Gardengirls: "Heideübergabe“ in Edewecht

Seit Februar dieses Jahres ist es offiziell: Christian Kerski ist stolzer Besitzer einer Baumschule. Nach Gerold Frerichs übernimmt Christian Kerski nun die Führung des Gardengirls-Jungpflanzenbetriebs in Edewecht, Ortsteil Portsloge.

Christian Kerski übernimmt Jungpflanzenbetrieb von Gerold Frerichs. Bild: Kerski.

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Angefangen hat alles, als Gerold Frerichs sich 1995 dazu entschied selbstständig zu werden. Geendet hat es im Februar dieses Jahres – aber nur für Gerold Frerichs, nicht für seine Baumschule. Denn nach 50 Jahren Arbeit und 26 Jahren Selbstständigkeit kann sich der 65-Jährige nun zur Ruhe setzen und freut sich, ohne Verpflichtungen auf den von ihm gegründeten Jungpflanzenbetrieb zu blicken, den Christian Kerski nun führen wird.

26 Jahre lang hat Gerold Frerichs sein Sortiment, hauptsächlich bestehend aus Calluna Gardengirls, gemeinsam mit seiner Frau Carola kultiviert. Bereits vor 10 Jahren hat Gerold Frerichs sich das erste Mal Gedanken um die Zukunft seines Betriebes gemacht. Da seine einzige Tochter beruflich einen anderen Weg einschlug, war klar: Entweder er findet einen Nachfolger außerhalb der Familie oder er muss die von ihm gegründete Baumschule aufgeben. 2018 hat er es dann das erste Mal über eine Unternehmensnachfolge-Anzeige versucht: „Es gab schon einige Anrufe. Viele waren jedoch einfach nur neugierig und hatten kein ernsthaftes Interesse. Ich wollte, dass es auch menschlich zwischen mir und dem Nachfolger passt.“ Also startete Frerichs im Februar 2019 einen erneuten Aufruf. Dass Christian Kerski an diesem Tag die Anzeige entdeckte, beschreibt der 29-jährige Gärtner als Zufall. „Mittags habe ich die Anzeige in der Zeitung gesehen, beim Vesper habe ich angerufen und abends haben Gerold und ich uns schon getroffen“, erinnert er sich.

Doch wer ist eigentlich Christian Kerski? Der 29-jährige junge Mann stammt gebürtig aus Apen und hatte schon früh die Selbständigkeit als Ziel im Blick. „Ich komme selbst aus einem Baumschulbetrieb und bin da einfach reingewachsen.“ 2011 hat Kerski das Abitur bestanden und im Anschluss eine Ausbildung als Gärtner in der Baumschule Renke zur Mühlen begonnen, die er nach 1,5 Jahren als Jahrgangsbester abgeschlossen hat. Ein halbes Jahr lang arbeitete er noch in diesem Betrieb bevor das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens im Agri- und Hortibusiness in Osnabrück folgte. Im Anschluss arbeitete Kerski vier Jahre lang als Führungskraft im Jungpflanzenbetrieb Schröder Rhododendron. „Ich hatte immer Spaß, in den Betrieben, in denen ich bis jetzt Erfahrungen sammeln konnte. Im Inneren hatte ich jedoch immer den Ehrgeiz, es mal selbst schaffen zu wollen. Mit diesem Betrieb habe ich nun die Gelegenheit dazu.“ Mit praktischer Erfahrung, theoretischem Wissen und dem nötigen Ehrgeiz war Kerski gut auf die Betriebsübernahme vorbereitet.

Seit Februar 2021 ist die Baumschule offiziell übergeben. Die Übergabe des Jungpflanzenbetriebs lief problemlos und ohne externe Beratung: „Wir wussten beide, was wir wollen und haben uns einfach geeinigt“, so Gerold Frerichs. Zuletzt hat der 65-jährige Baumschuler die neuen Gardengirls Twister kultiviert. „Meine Twister waren auch auf den diesjährigen Heidelights zu sehen. Ich denke, dass ich das als mein letztes Werk betrachten kann“, lacht Frerichs.

