FFH: Fairer Handel immer gefragter

Im Geschäftsjahr 2018 gaben die Verbraucher*innen in Deutschland 1,7 Mrd. Euro für Produkte aus Fairem Handel aus. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von 15%.

In punkto Absatz belegen weiterhin Bananen den ersten Platz im Fairen Handel. Bild: GABOT.

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Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich der Umsatz im Fairen Handel mehr als verdoppelt. „Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin geschätzte 99% des Handels nicht fair sind. Dieser geht noch viel zu häufig zu Lasten von Mensch und Umwelt“, erklärt Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel. Das betrifft insbesondere Kleinbäuer*innen und deren Familien im Globalen Süden, aber auch die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland und Europa.

Im Durchschnitt gaben die Verbraucher*innen in Deutschland in 2018 pro Kopf 20,50 Euro für faire Lebensmittel, Textilien und Handwerksprodukte aus. Mit 1,36 Mrd. Euro trug das Fairtrade-Produktsiegel den größten Anteil zum Gesamtumsatz bei. Die anerkannten Fair-Handels-Unternehmen vertrieben im vergangenen Jahr fair gehandelte Waren im Wert von 209 Mio. Euro. Sie sind ausschließlich im Fairen Handel tätig und folgen mit ihrer Unternehmenspolitik seinen international definierten Grundsätzen. In den Weltläden, den Fachgeschäften des Fairen Handels, wurden Waren im Wert von 78 Mio. Euro verkauft.

Fairer Handel – auch im Norden eine Frage der Gerechtigkeit

„Auch hierzulande kämpfen angesichts des Preisdrucks, den die großen Einzelhandelskonzerne erzeugen, kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe um ihre Existenz“, konstatiert Manuel Blendin. „Weil faire Preise und eine wirtschaftliche Perspektive keine Frage der Geografie, sondern der Gerechtigkeit sind, gewinnt der Faire Handel als Alternative auch im Globalen Norden an Bedeutung“, stellt Blendin fest. In 2018 wurden fair gehandelte landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Europa im Wert von 112,7 Mio. Euro verkauft. „Fairer Handel heißt für mich, von der Arbeit, die ich liebe, auch vernünftig leben zu können. Dazu gehört vor allem auch Planungssicherheit. Damit auch die nächste Generation eine Perspektive auf dem Hof hat“, erklärt Jakob Sichler, Naturland Bauer. Er liefert seine Milch an die genossenschaftlich organisierte Molkerei Berchtesgadener Land und erhält dafür überdurchschnittliche Preise – denn seine Milch steht später mit dem Naturland Fair Zeichen im Kühlregal. Die Molkerei nimmt auch kleinen Bauernhöfen in entlegenen und schwer erreichbaren Bergregionen die Milch ab. Und sichert so den Fortbestand kleinbäuerlicher Landwirtschaft in der Region.

Umsatzstärkstes Produkt mit ungewisser Zukunft: Der Kaffee

Mit einem Anteil von 32% ist Kaffee weiterhin das umsatzstärkste Produkt im Fairen Handel. Im Geschäftsjahr 2018 ist der Absatz von fairem Röstkaffee in Deutschland um 9% gewachsen. Damit stammt jede zwanzigste Tasse Kaffee, die in Deutschland getrunken wird, aus Fairem Handel. Wie weit der Weg zu gerechten Handelsstrukturen dennoch ist, verdeutlicht die prekäre Situation der Kaffeebäuer*innen weltweit. Angesichts von Niedrig preisen auf dem Weltmarkt können über die Hälfte von ihnen im konventionellen Handel nicht einmal ihre Produktionskosten decken. Die Situation für Kaffeebäuer* innen ist schon seit Jahrzehnten angespannt, hat sich im vergangenen Jahr jedoch noch einmal deutlich verschlechtert. Das hat zum einen mit den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu tun. Zum anderen sorgte ein weltweiter Produktionsanstieg – getrieben durch wachsende Erträge in Anbauländern wie Brasilien und Vietnam – für einen Verfall des Börsenpreises. Die Preisschwankungen werden durch Spekulationen auf den Kaffeepreis potenziert. Vor diesem Hintergrund geben immer mehr Produzent*innen den Kaffeeanbau auf und sehen Migration als einzigen Ausweg.

„Während sich die Produzent*innen in einer existenziellen Krise befinden, streichen die großen Röster und Händler mit Kaffee stetig wachsende Gewinne ein“, erklärt Manuel Blendin. Das ist leider keine neue Entwicklung: Die Studie „Kaffee: Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise“ belegt, dass die Wertschöpfung bei Röstern und Händlern in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren um 139% stieg, während sie in den Produktionsländern um 10% gesunken ist. Diese Ungerechtigkeit kann nicht allein durch informierte Verbraucher*innen und deren Konsumverhalten gelöst werden. Systemische Probleme brauchen politische Lösungen. „Deshalb setzen wir uns in Deutschland für die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee ein“, erklärt Manuel Blendin mit Blick auf die Bundesregierung. Doch damit möglichst viele Kaffeebäuer*innen bessere Bedingungen erhalten, braucht es zudem übergreifende gesetzliche Regelungen.

Süße Frucht, bittere Realität: Die Banane

In punkto Absatz belegen weiterhin Bananen den ersten Platz im Fairen Handel. Mit rund 95.000 Tonnen haben sie in Deutschland einen Marktanteil von rund 14 % erreicht. Doch dieser positiven Entwicklung steht der harte Preiskampf entgegen, den sich die Lebensmitteleinzelhandels-Riesen um die Lieblingsfrucht der Deutschen liefern. Produzent*innen, die ihre Bananen zu Fairtrade-Konditionen oder an Fair-Handels-Unternehmen wie BanaFair verkaufen, profitieren von besseren Preisen und verlässlichen Handelspartnerschaften. Für die Mehrheit der Bananenbäuer*innen und Plantagenarbeiter*innen sind Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen jedoch an der Tagesordnung. Laut Oxfam Deutschland ist der Einfuhrpreis von Bananen in Deutschland zwischen 2015 und 2018 um 20% gefallen. Auf der anderen Seite sind die Produktionskosten in Lateinamerika im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegen. Auch der Rückzieher der Discounterkette Lidl, ihre Bananen auf 100 % Fairtrade umzustellen, verdeutlicht: Freiwillige Initiativen von Unternehmen reichen alleine nicht aus, um faire Handelsbedingungen herzustellen.

„Aus diesem Grund fordern wir eine gesetzliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für deutsche Unternehmen entlang ihrer Lieferketten. Sie müssen dafür Verantwortung übernehmen, dass ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden und deren Erzeuger*innen von ihrem Einkommen oder Lohn ein menschenwürdiges Leben führen können“, erklärt Manuel Blendin. „Wer dies nicht tut, muss im Schadensfall von den Betroffenen haftbar gemacht werden können“, ergänzt Blendin. (FFH)

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