Vorfreude: Die ersten heimischen Erdbeeren

Erdbeeren aus dem Ausland finden sich schon im Angebot, auch im Süden Deutschlands wurde die Saison bereits eröffnet, wenn auch rund eine Woche später als im Vorjahr (kältebedingt). Aber viele Verbraucher schwören nur auf die frischen Erdbeeren aus Schleswig-Holstein und haben gelernt zu warten.

Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer, isst die ersten Erdbeeren des Jahres am liebsten pur. Bild: Daniela Rixen, Landwirtschaftskammer.

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Das kühle Wetter hat die Früchte etwas verzögert heranreifen lassen und Corona die Erntebedingungen zusätzlich erschwert, doch jetzt ist es soweit: Trotz des kalten April werden jetzt Anfang Mai die ersten reifen Erdbeeren aus dem geschützten Anbau reif. Allerdings stehen bisher nur erste kleine Mengen der süßen Früchte zur Verfügung, da nur wenige Betriebe diese Art der kostenintensiven Verfrühung im Folientunnel nutzen. Das Gros der Erdbeererzeuger wird die Ernte wohl ab Mitte Mai vermarkten. Der Höhepunkt der Erdbeersaison aus dem Freiland ist dann ab Mitte Juni erreicht.

Noch immer steht die Saison stark unter dem Einfluss von Corona, allerdings haben die Betriebe anders als im Vorjahr schon ein Jahr Erfahrung mit der Pandemie und den geltenden Hygieneauflagen für die Pflücker. Jungpflanzen konnten ausreichend gepflanzt werden. Die Regelung zur kurzfristigen sozialversicherungsfreien Beschäftigung ist von 70 auf 102 Tage ausgeweitet worden, das stärkt die Arbeitskapazitäten beim Ernten, Sortieren und Vermarkten. Dadurch benötigen die Betriebe etwas weniger Saisonarbeitskräfte. Testpflicht und Arbeitsquarantäne gehören zum betrieblichen Alltag. Der Kosten- und Zeitaufwand ist für die Betriebe jedoch beachtlich, aber der Mühe wert, ist vonseiten der Erzeuger zu hören. Insgesamt blickt man zuversichtlich auf den Saisonstart und hofft, dass die Konsumenten auch weiter auf Regionales direkt vor der Haustür setzen.

Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer, freut sich auf das erste frische Beerenobst des Jahres: „Darauf habe ich gewartet, endlich wieder etwas Schönes in dieser Zeit. Heimische Erdbeeren in sämtlichen Variationen kann ich wirklich zu jeder Tages- und Nachtzeit genießen. Sie sind gesund und so lecker. Wegen Corona steht den regionalen Erzeugern wieder eine nicht einfache Saison bevor, umso mehr wünsche ich unseren Erdbeerbetrieben passendes Wetter, eine gute Ernte und Verkaufssaison, ausreichend gesunde Arbeitskräfte und natürlich faire Preise.“ Die Kammerpräsidentin rät Verbrauchern, beim Einkauf auf heimische Ware zu achten. Denn jede Kaufentscheidung für regionale, saisonale Produkte stärke die Erzeuger in der Region und schone die Umwelt durch kurze Transportwege. „Unsere regionalen Erdbeeren sind in Frische und Geschmack unschlagbar. Frische Erdbeeren gehören für mich zum Mai einfach dazu wie der hiesige Spargel und gute regionale Kartoffeln!“

Direktvermarktung und Erdbeerbude

Viele Erdbeererzeuger setzen in Schleswig-Holstein vor allem auf die Direktvermarktung: In Hofläden oder Verkaufsständen an verbrauchernahen Standorten oder auf dem Wochenmarkt bieten sie die Früchte pflückfrisch an. Gerade bei der Vermarktung vor Ort über die vielen attraktiven Verkaufsstände binden viele Betriebe Menschen aus der Bevölkerung ein. Das galt besonders im vergangenen Jahr, aber auch dieses Jahr wieder – die Hilfsbereitschaft ist enorm, und es gibt auch hier Zuverdienstmöglichkeiten bei Kurzarbeit. Die Betriebe setzen hierzulande nun noch mehr auf die Direktvermarktung, weniger auf den Absatz am Großmarkt. Es wird sogar ein kleiner Teil frisch für die Marmeladenproduktion der Schwartauer Werke gepflückt.

