Platane: Stadtbaum steht unter massivem Druck

Lange galten Platanen als ideale Stadtbäume und sind entsprechend weit verbreitet. Seit einigen Jahren jedoch lichten Pilzerkrankungen die Reihen der charismatischen Gehölze.

Überholtes Konzept: Reine Platanen-Alleen dürften mittelfristig der Vergangenheit angehören, denn das Risiko für Totalausfälle ist hoch. Experten sprechen sich stattdessen für einen Mix verschiedener trockenheitstoleranter Baumarten aus. Bild: GMH, Bettina Banse.

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Es ist Frühling! Die Vögel wissen es, die Bienen wissen es – nur die Platanen scheinen da etwas verwechselt zu haben: Während andere Bäume sich eines frischgrünen Kleids erfreuen, werfen viele Platanen schon wieder die ersten Blätter ab. Mal sind es nur wenige Exemplare, die bereits kurz nach dem gerade erst erfolgten Austrieb braun und verkrumpelt zu Boden segeln; andere Platanen büßen innerhalb weniger Wochen ihre komplette Belaubung ein.

Was dramatisch aussieht, muss es nicht zwangsläufig sein, weiß Torsten Drübert vom Fachverband geprüfter Baumpfleger. „Wenn Platanen Welkesymptome zeigen, steckt häufig die Apiognomonia-Blattbräune dahinter. Sie wird oft auch als Platanenblattbräune bezeichnet und vom Schadpilz Apiognomonia veneta verursacht. Dieser Pilz tritt vor allem auf, wenn das Frühjahr feucht und kalt war, und infiziert die frisch austreibenden Blätter.“

Platanenblattbräune – gepflegte Bäume sind gewappnet

Auf den Blättern zeigen sich zunächst zackenartige braune Stellen, dann verwelkt nach und nach das ganze Blatt und löst vom Ast. Auch die jüngsten, noch dünnen Triebe können absterben und hängen dann kahl und dürr im Baum. „Die gute Nachricht ist, dass ein vitaler Baum die Apiognomonia-Blattbräune recht gut wegsteckt: Er treibt Mitte Juni einfach ein zweites Mal aus und dieses bleibt dann in der Regel auch gesund“, erläutert Torsten Drübert. „Die dürren Zweige können entfernt werden, und damit sich der Befall im nächsten Jahr nicht wiederholt oder zumindest schwächer ausfällt, sollte man konsequent das Falllaub entfernen – auch das im Herbst, da der Pilz darauf überwintert.“

Leider gilt diese gute Nachricht nur für vitale Bäume und von einem solchen Zustand sind die meisten Stadtbäume weit entfernt, nicht erst seit den vergangenen Hitzesommern. „Zu kleine Pflanzgruben, schlechte Wasserversorgung, Bodenverdichtungen, die Belastung durch Feinstaub und winterliche Salzeinträge – Stadtbäume stehen unter Dauerstress. Und einen gestressten oder vorgeschädigten Baum kann dann selbst eine vergleichsweise harmlose Pilzerkrankung wie die Apiognomonia-Blattbräune zum Absterben bringen“, bringt es der Forstwissenschaftler und geprüfte Baumpfleger auf den Punkt.

Das beste Gegenmittel – nicht nur gegen diesen Schaderreger – sind daher an das Stadtklima angepasste Baumarten und gute Standortbedingungen. „Bei einer Neupflanzung sollte die Pflanzgrube mindestens 12 Kubikmeter pro Baum fassen. Das steht so eigentlich auch in den Normen und Regelwerken, wird in der Praxis aber leider fast immer ignoriert“, sagt Torsten Drübert. Ebenso wichtig ein regelmäßiger fachgerechter Schnitt. „Der Schnitt in den ersten 15 Jahren entscheidet mit darüber, ob auch ein Stadtbaum 100 Jahre alt werden kann, oder ob er bereits nach 20 Jahren vergreist und nicht mehr bruchsicher ist und deshalb gefällt werden muss.“

Platanenkrebs – Vernichtung ganzer Alleen

Möglichst vitale, widerstandsfähige Bäume, das ist auch das beste Rezept, um einem anderen häufigen Schadpilz vorzubeugen, der den sogenannten Platanenkrebs verursacht. Ceratocystis platani ruft Symptome hervor, die auf den ersten Blick denen der Apiognomonia-Blattbräune ähneln. „Wer die nur schwach belaubte Baumkrone genauer betrachtet, bemerkt meist auffällig kleine gelbe Blätter. Manchmal sind auch Teile der Rinde braunviolett verfärbt und eingesunken, oder es sind Wucherungen zu sehen“, sagt Torsten Drübert.

