Niedersachsen: Gartenbau-Branche tauscht sich bei Ahlemer Forum aus

Agrarministerin Miriam Staudte war zu Gast bei spartenübergreifendem Treffpunkt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Hannover-Ahlem.

Am Dienstag, 17. Januar 2023, hat das Ahlemer Forum der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland stattgefunden. Bild: ©Annette Pilz.

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Cyberkriminalität, die Suche nach Fachkräften und der Klimawandel waren am Dienstag, 17. Januar 2023, Themen des Ahlemer Forums der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), dem spartenübergreifenden Treffpunkt für alle am Gartenbau Interessierten. Die 80 Teilnehmenden waren glücklich, sich nach zwei Jahren coronabedingter Pause endlich wieder in Präsenz zu treffen, um sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen zu können.

Aufgrund der Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland orientiert sich die Veranstaltung immer eng an den Interessen und Bedürfnissen des Berufsstandes. Gerhard Schwetje, LWK-Präsident, freute sich, neben den referierenden Fachleuten auch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Hannover-Ahlem begrüßen zu können.

Auch Andreas Kröger, Präsident des Wirtschaftsverbands Gartenbau Norddeutschland, dankte der Ministerin für ihr Interesse am Gartenbau und dass sie das Gespräch suche. Er hob hervor, dass die Gartenbau-Betriebe in Niedersachsen kleine und mittelständische Familienbetriebe seien, die im eigenen Sinne für Klimaschutz, Natur und Biodiversität sorgen – und dass sie diese Leistung auch gern weiterhin erbringen möchten für das Land. Dafür benötigten sie aufgrund der aktuellen Energiesituation allerdings Hilfe.

„Als Moorland Nummer 1 hat Niedersachsen eine besondere Verantwortung für den Umgang mit Torf", sagte Staudte. „Ich möchte den starken Gartenbau in Niedersachsen erhalten, denn er ist sehr wichtig für unser Land. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Alternativen zu Torf zu entwickeln."

Prof. Dr. Bernhard Beßler, Leiter des LWK-Geschäftsbereichs Gartenbau, gab einen kurzen Einblick in einige aktuelle Projekte. Die Reduktion der Torfnutzung im Gartenbau und Paludikulturen spielten dabei eine zentrale Rolle, es ging aber auch um Fragen zur Reduzierung des Stickstoffeintrages und die Verringerung der Lebensmittelverschwendung. „Diese Fragen, die auch im besonderen Interesse der Landesregierung bearbeitet werden, können an unseren Standorten, die im Rahmen der Norddeutschen Kooperation im Gartenbau eingebunden sind, mit Ergebnissen aus praktischen Versuchen untermauert werden", hob Beßler hervor.

Wie wertvoll diese Ergebnisse seien, habe sich im vergangenen Winter eindrücklich gezeigt: „Ergebnisse, die im Rahmen der ,Zukunftsinitiative Niedrigenergiegewächshaus' vor einigen Jahren erarbeitet wurden und so zu einer Reduzierung des Energieeinsatzes in Gewächshäusern um bis zu 90% geführt haben, sind in diesem Winter aufgrund der gestiegenen Kosten für z.B. Gas und Holzhackschnitzel von besonderer Bedeutung gewesen."

Cybercrime-Experte Alexander Wolf vom Landeskriminalamt Niedersachsen warnte in seinem Vortrag vor den vielfältigen Bedrohungen aus dem Internet: „Insbesondere Firmen müssen Vorkehrungen treffen, um nicht Opfer von existenzbedrohenden Cyberangriffen zu werden." In seinem Vortrag stellte Wolf zunächst die gängigen Angriffe auf die technischen Systeme sowie die Mitarbeitenden eines Unternehmens anschaulich und praxisnah dar.

Er verdeutlichte, dass Unternehmerinnen und Unternehmer das Thema Cybersicherheit und Schutz vor den relevanten Bedrohungen selber in die Hand nehmen müssen. „Nicht immer spielen Investitionen eine Rolle, wenn es darum geht, das IT-Sicherheitsniveau einer Firma zu verbessern, sondern vielmehr klare Regeln, Sensibilisierung, Standards und Abläufe."

