BVL: Keimbelastung von Sprossen bleibt im Fokus

In der überwiegenden Mehrheit sind Lebensmittel in Deutschland sicher. Die Daten der Lebensmittelüberwachung in Deutschland für das Jahr 2011 zeigen jedoch auch, dass es Bereiche gibt, in denen eine Gesundheitsgefahr bestehen kann oder die Verbraucher getäuscht werden.

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In der überwiegenden Mehrheit sind Lebensmittel in Deutschland sicher. Die Daten der Lebensmittelüberwachung in Deutschland für das Jahr 2011 zeigen jedoch auch, dass es Bereiche gibt, in denen eine Gesundheitsgefahr bestehen kann oder die Verbraucher getäuscht werden. „Dazu gehören beispielsweise die Belastung von Sprossen mit krankheitserregenden Keimen oder die falsche Kennzeichnung von Fischgerichten“, erklärte Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), am Donnerstag in Berlin. Risiken drohen den Verbrauchern auch beim Einkauf von Lebensmitteln im Internet, insbesondere beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln. 

Der EHEC-Ausbruch im vergangenen Jahr ließ mehrere Tausend Menschen erkranken, 53 starben. Bereits vor Beginn des Ausbruchs hatten Bund und Länder beschlossen, den mikrobiellen Status von Keimlingen im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsprogramms (BÜp) noch einmal zu untersuchen. Denn schon 2007 hatte es ein Untersuchungsprogramm gegeben, bei dem verpackte Sprossen und Keimlinge durch Kontaminationen mit Salmonellen und Listerien aufgefallen waren. Das Programm 2011, bei dem 154 Proben verpackte Keimlinge und Sprossen aus dem Einzelhandel sensorisch und mikrobiologisch untersucht wurden, zeigte ein positiveres Bild. Nur 5 von 133 sensorisch untersuchten Proben waren auffällig. In keiner der untersuchten Proben wurden Koagulase positive Staphylokokken oder vero toxinbildende Escherichia coli (VTEC), zu denen die EHEC-Erreger gezählt werden, gefunden. Die sechs Proben von Mungobohnensprossen, in denen Listerien nachgewiesen wurden, wiesen alle Gehalte unterhalb des festgelegten mikrobiologischen Lebensmittelsicherheitskriteriums auf. In einer Probe Mungobohnensprossen, die auch mit einem Krankheitsausbruch in Verbindung stand, wurde Salmonella Newport nachgewiesen. „Trotz dieser größtenteils positiven Ergebnisse sollten Sprossen und Keimlinge weiterhin verstärkt kontrolliert werden“, stellte BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg fest. „Der EHEC-Ausbruch hat gezeigt, dass schon eine geringfügige Kontamination mit Keimen zu einem großen und schweren Krankheitsgeschehen führen kann.“

Kontrolle von Großküchen und –kantinen
Einen Schwerpunkt der Betriebskontrollen des Bundesweiten Überwachungsplanes 2011 bildete die Überwachung von Großküchen und –kantinen, die eigene Speisen herstellen. Ziel dieses Programms war es, Schwachstellen zu erkennen und die Herstellungsprozesse bei Bedarf optimieren zu können. Mehr als 1.000 Betriebskontrollen in allen Bundesländern erbrachten ein positives Bild: In allen Kontrollbereichen – von der Lagerung bis zur Personalhygiene, von der Zubereitung bis zur Desinfektion – gab es im Durchschnitt gute bis sehr gute Bewertungen durch die amtlichen Kontrolleure. In 10,4% der Kontrollen mussten mündliche bzw. schriftliche Verwarnungen ausgesprochen werden, in 2,4% schriftliche Verfügungen. Größere Schwachstellen sind generell in den Großküchen und Großkantinen nicht zu erkennen gewesen. 

Verbrauchertäuschung
Gesundheitlich unbedenklich, aber für den Verbraucher äußerst ärgerlich sind Fälle von Täuschungen beim Rest aurantbesuch. So wurde in einem Programm des BÜp 2011 überprüft, ob der Gast auch tatsächlich Seezunge (Solea solea) erhält, wenn er Seezunge bestellt oder ob er eventuell eine preiswertere Fischart serviert bekommt. Da eine Tierartbestimmung an Fischportionen mit bloßem Auge kaum möglich ist, wurden zur sicheren Überprüfung der Deklaration molekularbiologische Methoden eingesetzt. Bei 32% der 210 untersuchten Proben wurde die angegebene Fischart Seezunge nicht nachgewiesen. Bei den Filetproben wurde sogar in 47% der Proben eine abweichende Fischart nachgewiesen. „Hier liegt eine grobe Täuschung der Verbraucherinnen und Verbraucher vor, um die sich die amtliche Lebensmittelkontrolle verstärkt kümmern wird“, so Dr. Volker Kregel, derzeit Vorsitzender der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV).

Kontrolle des Internethandels
Seit Beginn des Jahres 2011 ar beitet das BVL in einem von zehn Bundesländern unterstützten Pilotprojekt „Kontrolle des Internethandels mit Lebensmitteln“. Das BVL berät zurzeit mit der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV) die Modalitäten, um das Projekt ab Mitte 2013 als Daueraufgabe weiterzuführen. Die Ermittlungen der Projektgruppe hatten gezeigt, dass ca. 25% der Unternehmen, die im Internet Lebensmittel verkauften, zum Zeitpunkt der Überprüfung nicht registriert und somit der Lebensmittelüberwachung nicht bekannt waren. Bei den reinen Onlinehändlern waren es sogar knapp über 40%.

Des Weiteren kontrollierte die Projektgruppe beim BVL stichprobenartig die angebotenen Produkte. „Der Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Nahrungsergänzungsmitteln“, erklärte Projektleiter Dr. Georg Schreiber vom BVL. „Auffällig sind insbesondere Schlankheits-, Schönheits- und Potenzs teigerungsmittel, Anti-Aging-Produkte sowie Sportlernahrung. Der Markt ist nahezu unüberschaubar. Oft wird das Blaue vom Himmel versprochen, tatsächlich enthalten viele Mittel gesundheitsschädliche Substanzen.“

Insgesamt wurden im Rahmen des Projektes 1.081 Angebote von 562 unterschiedlichen Anbietern ermittelt. Die Ergebnisse dieser Recherchen wurden den Bundesländern, gegebenenfalls auch EU-Mitgliedstaaten und Drittländern zur Verfügung gestellt, die entsprechende Maßnahmen ergriffen haben. Rückmeldungen der teilnehmenden Bundesländer zeigen, dass ca. 80% der Produkte danach bei dem betreffenden Anbieter nicht mehr online verfügbar waren. 

In einigen Fällen wurden jedoch Gesetzeslücken offenbar. So fielen bei der Recherche Onlineshops auf, die es durch die Nutzung von Briefkastenadressen schaffen, selbst für Strafverfolgungsbehörden nicht auffindbar zu sein. „Ein möglicher Ansatz ist, eine Rechtsgrundlage für die Abschaltung dieser Webseiten zu schaffen“, erklärte Dr. Georg Schreiber. 

Daten zur Lebensmittelüberwachung 2011
Die amtliche Lebensmittelüberwachung der Länder hat im Jahr 2011 insgesamt 933.751 Kontrollbesuche in 548.233 Betrieben durchgeführt. Bei knapp 27% (rund 146.000 Betrieben) stellten die Kontrolleure Verstöße fest und leiteten entsprechende Maßnahmen ein. Von den 402.082 untersuchten Lebensmittelproben wurden 13% (52.442) beanstandet. (BVL) 

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