Hohe Düngemittelpreise: DRV begrüßt Unterstützungsmaßnahmen

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) begrüßt, dass die Europäische Union die Landwirtschaft angesichts der stark gestiegenen Düngemittelpreise infolge des Nahost-Kriegs finanziell unterstützen will.

Spinne: "Wir brauchen gezielte Risikoabsicherung und kein Gießkannenprinzip". Foto: DRV.

Anzeige

„Die EU setzt die richtigen Signale. Jetzt kommt es darauf an, die verfügbaren Mittel so einzusetzen, dass sie einen konkreten Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten“, erklärt DRV-Vorstand Dr. Philipp Spinne. „Die Gelder dürfen nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, sondern müssen gezielt als Beitrag zur Risikoabsicherung in Wirkung gebracht werden.“ Nur wenn in den kommenden Wochen und Monaten ausreichend Mengen geordert werden, kann die Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemitteln für das Frühjahr 2027 sichergestellt werden. Spinne: „Eine gute Getreideernte braucht gut gefüllte Düngerlager.“

Der DRV beobachtet derzeit eine deutliche Kaufzurückhaltung bei Stickstoffdüngern aufgrund der stark gestiegenen Preise durch den Krieg im Iran. Viele landwirtschaftliche Betriebe setzen auf sinkende Preise in den kommenden Monaten. Entsprechend verschieben sie ihre Kaufentscheidungen.

Diese Entwicklung birgt nach Einschätzung des DRV erhebliche Risiken. Der Verband weist daraufhin, dass die Einlagerung von Düngemitteln für die Frühjahrssaison üblicherweise im Juni des Vorjahres beginnt. Wird die Einlagerung aufgrund ausbleibender Bestellungen verzögert, besteht die Gefahr, dass im Frühjahr 2027 nicht ausreichend Düngemittel zur Verfügung stehen. Spinne warnt: „Die aktuelle Kaufzurückhaltung kann sich im kommenden Frühjahr zu einem Versorgungsproblem entwickeln. Wenn Bestellungen erst kurz vor der Düngesaison erfolgen, stoßen die Transportkapazitäten zwangsläufig an ihre Grenzen. Versorgungssicherheit entsteht Monate vor der Ausbringung – nicht erst im Frühjahr.“

Vor diesem Hintergrund spricht sich der DRV gegen eine pauschale Verteilung der EU-Mittel aus. Würden die Deutschland in Aussicht gestellten rund 60 Millionen Euro an Unterstützungsgeldern pauschal nach Anbaufläche ausgeschüttet werden, entspräche dies lediglich etwa 3,60 Euro je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche beziehungsweise 5,20 Euro je Hektar Ackerfläche. „Ein Anreiz für frühzeitige Kaufentscheidungen zur Absicherung gegen drohende Versorgungslücken ist damit nicht verbunden“, betont Spinne.

Stattdessen fordert der DRV ein möglichst unbürokratisches, wettbewerbsneutrales Förderinstrument, das unmittelbar an den frühzeitigen Erwerb oder die verbindliche Kontrahierung stickstoffhaltiger Düngemittel anknüpft. Denkbar wäre beispielsweise ein zeitlich befristeter Zuschuss je Kilogramm Stickstoffdünger, dessen Höhe im Jahresverlauf schrittweise sinkt und damit einen frühen Kauf besonders attraktiv macht. „Die begrenzten Mittel müssen dort eingesetzt werden, wo sie den größten Hebeleffekt entfalten“, betont DRV-Vorstand Spinne. „Wer heute frühzeitig bestellt, sichert nicht nur seine eigene Ernte, sondern trägt dazu bei, dass die gesamte Versorgungskette funktioniert. Genau diesen Beitrag zur Versorgungssicherheit sollten die EU-Hilfen honorieren.“

Der DRV verweist darauf, dass andere europäische Staaten bereits in diese Richtung denken. Frankreich hat angekündigt, seine Hilfen gezielt zur Wiederbelebung der Düngemittelkäufe einzusetzen und damit die Ernte 2027 abzusichern. Auch aus Polen werden vergleichbare Überlegungen bekannt.

Spinne: „Die Gelder müssen dazu beitragen, dass notwendige Beschaffungsentscheidungen jetzt getroffen werden – und nachher den Erzeugerinnen und Erzeugern nicht auf die Füße fallen, weil die Düngemittel dem deutschen Markt womöglich nicht mehr zur Verfügung stehen. Nur so leisten die Mittel einen wirksamen Beitrag für Versorgungssicherheit, Marktstabilität und eine erfolgreiche Ernte 2027.“

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.