Referentin Zuzana Blazek vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. erläuterte zunächst Gründe, warum die Suche nach Fachkräften so beschwerlich geworden sei: alternde Gesellschaft, zu wenige Geburten, Studium statt Ausbildung, Zuzug nicht ausreichend und die Unbekanntheit vieler Branchen und Berufe. „In vielen Regionen und Berufen können sich Fachkräfte heute ihren Arbeitgeber aussuchen", fuhr Blazek fort, „der Arbeitsmarkt ist kein Arbeitgebermarkt mehr, sondern ist zu einen Arbeitnehmermarkt geworden. Zeiten, in denen Unternehmen problemlos Fach- und Führungskräfte gefunden haben, gehören der Vergangenheit an. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen neue Wege gehen und nicht nur mit ihren Dienstleistungen und Produkten, sondern auch als Arbeitgeber herausstechen."

Eine attraktive Arbeitgebermarke sei das erfolgversprechendste Werkzeug, um Mitarbeitende für sich zu gewinnen und zu halten. Der Aufbau erfolge in drei Schritten:

  1. Ausgangssituation analysieren
  2. Kernbotschaften formulieren
  3. An Zielgruppen im und außerhalb des Unternehmens kommunizieren

Die Analysephase sei von zentraler Bedeutung: „Je intensiver die Analyse, desto erfolgreicher die folgenden Maßnahmen. Analysiert werden das eigene Unternehmen, die Wettbewerber und die Zielgruppen", erklärte die Expertin.

„Wichtig ist: Um Mitarbeitende für das eigene Unternehmen zu gewinnen und zu halten, müssen sich Arbeitgeber immer stärker an den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Zielgruppe orientieren. Dies setzt voraus, dass sie ihre Zielgruppen kennen und ein gutes Bild davon haben, welche Faktoren bei der Arbeitgeberwahl besonders wichtig sind."

Den größten Erfolg bei der Personalgewinnung hätten Studien zufolge Empfehlungen eigener Beschäftigter. „Für Arbeitgeber bedeutet dies: Wer es schafft, seine Beschäftigten zu Botschaftern des eigenen Unternehmens zu machen, eröffnet sich vielversprechende Fachkräftepotenziale", so Blazek.

Frank Böttcher, Meteorologe, Wettermoderator und Buchautor, gab zunächst einen Überblick über die Zusammenhänge im Klimasystem, den Stand der Klimaforschung und die Auswirkungen in Norddeutschland. Er zeigte die Veränderungen gerade auch bei extremen Wettererscheinungen auf, wie sie beispielweise bei Spätfrösten, Dürren, Starkregen, Hagel, Hitze und Sturm schon beobachtet und sich zukünftig darstellen werden. „Wir verdrängen nur allzu gerne, dass eine Erwärmung von 1,5 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit für Norddeutschland bedeutet, dass wir eine Küstenlinie verteidigen müssen, bei der der Meeresspiegel um acht Meter steigen wird", betonte Böttcher.

„Wenn wir im Moment der Erkenntnis auch handeln würden, wäre viel gewonnen", fuhr der Experte fort und zog folgenden Vergleich zur Veranschaulichung: „Es ist wie mit dem Aufstehen morgens: Der Moment der Erkenntnis, dass man wach ist, ist weit weg von dem Moment, wo der Fuß den Teppich vor dem Bett berührt. In der Zwischenzeit ist die Lage aber nicht besser geworden, nur der Stress ist gestiegen." Hannover werde am Ende des Jahrhunderts klimatisch dort liegen, wo jetzt Bordeaux, Nizza oder Split zu finden sind. „Man kann sich dort schon mal umschauen, um zu verstehen, was da auf uns zukommt", so der Meteorologe. Er plädierte für mehr echte Innovation: „Die Glühbirne entstand nicht durch die stetige Verbesserung einer Kerze. Transformation heißt auch, diejenigen zu fördern, die uns neue Ideen liefern können." (LWK Niedersachsen)

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