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Agropole Innovates: Projektpartner ziehen Bilanz
Im Mittelpunkt des Treffens standen die vier Innovationsprojekte Benefits of Frass, Pro Healthy Tree, Digital Talking Tree und Pig Data. Sie zeigen beispielhaft, wie datenbasierte, biologische und digitale Ansätze zu mehr Nachhaltigkeit, Effizienz sowie zur Stärkung der Tier‑ und Pflanzengesundheit beitragen können.
Kritischer Blick auf Insektenfrass als Dünger
Im Projekt Benefits of Frass lag der Fokus auf der Analyse von Frass, einem Reststoff der Insektenproduktion, der aus Chitin, Futterresten und dem Kot der Insekten besteht. Dabei wurde insbesondere der Frass aus der Produktion der Schwarzen Soldatenfliege betrachtet. Die Ergebnisse zeigen einige Herausforderungen für die Vermarktung von Frass als Bodenverbesserer: Nährstoffgehalte wie Magnesium, Kupfer, Mangan oder Eisen variieren stark – abhängig vom eingesetzten Futtermittel und Insektenart. Zudem wurde deutlich, dass ein hoher Gesamtstickstoffgehalt nicht automatisch bedeutet, dass dieser auch pflanzenverfügbar ist. Eine hohe Freisetzung von Ammoniak aus dem Frass kann sogar toxisch wirken und die Keimung von Pflanzen hemmen.
Die Hochschule positioniert sich hier bewusst als kritische Instanz und warnt davor, Frass auf Basis der derzeitigen Erkenntnisse und der schwankenden Qualität pauschal als guten Dünger zu vermarkten. Gleichzeitig wurden neue Anwendungsideen diskutiert, etwa der Einsatz im Baumschulbereich zur Unkrautunterdrückung bei gleichzeitiger Langzeitdüngung. Erste praktische Versuche wurden hierfür in Aussicht gestellt.
Gesündere Bäume durch nachhaltigen Pflanzenschutz
Das Projekt Pro Healthy Tree zeigt eindrucksvoll, dass biologische Behandlungsstrategien für bestimmte Baumarten und Krankheiten mit klassischen chemischen Verfahren mithalten können – und dabei deutlich schonender für Baum und Umwelt sind. Über mehrere Jahre hinweg wurde nachgewiesen, dass Mittel, die im biologischen Anbau zugelassen sind, bei der Mehltaubekämpfung an Quercus und Amelanchier eine vergleichbare Wirksamkeit erzielen wie chemische Standardmaßnahmen.
Ein großer Vorteil der im biologischen Anbau zugelassenen Mittel war die deutlich gesündere Haptik der Bäume. Chemisch behandelte Amelanchier waren zwar ebenfalls frei von Mehltau, zeigten jedoch häufig ein langsameres Wachstum und frühzeitig gelbe Blattverfärbungen. Als besonders vielversprechend erwies sich zudem der Einsatz rein pflanzlicher Aminosäuren, die bei präziser, wetterabhängiger Anwendung sehr gute Ergebnisse bei der Bekämpfung von Blattflecken an Tilia lieferten. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sich der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel deutlich reduzieren und teilweise sogar ganz vermeiden lässt.
Darüber hinaus wurde im Projekt eine geeignete Vorgehensweise für den Eichenborkenkäfer entwickelt und erprobt. Zwar konnte bislang noch keine vollständig praktikable Bekämpfungsstrategie abgeleitet werden, die gewonnenen Erkenntnisse liefern jedoch eine wertvolle Grundlage für weiterführende Forschungsarbeiten.
Wenn Bäume „sprechen“ – digitale Sensortechnik im Einsatz
Im Innovationsprojekt Digital Talking Tree wurde untersucht, wie Bäume mithilfe moderner Sensorik noch besser verstanden werden können. Dendrometer, Saftflusssensoren und weitere Messsysteme lieferten kontinuierlich Daten zu Wachstum, Wasserhaushalt sowie zu Faktoren, die Stress oder Gesundheit der Bäume digital sichtbar machen.
Diese Informationen wurden in einem Dashboard aufbereitet und mit Sensor- und Wetterdaten sowie dem sichtbaren Krankheitsverlauf an den Bäumen zu einem Prognosemodell verknüpft. So lassen sich Risiken wie Trockenstress oder Krankheitsdruck frühzeitig erkennen und präventiv behandeln, statt erst bei sichtbaren Schäden zu reagieren. Das Prognosemodell wird aktuell getestet, mit dem Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch frühzeitige Prävention langfristig weiter zu reduzieren.
Datenbasierte Lösungen für Tierwohl und Effizienz
Im Innovationsprojekt Pig Data wurde deutlich, wie digitale Technologien zu mehr Tierwohl,einer verbesserten Klimakontrolle und effizienteren Abläufen in der Schweinehaltung beitragen können. Mithilfe von Sensorik und dem sogenannten Health System werden umfangreiche Daten zu Wachstum, Stallklima, Emissionen und Transportbedingungen erfasst und ausgewertet.
Ziel ist es, durch ein umfassendes Tracking möglichst viele relevante Daten zu erfassen. Auf dieser Grundlage lassen sich Informationen ableiten, die frühzeitig Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit ermöglichen. Ein zentrales Ziel ist ein möglichst gleichmäßiges Wachstum der Tiere sowie die Vermeidung schwacher Ferkel bei der Geburt. Große Gewichtsunterschiede innerhalb einer Bucht führen zu Stress bei den Tieren und erschweren betriebliche Abläufe.
Durch die Rückverfolgbarkeit der Genetik einzelner Schweine und die gezielte Zusammenführung geeigneter Elterntiere können die Geburtsgewichte der Ferkel stärker angeglichen und damit eine größere Einheitlichkeit innerhalb eines Wurfes erreicht werden. Ein digitaler Zwilling ermöglicht zudem Prognosen zur Tierentwicklung und unterstützt Zucht- und Managemententscheidungen. Auch regulatorische Anforderungen, etwa zur Temperaturüberwachung beim Transport, lassen sich durch das digitale System zuverlässig erfüllen und dokumentieren.
Ausblick: Gemeinsamer Projektabschluss am 16.06.2026
Das letzte Partnertreffen machte deutlich, wie wertvoll der offene Austausch zwischen den Projektpartnern über Ländergrenzen hinweg war und welche wertvollen Ergebnisse durch den Input aller Partner gewonnen werden konnten. Agropole Innovates hat wichtige Impulse für nachhaltige Innovationen in der Agrarbranche gesetzt und gleichzeitig gezeigt, dass Innovation auch kritische Bewertung und realistische Einordnung erfordert.

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