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Hohe Düngerpreise: Über Risiken und Nebenwirkungen
Preisschwankungen sind normal, die Preisexplosion ist einzigartig
Dünger werden unter hohem Energieeinsatz hergestellt. Deshalb gibt es immer Phasen mit ansteigenden Düngerpreisen. Sinken jedoch die Energiepreise und wird das knappe Angebot wieder größer, normalisieren sich die Notierungen im Handel und an der Börse wieder. Mit diesen Zyklen haben Landwirtschaft und Gartenbau gelernt umzugehen, beispielsweise durch Düngervorkauf in Phasen günstiger Preise.
Beispiellos ist allerdings die Entwicklung in den letzten beiden Jahren. So kosteten 100 Kilogramm Kalkammonsalpeter (KAS), einem der wichtigsten Stickstoffdünger, im Januar 2021 im Rheinland etwa 23 Euro pro 100 kg. Im Januar 2022 waren es bereits 35 Euro und im Oktober 2022 schließlich 104 Euro, einem bis dahin kaum für möglich gehaltenen historischen Höchststand. Die 2021 vorgekauften Düngermengen sind überwiegend aufgebraucht. Deshalb muss für die kommende Saison irgendwann nachgekauft werden. Für einen 200 Hektar großen Familienbetrieb, der ausschließlich mit KAS düngt und mit dem Kauf nicht weiter warten will, explodieren die Ausgaben von 25.000 Euro auf 115.000 Euro! Das ist auch für Betriebe mit etwas finanziellem Polster schwierig.
Effizienter düngen
Diese nüchternen Zahlen haben Auswirkungen in mehrere Richtungen. Zunächst wird versucht, die höheren Produktionskosten durch höhere Verkaufserlöse für ihre Erzeugnisse wieder einzuspielen. Ob das gelingt, hängt aber von Angebot und Nachfrage am Weltmarkt ab. Dann gibt es Maßnahmen, Dünger noch effizienter einzusetzen. Denn vermeidbare Verluste in Form von Auswaschungen im Winter ins Grundwasser, gasförmigen Emissionen oder Abschwemmung durch Erosion sind ein absolutes No-Go. Möglichst ganzjährige Bodenbegrünung, Methoden der Präzisionslandwirtschaft, mehr Bodenproben, noch genauere Bedarfsberechnungen und Beobachtungen der Pflanzen oder die gezielte Beregnung, um den verabreichten Dünger in Trockenphasen pflanzenverfügbar zu machen, kommen unter anderem in Frage. Damit könnten die Kosten für die Bereitstellung von Trinkwasser gesenkt werden, das laut Verordnung maximal 50 Milligramm Nitrat pro Liter erhalten darf.
Andere Nährstoffquellen anzapfen
Eine weitere Maßnahme ist die Erweiterung der Fruchtfolge um Leguminosen wie Erbsen oder Bohnen. Sie binden Luftstickstoff in ihren Wurzeln. Die Reste im Boden kommen der Folgekultur zugute. Besonders begehrt in Phasen hoher Düngerpreise sind Gülle von viehhaltenden Betrieben oder Gärreste aus Biogasanlagen. Doch die Mengen sind begrenzt und hatten bislang schon ihre Abnehmer. Eine Umstellung auf ökologischen Landbau scheint ebenso verlockend. In dieser Wirtschaftsweise werden keine synthetischen Dünger eingesetzt. Allerdings ist der Markt für die höherpreisigen Erzeugnisse begrenzt, eine Betriebsumstellung muss also wohlüberlegt sein.
Es bleibt festzuhalten, dass die Landwirtschaft an einigen Schrauben drehen kann. In Phasen extrem hoher Düngerpreise wird aber sicherlich weniger gedüngt. Und zwar besonders dann, wenn die Erlöse für die angebaute Kultur gering sind und sie auf Düngereinsatz knapp unter dem Optimum nur mit geringen Ertrags- und Qualitätseinbußen reagiert. Beispiele dafür sind Zuckerrüben, Kartoffeln oder Mais, die auch bei einer deutlichen Reduzierung der üblichen Mengen noch akzeptable Ernten liefern. Gegenbeispiele sind Getreide und Raps, die das mit kräftigen Ertrags- und Qualitätseinbußen quittieren.
Höhere Verbraucherpreise treffen alle, aber besonders arme Länder
Je mehr der Düngereinsatz zurückgefahren wird, desto stärker sind die Auswirkungen auf unsere Versorgung. Hier ist mit steigenden Preisen sowie möglicherweise höheren Importen aus dem Ausland zu rechnen. Anders sieht es aber vor allem in armen Ländern des Globalen Südens aus. Düngerkrisen treffen sie doppelt. Einerseits steigt der Weltmarktpreis für die dringend benötigten landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Andererseits können sie sich die Landwirtsfamilien die teuren Dünger kaum noch leisten. Die Gefahr von Missernten und Hungersnöten nimmt zu. Der Kampf gegen den Hunger erleidet einen Rückschlag. (Quelle: iva.de/IVA-Magazin)
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