Hauert Manna: Rasen, ja bitte!

Rasenflächen sind der perfekte Platz für Erholung und Freizeit.

Die beste Zeit für die Bewässerung sind die frühen Morgenstunden: Dann nehmen die Halme die Feuchtigkeit gut auf und die Verdunstung ist vergleichsweise gering. Besonders nachhaltig ist es, wenn man fürs Gießen Regenwasser verwendet, das man in Tonnen oder Zisternen gesammelt hat. Bild: Hauert Manna.

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Wenn man heute Überschriften liest wie „Die Zeit des Rasens ist vorbei", geht es in den Berichten zumeist nicht ums Tempolimit. Klimawandel, Hitzesommer, Insektensterben und Rückgang der Biodiversität haben auch den für viele Menschen wichtigsten Bereich des Gartens etwas in die Kritik geraten lassen. Aber ist das tatsächlich begründet? Haben die Rasenflächen hinter dem Haus eine Zukunft? Und wie kann man das eigene grüne Reich an die Anforderungen der Zeit anpassen?

Schauen wir erst einmal zurück, um die Bedeutung des Rasens für den Garten zu verstehen: Zwar gab es bereits in vielen anderen Kulturen Rasenflächen bei der Landschaftsgestaltung, doch mit dem gepflegten, trittfesten „Bodenbelag" verbinden wir in erster Linie England. Hier entstanden im 18. Jahrhundert als Gegenentwurf zu den Barockgärten weitläufige Parks, in denen kurzgehaltene Wiesen eine wichtige Rolle spielten. Da es damals noch viel Zeit und Personal brauchte, um sie in Schuss zu halten, galten sie vorerst als Statussymbol der Aristokraten. Doch es dauerte nicht lang, da eroberte der „englische Rasen", auch dank vieler neuer Saatmischungen, die ganze Welt - von städtischen Grünanlagen bis hin zu Sportstätten. Seinen großen Siegeszug in Privatgärten trat er an, als die Flächen rund ums Haus nicht mehr in erste Linie dem Gemüseanbau dienten, sondern zum Ort für Erholung und Freizeitgestaltung wurden. Denn tatsächlich bietet sich kein anderer begrünter Bereich im Garten dafür so an, wie der Rasen: Hier kann man Sonnenbaden, Sport treiben und Grillfeste mit Freunden feiern, Kinder spielen Ball, picknicken oder bauen ein Zelt auf, um zum ersten Mal alleine im Freien zu übernachten ...

Da kann man sparen

Jeder Gartenbesitzer weiß: Mähen, Düngen, Wässern - das ist der Dreiklang, der für einen strapazierfähigen, sattgrünen Rasen sorgt. Aufgrund der trockener werdenden Sommer ist allerdings besonders der Wasserverbrauch derzeit ein viel beachtetes Thema und verlangt nach neuen Bepflanzungsideen für die Gärten. Präriestauden sind beispielsweise sehr trockenheitsresistent und benötigen daher weniger Wasser als Graspflanzen. Auch die Wildblumenwiese wird häufig als Alternative zum Rasen genannt. Sie ist der Inbegriff von romantischem Landleben und bietet zudem Insekten und Kleintieren Lebensraum und Nahrung. Die meisten dieser Pflanzen sind allerdings sehr trittempfindlich und erholen sich nach dem Abknicken nur schwer. Beide Varianten können eine Rasenfläche daher nicht ersetzen, sondern diese nur partiell ergänzen.

