Kartoffeln: Absatz- und Preiskrise durch Corona

Der Markt für Verarbeitungskartoffeln gehört zu den Marktbereichen, die besonders stark von der Corona- Krise getroffen wurden, heißt es im Erntebericht 2020.

Zu Jahresbeginn waren die Marktprognosen noch von einer möglichen Kartoffelknappheit und infolgedessen zumindest stabilen Kartoffelpreisen ausgegangen. Bild: GABOT.

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Durch die weltweite Einschränkung des öffentlichen Lebens brach die Nachfrage nach Verarbeitungsprodukten, insbesondere Tiefkühl-Pommes-Frites, massiv ein und dementsprechend die Abnahmemengen der Verarbeitungsindustrie an Industriekartoffeln. Auch die Einrichtungen der Außer- Haus-Verpflegung und Schälbetriebe hatten deutlich weniger Bedarf. Nach Schätzungen des Verbandes der nordwesteuropäischen Kartoffelanbauer (NEPG) wurden in der Saison 2019/2020 rund 2 Mio. t nicht - wie eigentlich geplant - zu Kartoffelprodukten verarbeitet. Zwar stiegen im Gegenzug die Mengen an Speisekartoffeln und Kartoffelerzeugnissen, die von Privathaushalten eingekauft und selbst zubereitet wurden. Daher fanden auch Verarbeitungskartoffeln in begrenztem Umfang den Weg in den Lebensmitteleinzelhandel. Der Entlastungseffekt für den Verarbeitungsmarkt war jedoch gering. Auch die Verwertung über Biogasanlagen und in der Verfütterung konnte nicht verhindern, dass zum Start in die neue Saison noch ein erheblicher Angebotsüberhang an alterntiger Ware vorhanden war.

Hoffnungen, dass die Anbauflächen angesichts der schwierigen Marktsituation eingeschränkt würden, erfüllten sich nicht. Zu dem Zeitpunkt, als die Folgen von Corona offenbar wurden, stand die Anbauplanung der meisten Betriebe längst fest, das Pflanzgut war bestellt oder bereits geliefert, Frühkartoffelflächen waren teilweise schon bepflanzt. In den fünf wichtigsten nordwest-europäischen Erzeugerländern, zu denen auch das Vereinigte Königreich gehört, hält die Anbauausweitung bei Konsumkartoffeln weiter an. Nach einer vorläufigen Schätzung des NEPG erreicht die Anbaufläche zur Ernte 2020 mit rund 621.000 ha einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr entspräche dies einem Zuwachs um 0,5%. Der erste Teil der Anbausaison fiel überwiegend zu trocken aus; außerdem verlangsamte der kühle Mai das Knollenwachstum. Die zunächst verhaltenen Ernteerwartungen wurden angesichts der Niederschläge, die ab Juni nicht überall, aber verbreitet doch ergiebig fielen, angehoben. Die KOM hatte im Mai noch einen um 0,4% niedrigeren Hektarertrag gegenüber dem Vorjahr angenommen; aktuell (August) wird hingegen ein Plus von 2,3% prognostiziert.

Deutschland: Flächenzuwachs bei Konsumkartoffeln

Das vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte in Deutschland wird üblicherweise Ende September ermittelt, wenn konkrete Rodeergebnisse aus der BEE ausgewertet sind. Da die Haupternte der mittleren und späteren Reifegruppen erst angelaufen ist und sich bis in den Herbst hineinzieht, können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur Schätzungen anhand des Vegetationsverlaufs und des Pflanzenzustands vorgenommen werden. Die August-Prognose der Gemeinsamen Forschungsstelle der KOM geht davon aus, dass der Hektarertrag in Deutschland leicht (-0,4%) unter dem Vorjahreswert liegen könnte. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Bodennutzungshaupterhebung wurde die Kartoffelanbaufläche in Deutschland im vierten Jahr in Folge auf nunmehr fast 275.000 ha ausgeweitet. Damit wird das Vorjahresniveau um 1,2% übertroffen, der sechsjährige Durchschnitt um rund 10%. Nach Einschätzung von Marktexperten betrifft die Flächenausdehnung vor allem das Speisekartoffelsegment, während in den letzten Jahren eher der Anbau von Verarbeitungskartoffeln ausgeweitet wurde.