Besonders süße Früchte erwartet

Die Landwirtschaftskammer und der Obstbauversuchsring erwarten sehr guten Qualitäten an süßen Früchten. Der Winter ist spät gekommen. Mitte Februar wurde es mit -15 °C bitterkalt. Die Erdbeeren waren aber unter der vor Austrocknung schützenden Schneedecke gut geschützt. Es gab keine Winterfrostschäden. Ende Februar kam dann der Frühling mit Temperaturen über 20°C. Der März und April waren dann aber doch wieder recht kalt und feucht, sodass die Saison etwa eine Woche später als im Vorjahr beginnt. Während die jetzt blühenden Freilanderdbeeren durch die zuletzt niedrigen Temperaturen frostgefährdet waren, sind die Tunnelerdbeeren gut geschützt. Hier beginnt nun die Ernte. Die sonnenreichen Tage mit den kalten Nächten versprechen sehr gute Qualitäten und süße Früchte.

Anbau und Erntemenge in Schleswig-Holstein

Die Anbaufläche von Erdbeeren ist allerdings zuletzt etwas gesunken auf schätzungsweise rund 800 ha (-10%). Die Produzenten sind weiterhin bestrebt, die Arbeitsbedingungen für die Pflückkräfte zu verbessern und die Pflückleistung zu erhöhen. Damit können Arbeitskapazitäten eingespart werden, das ist nicht nur zu Zeiten der Corona-Pandemie sehr wichtig. In Schleswig-Holstein werden an die 10.000 t Erdbeeren produziert.

Rechtzeitig am Markt

Um rechtzeitig am Markt zu sein, verfrühen alle Erdbeerbetriebe in Schleswig-Holstein einen Teil ihres Erdbeeranbaues. In Schleswig-Holstein werden auf ca. 60 ha Folientunnel Erdbeeren angebaut, das entspricht ca. 7% der gesamten Erdbeeranbaufläche. Insgesamt verfrüht werden rund 30 % der Gesamtfläche. Die Zahl der Betriebe liegt bei rund 80. Die größten Flächen liegen in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, ca. ¼ der Fläche, sowie Plön und Ostholstein, ebenfalls rund ¼ der Fläche. Für die Ernte der etwa 800 ha werden rund 1.500 Erntehelfer benötigt. Gute Pflücker Ernten an die 15 kg süße Früchte in der Stunde. Im „geschützten“ Anbau kann das aber deutlich mehr sein. Es wird der Mindestlohn bezahlt mit Leistungsaufschlägen. Ob dieses Jahr ausreichend Arbeitskräfte zur Ernte auf die Betriebe kommen, ist noch offen. Dies ist zurzeit die größte Sorge der Erdbeerbauern. Zur Einhaltung der Corona-Auflagen ist in diesem Jahr kräftig investiert worden.

Infos zu Verfrühungstechniken und Erdbeersorten

Seit Jahren setzen die Erdbeerbetriebe im Land mit einer breiten Sortenvielfalt und verschiedenen Verfrühungs- und Verspätungstechniken auf eine lange Saison. Sie versuchen, sowohl zum Beginn als auch zum Ende der Saison hin am Markt präsent zu sein. Dank der Verfrühungsmethoden stehen Erdbeeren hierzulande nicht erst im Juni bereit. Die Folientunnel konnten bereits im Januar bei besten Bedingungen aufgestellt werden. Die Sonne erwärmte die Pflanzen und auch den Boden dort viel schneller, sodass die Ernte immer deutlich früher beginnt als im Freiland. Trotz der Kälte reichen ein paar Sonnenstrahlen aus, um die Folientunnel zu erwärmen, zudem schützt der Folientunnel die Erdbeeren vor Spätfrösten, Hagel und Schneeschauern. Auch die Pflückkräfte sind begeistert, ist es doch angenehmer unter den „geschützten“ Anbaubedingungen zu ernten als im Freien.

Erdbeersorten im Überblick

Eine sehr frühe Erdbeere im Folientunnel ist die Sorte ,Flair‘. Weitere gängige Frühsorten sind 'Clery' und 'Magnum'. Im Freiland kommt die Frühsorte 'Rumba' zum Tragen. Sie hat ein feines Erdbeeraroma und eine sehr schöne Farbe. Eine typische Junisorte ist die 'Sonata'.

Gesundes Obst, das schmeckt

Erdbeeren sind lecker und gesund: 100 g Erdbeeren haben lediglich 32 Kilokalorien. Sie verfügen über einen hohen Gehalt an Säuren, Mineralstoffen, und fünf bis sechs Erdbeeren reichen, um den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C zu decken. (LKSH)

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