Bei der Diagnose Platanenkrebs wissen die Baumpfleger*innen, dass sie in wenigen Monaten mit der Motorsäge im Gepäck wiederkommen werden. „Der Pilz verstopft einen Teil der Leitungsbahnen des Baums. Dieser versucht sich zu wehren, indem er die betroffenen Stellen abschnürt, und dreht sich auf diese Weise vollends den Saft ab“, erklärt Drübert. Besonders problematisch: Der Pilz dringt nicht nur über Wunden in die Bäume ein, er kann auch auf Nachbarbäume übergehen, wenn sich die Wurzeln in der Erde berühren. Auf diese Weise kann er ganze Alleen zum Absterben bringen.

„Eine ähnliche Situation hatten wir in Deutschland bereits mit dem Ulmensterben durch einen in den 1960ern aus Nordamerika eingeschleppten Pilz. Damals gingen deutschlandweit ganze Ulmen-Alleen zugrunde – und durch was wurden sie ersetzt? Durch Platanen-Alleen! Zum Glück setzt sich nun allmählich die Erkenntnis durch, dass wir eine Risikostreuung brauchen, also einen Mix unterschiedlicher Baumarten. Und zwar nicht nur in den Alleen, sondern generell.“

Eine Mischung robuster Baumarten, gute Standortbedingungen und fachgerechte Pflege – wo Städte clever planen und investieren, sparen sie unterm Strich Kosten und verbessern sowohl das Klima und die Lebensqualität.

Platanenkrankheiten

Die dritte im Bunde: Massaria-Krankheit

Neben Platanenblattbräune und Platanenkrebs zieht auch die Massaria-Krankheit immer mehr Platanen in Mitleidenschaft. Der hierfür verantwortliche Pilz Splanchnonema platani führt normalerweise lediglich zum Absterben dünnerer Zweige. Bei unzureichender Wasserversorgung kann der Schwächeparasit jedoch auch größere Äste befallen und bruchanfällig machen. Genau das ist zurzeit nach den vergangenen niederschlagsarmen Hitzesommern vielerorts zu beobachten. Um einen Befall mit Massaria zu erkennen, muss man den Bäumen „aufs Dach“ steigen: Aufgeplatzte und abgestorbene Rindenbereiche und die typischen, erst rötlichen, dann rußartig-schwarzen Verfärbungen befinden sich überwiegend auf der Oberseite der Äste.

Beruf mit Zukunft: Baumpfleger*in

Wer die Natur liebt, gerne draußen ist und obendrein gerne körperlich arbeitet, könnte als Baumpfleger*in glücklich werden. Baumpfleger*innen sorgen durch einen professionellen Schnitt dafür, dass sich Gehölze optimal entwickeln und garantieren die Verkehrssicherheit, indem sie morsche, kranke und beschädigte Äste entfernen. Auch für Fällungen sind sie zuständig. Manche arbeiten auch in einem Sachverständigenbüro oder als Baumkontrolleur*in im Öffentlichen Dienst. Je nachdem, welche Eingriffe erforderlich sind, bewegen sie sich per Seilklettertechnik im Baum oder setzen zum Beispiel eine Hebebühne ein. Um sich gegenseitig abzusichern, sind professionelle Baumpfleger dabei immer mindestens zu zweit unterwegs. Zuverlässigkeit und Konzentrationsvermögen, eine schnelle Auffassungsgabe und körperliche Fitness sind die Grundvoraussetzungen, um sich erfolgreich bei einem Baumpflegebetrieb zu bewerben. Als Grundbildung ist eine „grüne Ausbildung“ im Bereich Gartenbau, Landwirtschaft oder Forstwirtschaft empfehlenswert. (GMH/FgB)

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