Niedersachsen bleibt mit einem Flächenanteil von rund 45% das bedeutendste Kartoffelanbaugebiet in Deutschland, gefolgt von Bayern mit 16% und Nordrhein-Westfalen mit 13%. Der Kartoffelabsatz wurde auch in Deutschland im ersten Halbjahr sehr stark durch die Corona-Ausnahmesituation geprägt. Ab Ende Februar und verstärkt in den Monaten März und April waren Hamsterkäufe privater Haushalte zu verzeichnen, da es kaum noch Möglichkeiten des Außer-Haus-Verzehrs gab. Aufsummiert wurden in der ersten Jahreshälfte 2020 mehr als 736.000 t Speisekartoffeln gekauft; das Vorjahreshalbjahr wurde damit um gut 15% übertroffen. Mit Lockerung der Corona-Beschränkungen ebbte die Haushaltsnachfrage etwas ab, und es flossen allmählich auch wieder überschaubare Mengen in die Gastronomie. Dennoch ist der Kartoffelmarkt immer noch von erheblichen Unsicherheiten geprägt.

Die ersten Frühkartoffeln wurden bereits Mitte Mai geerntet; diese naturgemäß kleinen Mengen wurden jedoch nur über Hofläden und Wochenmärkte direkt vermarktet. Schalenfeste Ware aus deutschem Anbau stand im Handel in den meisten Regionen ab dem letzten Junidrittel zur Verfügung. Aus allen Frühkartoffelregionen wurde ein sehr heterogener Knollenansatz gemeldet. Um die Bildung von unerwünschten Übergrößen zu vermeiden, wurde daher vielfach mit Reifeförderungsmaßnahmen begonnen, was sich insgesamt begrenzend auf den Ernteertrag auswirkte. Die Rodemenge an Frühkartoffeln belief sich nach Angaben der Agrarmarkt Informationsgesellschaft mbH (AMI) in dieser Saison auf 78.120 t und lag damit nur knapp unter dem Vorjahresergebnis (78.590 t).

Durch die Hitzeperiode Anfang August gingen die Speisekartoffelbestände fast überall in die natürliche Abreife. Mangels Blattgrün ist kein großer Ertragszuwachs mehr zu erwarten. Da zudem der Knollenansatz aufgrund der kühlen Maitemperaturen mäßig war, dürften die diesjährigen Flächenerträge bei den Speisekartoffeln eher durchschnittlich ausfallen. Im Hinblick auf die schwierige Absatzsituation bei den Verarbeitungskartoffeln und die diesjährige Anbauausweitung wäre das Ausbleiben einer Rekordernte für die Erzeugerpreise von Vorteil.

Erzeugerpreise

Zu Jahresbeginn waren die Marktprognosen noch von einer möglichen Kartoffelknappheit und infolgedessen zumindest stabilen Kartoffelpreisen ausgegangen. Durch Corona änderte sich dies massiv. Die überschüssigen Verarbeitungskartoffeln, die in der Phase des Lockdown in den Handel drängten, hatten Preisdruck im Speisekartoffelsegment zur Folge. Die Frühkartoffelpreise starteten niedriger als in der hochpreisigen Saison 2019, konnten sich aber bis zum Vermarktungsstart im Lebensmitteleinzelhandel gut behaupten.

Ab Juli wurden die Preise mit wachsendem Angebot wöchentlich zumeist um 4 Euro/dt zurückgenommen; zum Saisonende lagen die durchschnittlichen Frühkartoffelpreise mit rund 23 Euro/dt fast 48% unter dem Vorjahresniveau (rund 44 Euro/dt). Die Preise für die Anschlusssorten gerieten bei urlaubs- und witterungsbedingt schwacher Nachfrage und steigendem Angebot weiter unter Druck. In der 34. Kalenderwoche wurden im Bundesdurchschnitt für festkochende Sorten noch 17,33 Euro/dt erlöst, was einem Rückgang um 40% gegenüber der Vorjahreswoche entspricht.

Die Kursentwicklung an der Leipziger European Energy Exchange, an der europäische Kartoffelkontrakte gehandelt werden, spiegelt die weiteren Ernteerwartungen aufgrund der Witterungssituation und in diesem Jahr insbesondere auch die Markterwartungen unter Corona-Einschränkungen wider. Der Handel mit Terminkontrakten konzentriert sich auf den Leittermin April 2021. Dieser lag im Januar und Februar zwischen 15 und 16 Euro/dt und brach ab März im Sog der Corona-Auswirkungen stark ein. Nach einer vorübergehenden Stabilisierung unter dem Eindruck der durch die Frühjahrstrockenheit beeinträchtigten Ertragserwartungen setzte sich der Abwärtstrend weiter fort. Im Juli notierten die Veredlungskartoffeln für den Aprilkontrakt zeitweise bei nur noch 5,40 Euro/dt. Danach trieben das hochsommerliche Wetter und die trotz Gewittern vielfach extrem trockenen Bodenverhältnisse in wichtigen Kartoffelbauregionen die Terminmarktpreise zeitweise wieder nach oben. Am 25. August 2020 erreichte der Schlusskurs für den Aprilkontrakt 6,70 Euro/t.

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