LK Österreich: Will patentfreie Sorten und Züchtungsmethoden

"Die Landwirtschaftskammer Österreich ist strikt gegen eine Patentierung von Sorten und gegen eine Patentierung von moderner biologischer Züchtung. Alle Sorten und Wege in der Pflanzenzucht, die außerhalb der gültigen EU-Gentechnik-Gesetzgebung entwickelt werden, sowie ihre Produkte dürfen keinesfalls patentierbar sein."

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„Die Landwirtschaftskammer Österreich ist strikt gegen eine Patentierung von Sorten und gegen eine Patentierung von moderner biologischer Züchtung. Alle Sorten und Wege in der Pflanzenzucht, die außerhalb der gültigen EU-Gentechnik-Gesetzgebung entwickelt werden, sowie ihre Produkte dürfen keinesfalls patentierbar sein. Kleine und mittelständische Unternehmen in Österreich und Europa können so auch am Züchtungsfortschritt teilnehmen. Denn diese neuen Methoden basieren auf wissenschaftlicher Qualität und sind somit nicht nur kapitalstarken Unternehmen vorbehalten“, verlangte der Präsident der LK Österreich, Hermann Schultes, im Rahmen der Erntepressefahrt 2016.

Österreich hat hervorragendes System
Bisher hat Österreich mit dem Sortenschutz ein sehr gut funktionierendes System, das es einem Züchter erlaubt, jedwedes „Material“, auch eingeführte Sorten eines Mitbewerbers, für seine Züchtungsarbeit zu verwenden (Züchterprivileg). Ebenso kann und darf ein Landwirt das von ihm produzierte Saatgut auf seinem Betrieb selbst verwenden (Landwirteprivileg). Der Sortenschutz soll als primäres Schutzrecht in der Pflanzenzüchtung gestärkt werden. Das diskutierte EU-Patentrecht sieht nämlich weder Züchter- noch Landwirteprivileg vor. Beides ist jedoch für die Landwirtschaftskammer unverzichtbar. Das Züchterprivileg ist Grundvoraussetzung für die Anpassung und Verbesserung der in der Landwirtschaft verwendeten Sorten an den Standort und die Region. Dies ist sowohl im Interesse der Konsumenten (qualitative Merkmale), der Umwelt (Resistenzen, Krankheitstoleranzen), der Verarbeiter (Verarbeitungsqualität, Lagerstabilität) wie auch der Landwirte (Stresstoleranz, Ertragsstabilität, etc.). Die Kreuzung mit den besten Sorten und eine große Vielfalt waren schon immer Voraussetzung für Züchtungsfortschritt. Nicht zuletzt machen die geänderten klimatischen Bedingungen eine rasche Anpassung des Sortenspektrums notwendig, um das Ertrags- und Qualitätsniveau absichern zu können.

Technologischer Fortschritt auf allen Ebenen
In den letzten Jahren wurden viel im Bereich Pflanzenzüchtung geforscht und neue Züchtungsmethoden entwickelt. So gibt es eine Vielzahl an modernen Methoden, die es den Züchtern erlaubt, schneller, mit geringeren Kosten und gezielter die gewünschten Eigenschaften in den Sorten zu erreichen. Schultes dazu: „Es geht uns um eine klare Abgrenzung zu den nicht erwünschten Methoden der klassischen gentechnischen Veränderung, worüber derzeit auf europäischer Ebene diskutiert wird“.

Messlatte ist der Freisetzungsparagraph
Die Landwirtschaftskammer tritt in diesem Zusammenhang dafür ein, die EU-Regelung über die „absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt“ als Messlatte anzulegen. Die LK Österreich verlangt, dass jede Pflanzenzüchtungsmethode wissenschaftlich diskutiert und einzeln beurteilt wird. Die durch die neue Pflanzenzüchtungsmethoden hervorgerufenen Verbesserungen der Eigenschaften können nicht von zufälligen Veränderungen unterschieden werden. Wenn demnach keine fremde Erbsubstanz eingebracht wurde und die Veränderungen auch zufällig in der Natur passieren können, dann bleibt die Pflanze in ihrer biologischen Ursprünglichkeit erhalten.

Forschung intensivieren
„Die Landwirtschaftskammer fordert, dass im Bereich der Risikobewertung und Folgenabschätzung weiterhin intensiv geforscht wird. Diese Entwicklungen müssen genau beobachtet und bewertet werden. Wir wollen auf europäischer und nationaler Ebene eine offene Diskussion auf wissenschaftlicher Basis über die Potenziale, Aspekte und Grenzen der neuen Pflanzenzüchtungsmethoden. Und wir verlangen eine Weiterentwicklung mit dem angebrachten Respekt vor der Natur“, so Schultes abschließend.

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