Bereits in diesem Jahr hat Kerski die Sortimentsmenge um 35% erweitert. Auf 4.000 qm Gewächshausfläche kultiviert er hauptsächlich Calluna Gardengirls und hat dabei fast das komplette Sortiment zu bieten. Mit Fluffy und Sunset Fire ist die Baumschule Christian Kerski auch in diesem Jahr schon auf aktuellem Sortenstand. Neben Callunen produziert Kerski auch die bienenfreundlichen Erica carnea. Darunter befindet sich auch die neue Sorte Erica carnea Samantha. Neben den Gardengirls produziert die Portsloger Baumschule auch ein kleines Sortiment an Gehölzstecklingen, zurzeit vor allem Vaccinium und Cytisus: „Als Gärtner macht mir die Auftragsvermehrung anderer Kulturen Spaß. Allerdings möchte ich das Sortiment auf wenige Arten in großen Stückzahlen beschränkt halten, damit sie zu unserem Betrieb passen und der Fokus auf die Callune nicht verloren geht.“ Die Jungpflanzen haben unter den elf Folientunneln und in den zwei Gewächshäusern gute Bedingungen, um zu wachsen. Überwiegend stehen die kleinen Stecklinge zur Anzucht in 576er Platten. Die Stecklinge werden im Anschluss ganz nach Kundenwunsch als Einzelpflanzen oder auch in bunten Zusammenpflanzungen pikiert. „Das bringt den Vorteil, dass der Kunde beispielsweise Trios, wie die Up-Down-Girl-Jungpflanze oder die Sunset Fire nicht selbst zusammentopfen muss. Er bekommt sie von uns fertig pikiert an die Topfmaschine“, erklärt Kerski.

Im Moment steuert Kerski den Betrieb alleine. Alle Folientunnel sind mit einer modernen Klimasteuerung ausgerüstet, was die Bewässerung der Pflanzen im Alltag erleichtert. Wenn jedoch Not am Mann ist, ist Gerold Frerichs gleich zur Stelle: „Wenn Christian fragt, helfe ich gerne. Und wenn nicht, dann ist das auch gut so.“ Auch wenn Frerichs immer gerne seine Jungpflanzen gepflegt hat, ist er froh, nun die Verantwortung in gute Hände abgegeben zu haben.

Im Winter wird der Betrieb erweitert, dann kommen 5.300 qm Baumschulfläche dazu. Bereits im Januar soll auf der neuen Fläche, die hinter der jetzigen Baumschule geschaffen wird, ein großer geschlossener Folienblock stehen. Außerdem soll dort ein moderner Hallenbereich integriert werden, in dem im Frühjahr pikiert werden kann. „Ich möchte einen autarken Bereich schaffen, nur für das Pikieren“, erklärt Kerski. Auf der neuen Fläche wird darüber hinaus ein weiterer Bewässerungsteich etabliert. Nach der großen Expansion von über 100% im Winter gibt es vorerst keine weiteren Wachstumsziele: „In diesem Betrieb ist das Besondere, dass ich immer noch nah bei der Pflanze sein kann und alles im Blick habe.“ Jedoch blickt der junge Baumschulinhaber der Zukunft positiv entgegen und ist gespannt auf alles, was ihm in diesem neuen Lebensabschnitt erwarten wird.

Da durch die Vergrößerung der Baumschule Christian Kerski in Zukunft auch mehr Calluna Gardengirls produziert werden, freut sich Kerski, neue Geschäftskontakte zu knüpfen. Dabei möchte der 29-Jährige gerne langfristige Lieferbeziehungen eingehen, die zu ihm und seinem Betrieb passen. Kerski nimmt gerne neue Anfragen für die Abnahme seiner Jungpflanzen im Jahr 2023 entgegen. Für die Saison 2022 sind seine Jungpflanzen bereits restlos ausverkauft. (Baumschule Christian Kerski)

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