LWK S-H: Dr. Drescher neuer Geschäftsführer

124. Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein: Das Land sorgt für Entlastung des Kammerhaushalts - Dr. Drescher zum Geschäftsführer bestellt.

Dr. Klaus Drescher zum Geschäftsführer auf der 124. Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein bestellt. Foto: privat.

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Am 23.12.2020 fand in Rendsburg die 124. Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein statt. Grund für den späten Termin kurz vor Weihnachten waren Verhandlungen des Landes zum Haushalt, die zuvor abgeschlossen sein mussten. Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer, Ute Volquardsen, konnte in Rendsburg gleich zwei wichtige Botschaften verkünden: „Die Landesregierung hat einhellig das Ziel bekräftigt, die vollständige Übernahme der Pensionslasten im Haushalt 2021 zu verankern. Über diesen Vorschlag wird der schleswig-holsteinische Landtag als Haushaltsgesetzgeber zu beraten haben. Die dafür notwendige Abstimmung des Landtages ist im Februar geplant. Diese Entscheidung würde für eine Entlastung des Kammerhaushaltes sorgen.“

Außerdem wurde der kommissarisch amtierende Geschäftsführer Dr. Klaus Drescher für die kommenden 5 Jahre zum Geschäftsführer bestellt und ein neuer Repräsentant für den Kreis Nordfriesland gewählt. Es ist Thomas Kühl, Landwirt aus Ostenfeld. Er ersetzt Jürgen Boye Gertz aus Osterhever. Vizepräsident Arno Carstensen wird ab sofort für Britta Gehlhaar im Finanzausschuss der Landwirtschaftskammer mitwirken.

Die Versammlung wurde wegen Corona erstmals als Hybridveranstaltung durchgeführt. Die Deputierten und Gäste waren überwiegend online zugeschaltet. Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht war vor Ort wie auch Vorstand, Arbeitgebersprecher Werner Schwarz, Arbeitnehmersprecher Jan Birk und Kammergeschäftsführer Dr. Klaus Drescher sowie weitere hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Seit Jahren war der Haushalt der Kammer vom Land nicht genehmigt worden, und der Landesrechnungshof hatte wegen der schlechten Finanzlage gemahnt. Durch diesen angekündigten Schritt wird die Eigenkapitalbasis der Landwirtschaftskammer gestärkt und Luft für zwingend notwendige Investitionen geschaffen. Eine Übernahme der Pensionslasten der Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts würde eine Stärkung der Finanzlage bedeuten.

Kammerpräsidentin Ute Volquardsen bedankte sich bei der Landesregierung, stellvertretend bei Ministerpräsident Daniel Günther und dem anwesenden Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht, für diese Absichtserklärung. „Ich freue mich sehr, dass eine tragfähige Lösung in Sicht ist, und dass Sie sich, lieber Herr Albrecht, und Ihr Haus für die Übernahme der verbleibenden Pensionslastenanteile durch das Land einsetzen. Nun hoffen wir, dass der Landtag in seiner Sitzung im Februar dem Vorschlag der Übernahme der Pensionslasten zustimmen wird. Dies würde der Kammer wieder die Luft für nötige Investitionen in Technik und Personal für die Zukunft bieten. Denn die Herausforderungen des Agrarsektors sind enorm und unser Anspruch ist es, mit unserer Arbeit noch mehr zum Leuchtturm für die Praxis zu werden. Die Landwirtschaftskammer ist die zentrale Stelle für Beratung, Aus- und Weiterbildung und das Versuchswesen in der Landwirtschaft im Land. Sie zu stärken, hilft Landwirtinnen und Landwirte in der Zukunftsvorbereitung.“ Corona, Afrikanische Schweinepest, Vogelgrippe, Verhandlungen zur neuen Agrarpolitik, die Umsetzung der Düngeverordnung – die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe erhalten und zudem den ökologischen und sozialen Anforderungen gerecht werden – all dies verlange nach praktischen Lösungsansätzen, die es zu finden gelte. Weiter verwies die Präsidentin auf die aktuell schwierige Lage der Betriebe.

