Schweiz: Weniger Vielfalt, aber mehr Professionalität

Der Schweizer Obstverband schaut auf eine mittlerweile 111-jährige Geschichte zurück – eine Geschichte die sowohl von Professionalisierung als auch von Verlust geprägt ist.

Der Schweizer Obstverband ist eine private Branchenorganisation der Produzenten und Verarbeiter von einheimischem Obst. Er vertritt die Branche gegenüber Behörden, Wirtschaft, Konsumenten und Öffentlichkeit. Bild: ji.

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Über ein Jahrhundert hat der Schweizer Obstverband auf dem Buckel und in dieser Zeit hat der ganze Obstsektor einen markanten Wandel erlebt. Zur Gründungszeit des Verbands 1911 war die Schweizer Obstproduktion kaum mehr als ein Nebenerwerb – heute bewirtschaften die Obstbäuerinnen und Obstbauern spezialisierte und hoch professionelle Betriebe. Der Produktionswert hat sich im letzten Jahrhundert entsprechend um ein Vielfaches gesteigert: Während der Produktionswert von Obst vor 111 Jahren noch 53 Mio. betrug, bewegt er sich heute zwischen 300 und 350 Mio. Franken (ca. 294 bis 344 Mio euro), was laut Verband einem geschätzten Konsumwert von 1,2 bis 1,4 Mrd. Franken entspricht.

Branchenakteur

Die Professionalisierung der Obstbranche, führte dazu, dass sich der Sektor auch immer stärker mit Politik befassen musste – dies beeinflusst die Aufgaben des Verbands bis heute nachhaltig. So hat der Verband unter anderem auch die Entwicklung der für die Obstbranche relevanten Gesetzgebungen des Alkoholgesetzes und des Landwirtschaftsgesetzes begleitet. Heute stehen des Öfteren umweltpolitische Themen wie Nachhaltigkeit oder die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln sowie Wirtschaftlichkeit mit profitablem Anbau und immer neuen und innovativen Obstprodukten im Fokus der "Obstpolitik".

Weniger ist heute mehr

Die Marktentwicklung der Branche hat aber auch Opfer gefordert: So ist der Feldobstbaumbestand seit der ersten eidgenössischen Obstbaumzählung im Jahr 1929 von 16 Mio. auf 2,5 Mio. Bäume zurückgegangen. Ernteüberschüsse, veränderte Trinkgewohnheiten, die Zersiedelung und der Strukturwandel mit der Mechanisierung haben laut Verband dazu beigetragen.

Daneben hat auch die Vielfalt etwas gelitten: So machten 1937 zwölf Sorten zwei Drittel des Apfelsortiments aus – 1983 waren es nur noch drei. Seither hat die Sortenvielfalt glücklicherweise wieder etwas zugenommen und ist bis 2010 wieder auf sechs Apfelsorten angewachsen, die rund 70% des Apfelsortimentes ausmachen. Allerdings besteht knapp die Hälfte des ganzen Sortiments nur aus den beiden Sorten Gala und Golden Delicious. Die Verschiebung von Verarbeitungsobst hin zu mehr Tafelobst hatte auch Folgen für die vielen Mostereien. In den 1950er-Jahren verarbeiteten noch fast 500 gewerbliche Mostereien inländische Mostäpfel und Mostbirnen zu Saftgetränken – heute behaupten sich gemäss Verband noch weniger als dreißig gewerbliche Verarbeitungsbetriebe mit Innovationsgeist und Qualität gegen Süßgetränke und ausländische Billigprodukte. (lid)

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