Strom aus dem Moor: Projekt mit doppeltem Klimanutzen

Die tausende Jahre alten Baumstämme am Eingang weisen schon darauf hin: Diese Freiflächen-Photovoltaikanlage (PV) steht auf einem besonderen Boden.

Weltgrößte Moor-Photovoltaik-Anlage geht in Varel ans Netz. Bild: GABOT.

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„Die haben wir bei den Baumaßnahmen aus der Erde geholt“, sagte Lars Kaper, der zusammen mit seinem Nachbarn und Schwager Andreas Rengstorf nach fünfjähriger Bau- und Planungsphase Anfang des Jahres die weltweit größte Photovoltaik-Anlage in einem wiedervernässten Moor in Betrieb genommen hat. Auf rund 40 Hektar ehemaligem Weideland stehen die aufgeständerten Solarmodule. „Aufgrund des weichen Moorbodens mussten die Pfähle teilweise bis zu fünf Meter in den Boden gerammt werden, damit die Module dem Wind standhalten“, erläuterte Kaper eine der besonderen praktischen Herausforderungen.

Vor dem Baustart im Herbst 2024 lag eine fast vierjährige Planungsphase. „Für eine Moor PV-Anlage dieser Art gibt es keine Blaupause“, betonte Rengstorf. Viele technische und planerische Fragen mussten zum ersten Mal gelöst werden. „Solche Projekte gelingen nur mit politischer und behördlicher Unterstützung“, sind sich die beiden sicher. Bei der offiziellen Eröffnung hoben sie hervor, dass Stadt, Landkreis und Behörden das Vorhaben offen begleitet haben und politische Beschlüsse zum Bebauungsplan im Stadtrat von allen Parteien einstimmig getragen wurden. Entscheidend waren aus ihrer Sicht die Zusammenarbeit mit 18 Grundstückseigentümern, Netzbetreibern, Banken, Unternehmen und vielen weiteren Beteiligten. Zudem haben sich eine Bürgerenergiegenossenschaft und private Investoren beteiligt – nicht wegen überzogener Renditeerwartungen, sondern aus Überzeugung.

Die Anlage wirkt zudem als Forschungs- und Referenzstandort. „Dass Einrichtungen wie das Thünen-Institut, das Fraunhofer-Institut und die Universitäten Greifswald, Vechta, Göttingen sowie die Tierärztliche Hochschule Hannover im Rahmen der Projekte Moor-Power und agri:change die Fläche wissenschaftlich begleiten, werten wir als Zeichen, dass das Projekt über die reine Stromerzeugung hinaus Bedeutung hat“, sagte Rengstorf. Dies bekräftigte auch Ministerpräsident Olaf Lies bei der offiziellen Eröffnung. „Das Moor-PV-Projekt in Varel steht exemplarisch dafür, wie Klimaschutz, erneuerbare Energien, regionale Wertschöpfung und Biodiversität zusammengebracht werden können“, brachte er es auf den Punkt. Allerdings müsse Klimaschutz wirtschaftlich tragfähig sein. „Nur wenn sich solche Projekte rechnen, können sie in größerem Maßstab umgesetzt werden“, mahnte er. Er betonte, dass Niedersachsen beim Ausbau der Photovoltaik noch längst nicht am Ziel ist. Das Projekt in Varel sei deshalb ein wichtiger größerer Baustein.

„Die Motivation bei Nachahmern würde natürlich steigen, wenn die Reduktion der Kohlenstoffdioxid-Emissionen durch die Wiedervernässung ebenfalls vergütet würde“, sagte Kaper. Denn gerade der doppelte Klimanutzen aus Wiedervernässung und der Produktion von erneuerbarer Energie spreche für den Bau von Photovoltaikanlagen im Moor. Bislang fehlt diese Einnahmequelle. „Die CO2-Einsparung schreibt sich Deutschland zur Erreichung der Klimaziele gut. Wenn ich für die reduzierte Tonne CO2 Geld bekommen würde, dann wäre es ein Wirtschaftsmodell, Klimaschutz zu betreiben“, bestätigte Lies. „Nur wenn wir es schaffen, ein Wirtschaftsmodell aus der Vernässung der Moore zu machen, wird uns das gelingen“, so das Fazit des Ministerpräsidenten.

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