Schweiz: Der Boden verschwindet

Der Boden ist das Kapital der Bauern. Was nützen bestes Saatgut, gezielte Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen, wenn die Produktionsgrundlage Boden fehlt oder geschädigt ist? Ohne Boden gibt es keine Nahrung.

Boden ist nicht nur für die Landwirtschaft ein wichtiger Faktor. Bild: ji

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Nicht nur für die Lebensmittelproduktion sind Böden wichtig: Sie filtern auch Regenwasser und sorgen damit für sauberes Trinkwasser. Sie regulieren das Klima, weil sie mehr Kohlenstoff speichern als alle Wälder der Welt zusammen.

Böden sind voller Vielfalt: In einer Handvoll Erde leben mehr Organismen als Menschen auf unserem Planeten. Zwei Drittel aller Arten von Lebewesen haben ihre Heimat unter der Erdoberfläche.

Doch trotz der lebenswichtigen Funktionen und zentralen Bedeutung wurde und wird der Boden manchmal wie der letzte Dreck behandelt. Heute ist der Boden gefährdet wie vielleicht noch nie zuvor. Für diese Gefährdung gibt es 2 Gründe: Naturgefahren und der Mensch. Zu den Naturgefahren zählen Lawinenniedergänge, Erdrutsche, Brände, Hochwasser und ähnliche Vorkommnisse, die es schon immer gab und immer geben wird.

Viel schlimmer ist jedoch die Bodengefährdung durch den Menschen, ob direkt via Überbauung, Schadstoffeintrag, Übernutzung oder indirekt wie über den Klimawandel.

Mehr Menschen, weniger Fläche

Die Weltbevölkerung wächst - doch der Boden wächst nicht mit. Die Oberfläche der Erde umfasst nach wie vor 13,6 Mrd. ha. Die Hälfte davon ist mit Wald bestückt, oder es handelt sich um - vom landwirtschaftlichen Gesichtspunkt aus gesehen - unproduktive Fläche wie Gebirge oder Wüsten.

Nur 10% der Erdoberfläche können ackerbaulich genutzt werden. Rund ein Viertel der Erdoberfläche dient als Dauergrünland indirekt ebenfalls der menschlichen Ernährung und auf einem sehr kleinen Teil (1% der Erdoberfläche) werden Spezialkulturen wie Obst und Reben angebaut.

Wenn die heutige Nachfrage nach Agrarprodukten unverändert weiterwächst, müsste bis zum Jahr 2050 zusätzliches Landwirtschaftsland in der Grösse zwischen 320 und 850 Mio. ha erschlossen werden. Der niedrigere Wert entspricht der Fläche Indiens, der höhere der Fläche Brasiliens.

Das ist unmöglich. Die FAO (Food and Agriculture Organization oft the United Nations) schätzt zwar, dass in Afrika und der südlichen Sahara noch Potenzial für zusätzliches Ackerland besteht. Laut Expertenschätzungen können aber höchstens noch 120 Mio. ha Ackerland zusätzlich erschlossen werden.

Das ist gerade Mal 1% mehr als heute. Weil gleichzeitig jedes Jahr eine Fläche von etwa 3 bis 4 Mio. ha land- und forstwirtschaftlich nutzbarer Böden verloren geht, nimmt die nutzbare Fläche nicht zu. Überweidung macht Weiden unfruchtbar, Erosion und Klimawandel machen aus Äckern Wüsten, während gute landwirtschaftliche Flächen unter Häusern und Strassen verschwinden. (LID)

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