Künstliche Intelligenz: Entwicklung von Pflanzengewebe entschlüsselt

Ein Forscherteam der TUM School of Life Sciences hat den zellulären Aufbau der Samenanlage von Arabidopsis erstmals in 3D dargestellt.

3D-Darstellung der Modellpflanze Arabidopsis thaliana. Bild: Labor Prof. Schneitz.

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Ein Forscherteam der TUM School of Life Sciences hat erstmals die zelluläre Zusammensetzung der Samenanlage (Ovule) der Modellpflanze Arabidopsis thaliana vollständig analysiert. Dazu nutzten sie modernste Mikroskopieverfahren mit Bildverarbeitung, die auf maschinellem Lernen basiert. So konnte zum ersten Mal die vollständige Entwicklungsreihe des Organs mithilfe digitaler 3D-Samenanlagen dargestellt werden. Damit zeigt die Studie exemplarisch, wie 3D digitale Darstellungen das Verständnis der Morphogenese auf eine grundlegend neue Basis stellen.

Eine herausragende Frage in der Biologie ist, wie Gene die Gestaltwerdung oder Morphogenese eines Organs oder eines gesamten Organismus steuern. Morphogenese ist ein vielschichtiger Prozess, der eine Vielzahl von Prozessen integriert, die auf verschiedenen Skalen wirken - von der molekularen Kontrolle der Genexpression bis zur zellulären Koordination in einem Gewebe.

Um die Morphogenese besser darstellen zu können hat ein interdisziplinäres Team aus Biologen, Physikern und Informatikern der TUM und weiterer Wissenschaftseinrichtungen im vergangenen Jahr die digitale Bildanalyse-Pipeline "PlantSeg" aufgebaut, die auf maschinellem Lernen basiert.

Den TU-Doktoranden Athul Vijayan und Rachele Tofanelli von der Professur für Entwicklungsbiologie der Pflanzen (geleitet von Prof. Kay Schneitz) gelang nun die erste erfolgreiche Anwendung von PlantSeg. Mithilfe modernster Mikroskopie und der PlantSeg-Pipeline konnten sie einen digitalen dreidimensionalen Atlas der Samenanlagenentwicklung in Arabidopsis thaliana erstellen.

Die Untersuchung ihrer Morphogenese stellt eine besonders schwierige Herausforderung dar, da die Samenanlage eine einzigartige gekrümmte Struktur in Kombination mit einer komplexen zellulären Organisation aufweist. Der Atlas zeichnet sich durch vollständige zelluläre Auflösung aus, auch in tiefen Gewebeschichten. Er ermöglicht eine quantitative raum-zeitliche Analyse von zellulären und Genexpressionsmustern mit Zell- und Gewebeauflösung.

So konnte zum Beispiel erstmals die ungewöhnliche Etablierung einer neuen Gewebeschicht in der Samenanlage beschrieben werden und spezifische Zellteilungsmuster in tieferen Schichten mit der Krümmung der Samenanlage in Verbindung gebracht werden. Zudem konnte die zelluläre Verteilung der Genexpression eines wichtigen regulatorischen Gens quantitativ beschrieben werden. (TUM School of Life Sciences)

Diese Arbeitsergebnisse legen den Grundstein für die nächste Generation von Studien zur Morphogenese.

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