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Deutsches Gartenbaumuseum: "Chernobyl Herbarium"
Im Zentrum ihrer künstlerischen Praxis steht die Frage, welche transformative Kraft Bilder und Erzählungen entfalten können insbesondere im Hinblick auf ein verändertes Zusammenleben von Mensch, Umwelt und anderen Lebensformen.
Tondeurs Ansatz ist dabei konsequent situiert: Sie arbeitet direkt in Landschaften, die durch menschliche Eingriffe gestört oder zerstört wurden. Aus diesen Kontexten heraus entwickelt sie neue Formen der Beziehung zur Erde – mit dem Ziel, bestehende Verbindungen nicht nur neu zu denken, sondern auch zu regenerieren. Ihre Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld der sogenannten „kritischen Zone", jener dünnen, fragilen Schicht der Erdoberfläche, in der Leben überhaupt erst möglich ist.
Ein zentrales Projekt dieser Forschung ist das Chernobyl Herbarium. Ausgangspunkt ist die Sperrzone von Tschernobyl – ein Gebiet im Umkreis von 30 Kilometern um den 1986 explodierten Reaktor Nr. 4. Seit 2011 arbeitet Tondeur mit Pflanzen aus dieser radioaktiv kontaminierten Landschaft. In Zusammenarbeit mit Biogenetiker_innen, die die Auswirkungen von Radioaktivität auf Flora untersuchen, erhält sie jährlich eine Pflanze aus der Zone. Diese bildet die Grundlage für eine fortlaufende Serie fotografischer Arbeiten: sogenannte Rayogramme. Bei diesem Verfahren, einer Form der Kontaktfotografie, werden Pflanzen direkt auf lichtempfindliche Platten gelegt.
Die Serie wächst kontinuierlich – ein Rayogramm pro Jahr seit der Katastrophe von 1986. Inzwischen umfasst sie 40 Arbeiten und reflektiert zugleich historische Brüche und globale Krisen, von der Pandemie bis zum Krieg.
Anlässlich des 40. Jahrestages der Reaktorkatastrophe (26. April 1986) von Tschernobyl zeigt das Deutsche Gartenbaumuseum im Rahmen des Jubiläums 65 Jahre egapark und Deutsches Gartenbaumuseum diese Ausstellung in Erfurt.

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