Bayer: Drittes Quartal herausfordernd

Bayer hält nach einem saisonal bedingt schwierigen dritten Quartal an seinen Zielen für das Geschäftsjahr 2020 fest.

Das Bayer-Kreuz bei Nacht. Bild: Bayer AG.

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„Trotz des schwachen Quartals und erheblicher Auswirkungen der Pandemie liegen der währungs- und portfoliobereinigte Umsatz und das bereinigte Ergebnis je Aktie dank des entschlossenen Kostenmanagements und der Beschleunigung der Strukturmaßnahmen für die ersten neun Monate auf Vorjahreshöhe. Wir können unseren währungsbereinigten Konzernausblick für 2020 bestätigen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Dienstag bei einer Telefon-Pressekonferenz. Finanzvorstand Wolfgang Nickl fasste die Geschäftsentwicklung zusammen: „Wir haben ein herausforderndes Quartal in unserem Agrargeschäft gesehen, eine Erholung in unserem Pharmageschäft und starkes Wachstum bei Consumer Health.“ In der Pandemie hat für Bayer die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach wie vor höchste Priorität. Mit seinen umfassenden Schutzmaßnahmen will das Unternehmen sicherstellen, dass es Patienten, Landwirte und Verbraucher weiterhin zuverlässig mit seinen Produkten versorgen kann, insbesondere mit lebensrettenden Medikamenten.

„Die Auswirkungen der Pandemie verstärken die Belastungen für unsere Division Crop Science. Hinzu kommen negative Währungseffekte wie die massive Abwertung des brasilianischen Real, die das Geschäft im zweitgrößten Agrarmarkt der Welt deutlich belastet“, sagte Nickl. Die Belastungen im Agrargeschäft führten – wie am 30. September angekündigt – zu nicht zahlungswirksamen Wertberichtigungen für die Division.

AskBio-Übernahme stärkt langfristige Wachstumsperspektive

Einen sehr wichtigen strategischen Schritt hat Bayer in der vergangenen Woche mit der Übernahme von Asklepios BioPharmaceuticals angekündigt. AskBio ist ein US-Pharmaunternehmen, das auf die Forschung, Entwicklung und Herstellung von Gentherapien in verschiedenen therapeutischen Gebieten spezialisiert ist. „Durch diese Akquisition stärken wir unsere Position im Bereich von Zell- und Gentherapien ganz erheblich“, sagte Baumann. „Bayer ist wie kaum ein anderes Unternehmen aufgestellt, um das langfristige Innovationspotenzial der Bio-Revolution in den Bereichen Gesundheit und Landwirtschaft zu realisieren und einen entscheidenden Beitrag zur Lösung einiger der drängendsten Menschheitsfragen zu leisten: Wie sichern wir in Zeiten des Klimawandels die Nahrungsversorgung von bis zu 10 Mrd. Menschen im Jahr 2050? Und wie sichern wir die Lebensqualität von immer mehr älteren Menschen? In der Beantwortung dieser Fragen liegt unsere attraktive langfristige Wachstumsperspektive.“

Im dritten Quartal ging der Konzernumsatz währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 5,1% auf 8,506 Mrd. Euro zurück. Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Konzerns sank um 21,4% auf 1,795 Mrd. Euro. Hierin enthalten waren negative Währungseffekte in Höhe von 205 Mio. Euro. Das EBIT betrug minus 9,399 (Vorjahr: plus 1,208) Mrd. Euro. Dabei wirkte sich die nicht zahlungswirksame Wertberichtigung auf immaterielle Vermögenswerte sowie Geschäfts- und Firmenwert in der Division Crop Science mit insgesamt 9,251 Mrd. Euro aus.

Sonderaufwendungen im EBIT in Höhe von 10,181 Mrd. (13 Mio.) Euro standen im Zusammenhang mit der genannten Wertberichtigung sowie mit Rückstellungen in Bezug auf mögliche zukünftige Rechtsstreitigkeiten zu Roundup™ im Rechtskomplex Glyphosat. Weitere Sonderaufwendungen resultierten aus dem laufenden Restrukturierungsprogramm und aus Rechtsfällen bei Pharmaceuticals. Das Konzernergebnis lag bei -2,744 (+1,036) Mrd. Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft sank um 30,2% auf 0,81 Euro, lag aber in den ersten neun Monaten des Jahres mit 5,07 Euro auf Vorjahresniveau.

Der Free Cash Flow verringerte sich im dritten Quartal um 2,1% auf 1,237 Mrd. Euro. Die Nettofinanzverschuldung konnte zum 30. September gegenüber Ende Juni 2020 um 21,5% auf 28,268 Mrd. Euro reduziert werden, im Wesentlichen aufgrund der Erlöse aus dem Verkauf der Geschäftseinheit Animal Health.

