Niedersachsen: Neue Obstbau-Strategien im Alten Land

Miriam Staudte, Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung in der Fraktion der Grünen im Niedersächsischen Landtag, war zu Besuch in der Obstbauversuchsanstalt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Miriam Staudte (links), lässt sich von Dr. Karsten Klopp, dem Leiter der Obstbauversuchsanstalt, das Gelände der Einrichtung in Jork (Kreis Stade) erläutern. Bild: Ziegeler/Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

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Die Anpassung des Obstbaus an die Bedingungen des Klimawandels, künftige Strategien beim Pflanzenschutz und zur Förderung der Biodiversität sowie Herausforderungen beim Wassermanagement für Obstbaubetriebe gehörten zu den bestimmenden Themen beim Besuch von Miriam Staudte, Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung in der Fraktion der Grünen im Niedersächsischen Landtag, in der Obstbauversuchsanstalt der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen in Jork (Kreis Stade).

„Wir brauchen das unabhängige, wissenschaftlich arbeitende Versuchswesen, wie hier für den Obstbau, um die produzierenden Betriebe möglichst konkret dabei zu unterstützen, Herausforderungen wie den Klimawandel zu meistern und weiterhin erfolgreich zu wirtschaften“, erläuterte Kammerdirektor Hans-Joachim Harms, der die Grünen-Politikerin eingeladen hatte.

Die Obstbauversuchsanstalt der LWK ist Teil des Obstbauzentrums Esteburg in Jork. Auf 25 Hektar Versuchsfläche wird unter anderem der Anbau neuer Apfel-, Birnen- und Kirschsorten getestet. In Laboren und Versuchslagern analysieren Fachleute die Qualitätseigenschaften zahlreicher bestehender und neuer Kern-, Stein- und Beerenobstsorten. Ziel: passgenaue Empfehlungen für die Obstbauern.

„Wir arbeiten an der Optimierung der sortenspezifischen Lagerung, denn jede Apfelsorte benötigt während der monatelangen Lagerung eine spezielle Zusammensetzung der Luft aus Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid, den natürlichen Hauptbestandteilen, damit sie möglichst lange haltbar und schmackhaft bleibt“, nannte Dr. Karsten Klopp, Leiter der Obstbauversuchsanstalt, einen Bereich aus der aktuellen Forschung. Als Kompetenzzentrum für den norddeutschen Obstbau betreut die Esteburg 1.000 Obstbaubetriebe in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Der Klimawandel hinterlasse im Alten Land bereits deutliche Spuren, berichtete Klopp der grünen Agrarexpertin: „Durch den Temperaturanstieg und die verlängerte Vegetationszeit gedeihen neue Apfelsorten und Birnen an der Niederelbe besser – zugleich nimmt jedoch das Risiko durch Blütenfrost, Starkregen, Trockenheit und Schadinsekten zu.“

Im Rahmen der Flur-Anpassungen im Sondergebiet und um für die Frostschutzberegnung immer genügend Wasser vorzuhalten, haben viele der Obstbaubetriebe an der Niederelbe mittlerweile Teiche angelegt. „Dadurch ist im Alten Land eine neue Biotop-Struktur entstanden, die eine erhebliche Aufwertung der Artenvielfalt zur Folge hat“, betonte der Obstbauexperte der Landwirtschaftskammer.

Durch die sinkende Zahl zugelassener Wirkstoffe und strenger werdender Auflagen gehört die Weiterentwicklung der Pflanzenschutzstrategien zu einem wesentlichen Arbeitsgebiet der Obstbauversuchsanstalt. „Es ist sehr wichtig, dass wir dazu unabhängig Forschungsergebnisse erarbeiten, um den Praxisbetrieben zügig Lösungen anbieten zu können“, sagte Klopp. So werde in Jork etwa getestet, wie Tunnelsprühgeräte so eingesetzt werden, dass die Abdrift des Sprühnebels verhindert und die Menge des eingesetzten Pflanzenschutzmittels reduziert wird.

Auch Themen wie das sehr begrenzte Marktumfeld für traditionelle Apfelsorten, der Einfluss von Obstimporten sowie die aktuellen Diskussionen um Naturschutz, Düngerecht und die künftige Ausrichtung der Agrarpolitik kamen beim Besuch von Miriam Staudte zur Sprache. „Als Fachorganisation bringen wir auf Nachfrage selbstverständlich gerne unser Wissen ein, damit Niedersachsen weiterhin Agrarland Nummer eins in Deutschland bleibt“, hob Kammerdirektor Harms hervor. „Viele Entscheidungen gilt es ganzheitlich zu betrachten, etwa auch mit Blick auf den regionalen Markt und den globalen Klimawandel, um Zielkonflikte zu verhindern.“

An dem Gespräch mit Miriam Staudte nahmen neben Klopp und Harms auch Johann Knabbe, Kreislandwirt des Kreisbauernverbandes Stade und Vorsitzender des LWK-Ausschusses für Finanzen und Organisation, Jens Stechmann, Vorsitzender des Obstbauversuchsrings des Alten Landes, sowie Ralf Poppe, Sprecher der Grünen im Kreisverband Stade, teil.

Das Alte Land, in dem die Obstbauversuchsanstalt Jork der LWK beheimatet ist, ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands. An der Niederelbe produzieren etwa 750 Betriebe auf 10.000 Hektar pro Jahr rund 300.000 Tonnen Äpfel und Birnen, sowie die bekannten Knubberkirschen und weiteres Steinobst. Jeder Dritte in Deutschland produzierte Apfel kommt von der Niederelbe. Zu den am häufigsten angebauten Apfelsorten gehören derzeit Elstar, Red Prince und Braeburn. Neuere Sorten wie Wellant und Kanzi sind mittlerweile bei den Verbrauchern bekannt und werden zunehmend nachgefragt. (LWK Niedersachsen)

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