Schwierige wirtschaftliche Lage der Betriebe

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer zeigen die Buchführungsergebnisse für die landwirtschaftlichen Betriebe im Wirtschaftsjahr 2019/2020 in Schleswig-Holstein zwar eine leichte Erholung, aber das Gewinnniveau ist kaum ausreichend zur Rücklagenbildung. Die Lage der Schweinehalter ist aktuell sehr dramatisch, dies spiegeln die Ergebnisse aber noch nicht wider. Zuletzt brachte der damalige Exportboom nach China einen deutlichen Anstieg der Einkommen im Veredelungsbereich. Die Lage im Ackerbau hat sich dagegen erholt, nach dem dürrebedingten Einbruch im Wirtschaftsjahr 2018/2019. Die Milchgeldauszahlungspreise lagen im Wirtschaftsjahr 2019/2020 nochmals unter den schwachen Vorjahreswerten. Reduzierte Kosten für einige Produktionsmittel und etwas höhere Leistungen sorgten im Futterbau für eine Stabilisierung der Gewinne, aber auf einem kaum ausreichenden Niveau. Viele Betriebe sind in der Verlustzone. Und Corona, die Vogelgrippe und das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest haben die wirtschaftliche Lage bis heute in vielen Bereichen dramatisch verschärft.

Jahresabschluss (2019) genehmigt

Der Jahresabschluss 2019 wurde genehmigt, und die Deputierten stimmten dem positiven Wirtschaftsplan 2021 zu. Der Vorstand wurde entlastet. Dr. Hans Hermann Buchwald, Vorsitzender des Finanzausschusses und Vorstandsmitglied sagte: „Wie Sie soeben gehört haben, wurde der Jahresabschluss 2019 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Möhrle Happ Luther GmbH geprüft und der Kammer für das Wirtschaftsjahr 2019 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk attestiert. Dennoch ist das Ergebnis so natürlich nicht zufriedenstellend.“

Deputierten stimmten Wirtschaftsplan 2021 zu

Mithilfe des Landes Schleswig-Holstein hat die Landwirtschaftskammer es geschafft, einen positiven Wirtschaftsplan für das Jahr 2021 vorzulegen. Dazu waren viele Gespräche und Abstimmungen mit dem Land notwendig, aber auch innerhalb des Hauses sind Ideen und Möglichkeiten der Effizienzsteigerung und Konzentration in der alltäglichen Arbeit ausgelotet und in Angriff genommen worden. Dieser Prozess ist nun angeschoben worden und wird weiter gehen. Ziel ist es, sich als moderner innovativer Dienstleister noch kundenfreundlicher aufzustellen. Der Wirtschaftsplan 2021 hat Einnahmen in Höhe von rund 36,4 Mio. Euro. Diese setzen sich jeweils zu einem Drittel aus der Umlage, Erlösen aus wirtschaftlicher Tätigkeit und öffentlichen Zuwendungen für die Weisungsaufgaben des Landes und der Zielvereinbarung zusammen. Bei den Ausgaben sind die Personalkosten mit rund 22,5 Mio. Euro, inklusive der Weisungsaufgaben Pflanzenschutz und Verbringungsverordnung, hervorzuheben. Der sonstige betriebliche Aufwand und die Materialkosten liegen bei rund 9,7 Mio. Euro. Der Wirtschaftsplan 2021 der Kammer soll mit einem Jahresüberschuss von rund 2.4 Mio. Euro abschließen (ohne Auflösung von Rückstellungen).

Neuer Geschäftsführer bestellt

Dr. Klaus Drescher wurde zum neuen Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer bestellt. Er war bereits seit Januar 2020 als kommissarischer Geschäftsführer im Amt. Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer, gratulierte Klaus Drescher im Namen des gesamten Vorstandes ganz herzlich. „Ich bin froh und dankbar, dass wir Sie für diese anspruchsvolle Aufgabe weiterhin gewinnen konnten. Ein intensives Jahr liegt hinter uns, es glich einer Achterbahnfahrt. Wir ergänzen uns gut, das konnten wir beide 2020 unter Beweis stellen. Dank der heutigen Beschlüsse und eingeleiteten Schritte gelangt die Kammer nun wieder auf einen klar auf die Zukunft ausgerichteten Kurs. Wir werden weiter optimieren und auch die Digitalisierung vorantreiben und die Herausforderungen auf den Betrieben fest im Blick haben. Gemeinsam wollen wir die Ärmel hochkrempeln und Ihnen, liebe Betriebe, sowie Ihren Familien und ihren Mitarbeitern/-innen ein starker Partner sein. Auf weiter gute Zusammenarbeit.“

Dr. Klaus Drescher bedankte sich für den Vertrauensvorschuss, den die Deputierten mit seiner Ernennung ausgesprochen haben und sagte nach seiner Bestellung: „Ich bin mir den Herausforderungen, die diese Position mit sich bringt, bewusst und werde alles daran setzen, die Kammer weiterhin zu einem modernen, leistungsstarken Dienstleiter weiterzuentwickeln. Dabei werde ich sowohl die Belange der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Landwirtschaft, Gartenbau, Forst und Fischerei im Augen haben als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

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