Schweiz: Berner Pflanzenschutzprojekt ins Kreuzfeuer

Das Berner Pflanzenschutzprojekt ist im Abstimmungskampf rund um die Agrarinitiativen ins Kreuzfeuer geraten. Die Kritik am Projekt sei unberechtigt, es sei auf gutem Weg, heißt es bei Verantwortlichen.

Michel Gygax von der Fachstelle Pflanzenschutz am Chrümmlisbach, wo Wasserproben genommen werden. Bild: ji.

Anzeige

Das Berner Pflanzenschutzprojekt hatte zuletzt für Schlagzeilen gesorgt. Zunächst wurde kritisiert, dass Daten nicht vor den Agrarabstimmungen veröffentlicht werden. Dann publizierte der Kanton Rohdaten aufgrund des Drucks dennoch. Diese würden zeigen, dass "teure Maßnahmen nur wenig nützen", hieß es darauf unter anderem in Medienberichten.

Sowas zu lesen sei frustrierend, sagte Michel Gygax von der Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Bern. Er verwies an einem Medienanlass in Schalunen, zu dem der Berner Bauernverband eingeladen hatte, darauf, dass die Veröffentlichung in Form eines Zwischenberichtes erst für Herbst geplant gewesen wäre."Es ist wissenschaftlich unseriös, die Rohdaten so zu veröffentlichen", so Gygax kritisch. Die Berichterstattung in den Medien war aus seiner denn auch Sicht einseitig.

"Deutlicher Rückgang der Überschreitungen"

Oberziel des bereits 2017 gestarteten Projektes sei eine Reduktion der Risiken von Pflanzenschutzmitteln für die Umwelt und insbesondere die Belastung der Oberflächengewässer, so Gygax. Konkret eine 20-prozentige Reduktion der Anzahl Überschreitungen der numerischen Anforderung an die Wasserqualität für die PSM in den Gewässern. Gleichzeitig sollten das Produktionspotenzial erhalten und die Landwirtinnen und Landwirte für die Umweltwirkung von PSM sensibilisiert werden.

In Medienberichten besonders hervorgehoben wurde, dass die Beurteilung nach ökotoxikologischen Kriterien (CQK) für den Chrümlisbach – einer der beiden beobachteten Bäche – noch keine Verbesserung gezeigt hat. "Eine Beurteilung noch ökotoxikologischen Kriterien gehört aber gar nicht zum Projektziel", sagt Michel Gygax. Beurteile man das Projekt aber nach den Anforderungen der Gewässerschutzverordnung, zeige sich auch im Chrümmlisbach ein Rückgang der Anzahl Überschreitungen.

Der Chrümmlisbach westlich von Schalunen und sein Einzugsgebiet werden im Rahmen des Projekts eingehend untersucht.

Laut Gygax ebenso ein Erfolg des Projektes ist, dass die Einsatzmengen in den Einzugsgebieten der Bäche in Schalunen resp. Ballmoos für den Ballmoosbach seit Beginn des Projektes deutlich zurückgegangen seien. Auch konnten acht Stoffe mit einem hohen Anteil am Risiko eruiert werden.

"Das Projekt ist eine einmalige Chance, Gewässer- und Bewirtschaftungsdaten auszuwerten und Lösungen zu suchen", so Gygax. Sowohl Gewässer- als auch Bewirtschaftungsdaten aus einem Einzugsgebiet zu haben sei einzigartig.

Schächte als Knacknuss

Dominik Füglistaller von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) bedauerte, dass in der öffentlichen Diskussion nur auf eines der 11 Teilprojekte des Pflanzenschutzprojektes – nämlich das PSM-Monitoring - fokussiert worden sei. Mit dem Projekt könne man nämlich aufzeigen, wie PSM in Gewässer gelangten und damit die Wirksamkeit und Umsetzung von Maßnahmen eruieren.

So zeigte sich, dass Schächte einer der problematischen Punkte sind. Pufferstreifen zwischen Feld und Weg seien sehr wertvoll und wichtig, um die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln zu minimieren. Es habe sich aber gezeigt, dass trotz Pufferstreifen Einträge über Schächte möglich seien. In Schalunen befinden sich solche Schächte auch mitten in Parzellen, wie Landwirt Markus Lüscher erklärte. In diesem Bereich können nun Maßnahmen ergriffen werden, um Einträge weiter zu verhindern. "Ich war erstaunt, wie wenig wir eigentlich über die Eintragswege in Gewässer wissen", sagte Landwirt Thomas Iseli. Das Projekt habe ihn und Berufskolleginnen und -kollegen weiter sensibilisiert, bestätigte auch Urs Bürgi, der wie über 3.400 weitere Betriebe am Projekt teilnimmt.

Wird das Projekt weitergeführt?

Nicht alle Einträge in den Chrümmlisbach können aufgrund der Bewirtschaftungsdaten erklärt werden. Aus diesem Grund ist nun eine Siedlungsumfrage in Schalunen gestartet worden, die klären soll, ob die Einträge allenfalls von Privaten stammen. Die Rücklaufquote der Umfrage sei bisher sehr gut gewesen, erklärte Dominik Füglistaller. Die Auswertung ist jedoch noch nicht erfolgt.

Alle Beteiligten am Projekt erhoffen sich, dass es auch nach Abschluss 2022 in der ein oder anderen Art und Weise fortgesetzt werden kann. Man denke über eine Verlängerung nach, sagte Karin Oesch, Geschäftsführerin des Berner Bauernverbandes (BEBV). Spruchreif sei aber noch nichts. (lid)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.