeit erfahren (die kann beim BHB bzw. rheingold-Institut angefordert werden).

• Für dringende Reparaturen wird Click & Collect als Lösung dargestellt, allerdings reicht dies nicht aus. Aufgrund der Produktvielfalt muss die Auswahl häufig vor Ort erfolgen. Handwerker sind zudem nicht verfügbar, überlastet und/oder wollen keine Kleinreparaturen durchführen. Viele Menschen können sich zudem teure Handwerker nicht leisten. Derzeit läuft die Gartensaison auf Hochtouren.Die dann nachgefragten Mengen und Produkte sind keinesfalls online oder per Click & Collect zu schaffen.

Baumärkte sind in vielen Produktbereichen Grundversorger. Das gilt mit spätem Frühlingsbeginn derzeit noch für Brennstoffe, Heizlüfter etc.. Die Reparatursortimente in den Feldern Sanitär (Wasser/Toilette), Elektro (Sicherungen/Licht/Kühlung), Baustoffe (Reparaturen an Haus und Wohnung), Sicherheit (Einbruchschutz) sowie Entwässerung und Abdichtung werden täglich und dann unverzüglich von Menschen benötigt.

Zeitdruck: Der Erwerb von vielen Baumarktartikeln (z.B. Baustoffe, Fliesen, Keramik, Rohre, Elektro etc.) ist essenziell für private Bauherren, die sich mitten im Bau ihres Eigenheims befinden sowie für alle Privatkunden, die umziehen und deshalb renovieren müssen. Diese Artikel sind nicht in anderen Geschäften erhältlich und können oftmals auch nicht online bestellt werden. Zudem werden sie oft aufgrund von Fristen (z.B. Kündigungsfristen Mietvertrag, Baufortschritt etc.) dringend benötigt.

Baumarkt-Sortimente werden gerade aktuell auch stark von Institutionen, wie Schulen, Behörden, Krankenhäusern oder Arztpraxen, angefragt, die für die Aufrechterhaltung und/oder Vorbereitung der Schutzmaßnahmenständig sicherheitsrelevante Produkte benötigen. Absperr-und Klebebänder, Plexiglasscheiben und Abstandshalter und viele andere Produkte werden üblicherweise in Baumärkten erworben.

(4)Selbstverpflichtung: Strenge Auflagen als Öffnungsszenario (Re-Opening)

• Im Frühjahr 2020 haben die Bau-und Gartenfachmärkte lange vor dem Erlass von gesetzlichen Regelungen (und lange vor den Super-und Drogeriemärkten) umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen installiert. Die Maßzahl von „1 Kunde auf 40 qm Verkaufsfläche“ (inklusive Freigelände und Gartengewächshaus) wurde umgesetzt und auch durch Kontrollen eingehalten. Die medial bekannt gewordenen Warteschlangen auf den Parkplätzen sind durch die Einhaltung dieser Zugangskontrollen entstanden. Die Koordination der Abstände in den Warteschlangen ist Teil des Massnahmenpakets. Die Abstandsregeln der Kassenschlangen und die Abstände bei Beratungsgesprächen wurden ebenso eingehalten wie das kontaktlose Bezahlen.

Desinfektionsstationen im Eingang, bei den Einkaufswagen und auch im Personalbereich sind üblich und die AHA-L-Regeln werden durch Ladendurchsagen ständig wiederholt. Ausschilderungen zu Hygienemaßnahmen erfolgen im Kundenbereich sowie in den Personalräumen.

• Baumärkte und Gartencenter weisen explizit auf die Vermeidung von Familieneinkäufen hin (mit Ausnahmen z.B. Mutter oder Vater mit Kind). Damit werden „Ausflüge“unterbunden und die Verweilzeit im Geschäft reduziert. Zudem werden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen intensiv in allen Sicherheitsmaßnahmen geschult.

Alle diese Maßnahmen sind derzeit noch oder wieder aktiv bzw. können vollumfänglich in wenigen Tagen wieder hochgefahren werden.

Zusätzliche Schritte als Ergänzung und Selbstverpflichtung der Branche:

• Medizinische Masken für alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt

• Koordination der Zufahrten/Parkplätze und der Warteschlagen im Rahmen der Hygienevorschriften

• Entzerrung der Kundenströme durch lange Öffnungszeiten

• Verhinderung des Familieneinkaufs

• Schnelltests sind verfügbar, um bei Verdacht Mitarbeiter zu testen

5) Existenzgefährdung und Warenvernichtung im grünen Sortimentsbereich

Eine deutliche Problematik entsteht aktuell durch die existenzgefährdenden Effekte für die vielen mittelständischen Produzenten der Garten-und Baumarktbranche; aktuell nimmt die Gefährdung vor allem für die landwirtschaftlichen Gartenbaubetriebe zu.Die laufende Gartensaison bindet üblicherweise viele Menschen in den Gärten und auf den Balkonen. Die nachgefragten Mengen sind weder durch den Versand noch durch „Click & Collect“ umsetzbar. Eine allgemeine Öffnungserlaubnis für die Gartencenter und Gartenabteilungen wäre ein wichtiger Schritt, der zudem hauptsächlich Baukörper mit sehr, sehr viel Frischluft betrifft. Damit wird auch die Vernichtung vieler landwirtschaftlicher Produkte verhindert, für die es sonst keinen Absatzkanal geben wird. Und in der Folge mündet dieses in die Gefährdung der Existenz vieler mittelständischer Gartenbaubetriebe. (BHB)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.