Crop Science von hohen Produktretouren belastet

Im Agrargeschäft (Crop Science) verringerte sich der Umsatz wpb. um 11,6% auf 3,028 Mrd. Euro. Hiervon war insbesondere die Region Nordamerika betroffen. In Asien/Pazifik hingegen steigerte die Division den Umsatz. Im Bereich Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften war das globale Geschäft wpb. um 39,9% rückläufig. Insbesondere in Nordamerika sank der Umsatz durch höhere Retouren und gesunkene Lizenzeinnahmen erheblich, weil die Anbauflächen für Mais in diesem Jahr geringer waren als geplant. Bei Herbiziden ergab sich im Vergleich zum starken Vorjahresquartal wpb. ein Umsatzrückgang von 12,7%, vor allem in Nordamerika, wo sich im Vorjahr aufgrund von extremen Wetterbedingungen im ersten Halbjahr Umsätze ins dritte Quartal verschoben hatten.

Im Bereich Sojabohnensaatgut und Pflanzeneigenschaften blieb der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres (wpb. plus 0,2%). Ein Zuwachs in Lateinamerika konnte den Absatzrückgang in Nordamerika ausgleichen. Bei den Fungiziden stieg der Umsatz wpb. um 12,0%. Zuwächse gab es hier in allen Regionen. In Lateinamerika profitierte Bayer vor allem von der Umstellung des Marktes auf das Produkt Fox Xpro™ in Brasilien.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Crop Science belief sich auf minus 34 (Vorjahr: plus 500) Mio. Euro. Das Ergebnis ist im Wesentlichen auf den Umsatzrückgang in Nordamerika zurückzuführen, vor allem aufgrund der negativen Retourenbilanz. Ein negativer Währungseffekt von 123 Mio. Euro belastete zusätzlich.

Eine erfreuliche Nachricht kam im Oktober aus den USA: Die dortige Umweltbehörde EPA erteilte eine neue fünfjährige Zulassung für das XtendiMax™-Herbizid mit VaporGrip™-Technologie. Das auf dem Wirkstoff Dicamba basierende Produkt ist für viele Landwirte in den USA ein wichtiges Werkzeug zur Kontrolle von Unkräutern. Damit ist die Unsicherheit beendet, die sich ergeben hatte, nachdem ein US-Gericht im Juni den Einsatz von Dicamba untersagt hatte.

Im Zusammenhang mit glyphosatbasierten Roundup™-Produkten hat das Unternehmen zu etwa 88.500 Klagen verbindliche Vergleichsvereinbarungen abgeschlossen, ist derzeit dabei, diese abzuschließen oder hat sich bisher dem Grund nach geeinigt. Ende Juni hatte Bayer von etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen berichtet, wobei diese Zahl bis zum Abschluss der Vergleiche nicht fix sein wird – angesichts von Unsicherheiten in puncto Berechtigung und Teilnahme. Mit Blick auf mögliche künftige Roundup™-Klagen arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit den Klägeranwälten weiter an einem konstruktiven Vorschlag, um die Kritikpunkte des Gerichts zur Zufriedenheit aller Parteien zu lösen. Obwohl Fortschritte erzielt wurden, wird dieser Prozess mehr Zeit brauchen. Im dritten Quartal hat Bayer zusätzliche Rückstellungen für die Lösung möglicher künftiger Klagen gebildet. Es ist absehbar, dass das neue Konzept etwa 2 Mrd. US-Dollar kosten wird und damit mehr als die ursprünglich erwarteten 1,25 Mrd. US-Dollar. Nach Abschluss der formellen Vereinbarung wird das Unternehmen einen Antrag auf vorläufige Genehmigung einreichen.

Währungsbereinigter Konzernausblick für 2020 bestätigt

Den angepassten währungsbereinigten (wb.) Ausblick des Konzerns für das Gesamtjahr 2020 bestätigte Bayer. Das Unternehmen erwartet wb. einen auf 43 bis 44 Mrd. Euro erhöhten Umsatz und eine Steigerung der um Sondereinflüsse bereinigten EBITDA-Marge auf etwa 28%. Das entspräche wb. einem EBITDA vor Sondereinflüssen von etwa 12,1 Mrd. Euro. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie geht Bayer von einem wb. Anstieg auf 6,70 bis 6,90 Euro aus. Jedoch erwartet das Unternehmen aufgrund veränderter Wachstumsannahmen nun ein wpb. Umsatzwachstum bei Crop Science von 1% (bisher: 2%) und bei Consumer Health von 5% (bisher: 4%) . Auf der Währungsseite rechnet Bayer für das Gesamtjahr mit nochmals steigenden negativen Effekten auf Umsatz und Ergebnis. (Bayer)

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