„Wer beim Rasen Wasser einsparen will, sollte bereits bei Anlage der Fläche das richtige Saatgut wählen", erklärt Judith Bircher, Rasen-Bloggerin und Gartenbauingenieurin beim Düngerspezialisten Hauert Manna. „Mittlerweile werden spezielle Mischungen mit Grasarten angeboten, die ideal für sonnige und trockene Standorte sind. Sie wurzeln nicht nur in den oberen zehn Zentimetern, sondern mehr als 30 Zentimeter tief und kommen dadurch besser an die Wasserreserven im Boden." Auch bei der Art und Weise der Bewässerung lässt sich der Verbrauch der kostbaren Ressource reduzieren: So sollte in Trockenzeiten erst gegossen werden, wenn der Welkepunkt der Halme erreicht ist. Diesen erkennt man daran, wenn sich der Rasen nach dem Betreten nicht wieder aufrichtet. Die beste Zeit für die Bewässerung sind übrigens die frühen Morgenstunden, dann nimmt die Vegetation die Feuchtigkeit gut auf und die Verdunstung ist vergleichsweise gering. Besonders nachhaltig ist es, wenn man fürs Gießen Regenwasser verwendet, das man in Tonnen oder Zisternen gesammelt hat.

Da tut sich was

„Der Boden unter dem Rasen sei tot, heißt es hin und wieder. Das ist so nicht richtig", sagt Bircher. „Wahr ist, dass den Bodenorganismen bei klassisch gepflegten Rasenflächen nicht so viel Nahrung zur Verfügung steht und ihre Zahl daher geringer ausfällt." Ein Grund dafür ist, dass beim Mähen das Schnittgut zumeist komplett entfernt und somit nicht Teil des natürlichen Nährstoffkreislaufs werden kann. Ein anderer: der Einsatz von mineralischen Düngern. Diese bestehen in erster Linie aus wasserlöslichen Salzen und sind so aufgebaut, dass sie direkt und ohne Umweg die Graspflanzen mit allem Notwendigen versorgt. Das Bodenleben wird dabei vernachlässigt. Bircher: „Wer etwas für die Mikrofauna und -flora im Erdreich tun möchte, verwendet am besten organisch-mineralische oder Bio-Dünger. Die natürlichen Bestandteile darin dienen wichtigen Bakterien- und Pilzstämmen, Regenwürmern, Insekten, Algen und allerlei anderen Bodenorganismen als Nahrungsgrundlage. Beim Verdauungsprozess werden von ihnen Stickstoff und Co. freigesetzt, die wiederrum für die Graspflanzen lebensnotwendig sind und über die Wurzeln aufgenommen werden." Diese Aktivierung des Bodenlebens hat noch weitere Effekte: Die zahlreichen kleinen Helfer schaffen durch ihr emsiges Treiben eine stabile, gut durchlüftete Bodenstruktur, die ein leichtes Wurzeln ermöglicht, Wasser besser speichert und bei Überschuss nach Starkregenfällen schneller abfließen lässt.

Da braucht es kein Entweder-Oder

Auch das fehlende Angebot an Nektar und Pollen wird bei Rasen häufig angekreidet. „Es stimmt, dass Grashalme deutlich weniger Nahrung und Rückzugsorte für Insekten und andere Tiere bieten als abwechslungsreich gestaltete Beete. Heute wird allerdings manchmal so getan, als gebe es nur zwei Gartentypen: Entweder naturnah und insektenfreundlich oder akkurat und ausschließlich mit immergrünen Formgehölzen bestückt", so Bircher. „Das ist aber weder die Realität, noch das was sich die Menschen wünschen. Ein gesundes Mittelmaß ist der beste Weg, um sowohl etwas für die Natur und hiesige Artenvielfalt zu tun als auch die Bedürfnisse und Wünsche der Gartenbesitzer zu erfüllen. Die Mischung macht‘s! Neben Beeten mit heimischen Pflanzen, in denen es bunt blüht und lebendig summt, darf es durchaus auch gepflegten Rasen geben, auf dem man den unterschiedlichsten Outdoor-Aktivitäten nachgehen kann. Und je nach Lebensphase und individueller Gartennutzung lässt sich der eine oder andere Bereich im Laufe der Jahre auch mal vergrößern oder verkleinern. Wenn die Kinder noch jung sind, ist eine große Freifläche zum Toben zumeist unabdingbar. Sind sie flügge geworden, lässt sich ein Abschnitt zum Beispiel in ein Staudenbeet oder eine Wildblumenwiese nahe eines entspannenden Sitzbereichs umwandeln."

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