25 Jahre Paludikultur: Jetzt entsteht das PaludiNetz

25 Jahre Paludikultur und die Zusammenarbeit in neun langfristig angelegten Projekten zum Moorbodenschutz: Das feiern das Thünen-Institut, die Universität Greifswald und die Michael Succow Stiftung am Montag und Dienstag, 10. und 11. Juni, mit einer gemeinsamen Veranstaltung im Forum des Thünen-Instituts in Braunschweig.

Torfmoosanbau aus Paludikultur. Bild: GABOT.

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Vor 25 Jahren hat Hans Joosten, Träger des Deutschen Umweltpreises und damals lehrender Professor an der Universität Greifswald, das Wort Paludikultur aus der Taufe gehoben. Aus zwei lateinischen Worten puzzelte er es zusammen: Aus palus für Sumpf und cultura für Anbau. Ziel war, den Schutz und die Nutzung von Mooren in Einklang zu bringen.

Seither hat die klimafreundliche nachhaltige Nutzung nasser Moorflächen eine beachtliche Entwicklung genommen: Von der Nische, der sich wenige Pioniere in Pilotprojekten widmeten, zu einem Thema, das heute viele Akteure in der Landwirtschaft und in der Politik von kommunaler bis europäischer Ebene und zunehmend auch Unternehmen aus anderen Wirtschaftszweigen als Chance wahrnehmen.

Langfristig angelegte Forschung und Modellvorhaben: PaludiZentrale und PaludiNetz

Neben wissenschaftlichen Beiträgen, Podiumsdiskussion und Postersession werden am 10. und 11. Juni im Thünen-Forum auch die Projekte WetNetBB, BLuMo (Brandenburg), LivingLab Teufelsmoor, MOOSland, RoNNi (Niedersachsen), Klimafarm (Schleswig-Holstein), PaludiMV (Mecklenburg-Vorpommern) und MoorWERT (Bayern) vorgestellt. Die vom BMEL geförderten Modell- und Demonstrationsvorhaben und die vom BMUV geförderten Pilotvorhaben sind auf zehn Jahre angelegt und arbeiten im PaludiNetz zusammen. Ihr Ziel ist es, Paludikulturen im praxisrelevanten Maßstab zu etablieren, zu bewirtschaften und Verwertungs- und Vermarktungsketten für die Biomasse aufzubauen.

Die PaludiZentrale, bestehend aus Universität Greifswald, Michael Succow Stiftung (beide Partner im Greifswald Moor Centrum) und dem Thünen-Institut, vernetzt und begleitet die Modellvorhaben. Sie sorgt für eine einheitliche Datenerfassung, wertet die Ergebnisse übergreifend wissenschaftlich aus und kümmert sich um den Wissenstransfer.

„Mit den PaludiNetz-Projekten, der intensiven wissenschaftlichen und kommunikativen Begleitung und der sich parallel formierenden Nachfrage-Allianz für Paludikultur-Produkte öffnet sich ein einzigartiges Zeitfenster, wirklich zu einer Verbesserung des Zustands der Moore in Deutschland zu kommen“, sagt Dr. Franziska Tanneberger, Projektleiterin bei der PaludiZentrale für die Universität Greifswald.

Paludikultur – warum?

Moore bedecken zwar nur 3% der globalen Landfläche, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie die Biomasse aller Wälder der Erde zusammen – so lange sie nass sind. In Deutschland trifft das derzeit lediglich auf circa 5% der Moorflächen zu. Hier und weltweit wurden die meisten Moore entwässert, um land- und forstwirtschaftlich genutzt zu werden. Das macht Moore zu Emittenten von Treibhausgasen und führt zur Degradation und zum Verlust dieser organischen Böden.

Moore wiederzuvernässen und zu nutzen, ist eine nachhaltige Alternative zur konventionellen Bewirtschaftung. Der Anbau von Schilf, Rohrkolben, Torfmoos und anderen Moorpflanzen kann Rohstoffe für den Bausektor, für die papierverarbeitende Industrie oder für die Substratherstellung liefern, und das mit mehrfachem Klimagewinn. Diese Art der Nutzung liefert einen regionalen und nachwachsenden Rohstoff, der gleichzeitig fossile Ressourcen ersetzt. Die zusätzlich eingesparten Treibhausgase der wiedervernässten Flächen machen Paludikultur-Produkte in Bezug auf ihre Klimabilanz zu Spitzenprodukten.

Angesichts der Klimakrise und der Notwendigkeit, Emissionen zu reduzieren, ist das Interesse an Paludikultur in Politik und Wirtschaft enorm gewachsen. „Das Erreichen der Klimaziele im Landnutzungssektor ist eine enorme Herausforderung, die eine großflächige und schnelle Vernässung von Mooren voraussetzt“, sagt Bärbel Tiemeyer vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz und Projektleiterin der PaludiZentrale. „Die Projekte im PaludiNetz bieten eine einmalige Chance, diese Transformation zu gestalten. Das ist eine große Verantwortung für die Akteure.“ 

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