Özdemir: Humusaufbau bedeutet Klimaschutz

Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir übergibt Förderbescheide zum Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich "Humusaufbau in landwirtschaftlich genutzten Böden".

Bundesminister Cem Özdemir übergibt Förderbescheid an den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied und die Vorstandsvorsitzende des BÖLW, Tina Andres. Bild: BMEL.

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Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert ein Projekt zum Humusaufbau in landwirtschaftlich genutzten Böden. Bundesminister Cem Özdemir überreichte dazu heute die Förderbescheide in Höhe von fast 23 Mio. Euro an den Deutschen Bauernverband (DBV) und den Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Ziel dieses Modell- und Demonstrationsvorhabens ist es, in den bis zu 150 teilnehmenden Betrieben über die derzeitige landwirtschaftliche Praxis hinausgehende, innovative und langfristig wirkende Maßnahmen zum Humuserhalt und -aufbau zu etablieren. Dabei soll die Vielfalt der in Deutschland vertretenen Betriebsstrukturen und regionalen Gegebenheiten in mehreren Modellregionen abgebildet werden. Die Betriebe können aus einem Katalog mögliche Maßnahmen auswählen.

Cem Özdemir: „Humusaufbau bedeutet Klimaschutz. Dieses Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen, das heißt ressourcenschonenden und klimafreundlicheren Landwirtschaft. Wir wollen Innovationen aus dem Ökobereich stärker in der konventionellen Landwirtschaft verankern.“

Es geht bei diesem Projekt darum, nachhaltige Methoden zum Humusaufbau möglichst weit in der Praxis zu verbreiten. Durch eine gemeinsame, bundesweite Gesamtkoordination, die die Kooperation, den Wissenstransfer sowie die Organisation der wissensbasierten Betreuung umfasst, werden sich konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe besser austauschen und Synergieeffekte schaffen. Damit ist das Vorhaben ein wichtiger Baustein für den Beitrag der Landwirtschaft zur Bewältigung der Klimakrise. Denn durch den Humus können große Mengen an Kohlenstoff gespeichert werden. Gleichzeitig schafft mehr Humus im Boden eine höhere Resilienz gegenüber den Folgen der Klimakrise.

Hintergrund: Der Humusaufbau ist wichtiger Teil der Maßnahmen zur Erreichung des im Klimaschutzgesetz festgesetzten Zieles von minus 25 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten bis 2030 für den Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forst (LULUCF).

Das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung sieht vor, dass das Kohlenstoffspeicherpotenzial der landwirtschaftlich genutzten Böden verstärkt aktiviert werden soll. In den landwirtschaftlich genutzten Böden (Acker und Grünland) in Deutschland sind nach Angaben des Thünen-Institutes ca. 2,5 Mrd. Tonnen Kohlenstoff in einer Tiefe bis 1 m gespeichert. Kohlenstoff kann in Form von organischer Substanz (insbesondere Humus) im Boden eingelagert werden. Dabei wird Kohlenstoff aus dem Kohlendioxid der Luft über die Photosynthese der Pflanzen im Boden gespeichert.

Mit gezieltem Aufbau von Humus und Bodenleben lässt sich nicht nur Kohlenstoff im Boden speichern, sondern auch die Bodenfruchtbarkeit steigern. Denn Humus ist für viele Bodenfunktionen von großer Bedeutung, z.B. als Nährstoffquelle für Bodenlebewesen und Pflanzen, als Lebensraum für das Bodenmikrobiom oder als Filter und Puffer. Der Humus ist zudem an vielen Austausch- und Speicherprozessen beteiligt, wie etwa dem Gasaustausch, der Wärmespeicherung und dem Wasserrückhaltevermögen. Außerdem trägt er zur Erhöhung der Aggregatsstabilität und der Minderung von Verschlämmung und Erosion bei. Mit diesen Funktionen ist Humus ein sehr wichtiger Faktor für die Stabilität landwirtschaftlicher Systeme und kann Resilienz schaffen, z.B. gegenüber Dürreereignissen. Somit geht der Schutz des Klimas Hand in Hand mit der Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel.

Dauerhafte Steigerungen des Humusgehaltes sind nur über längere Zeiträume und in einem begrenzten Rahmen erzielbar. Maßnahmen, die positiv für den Humuserhalt und –aufbau sind, umfassen u.a. mehrgliedrige Fruchtfolgen unter Einbeziehung humusmehrender Kulturen wie Leguminosen (Luzerne, Kleegras, etc.), die Anlage von Feldgehölzen im Sinne von Agroforstsystemen und Landschaftselementen wie Hecken.

Im Rahmen der Klimaschutzmaßnahme Humusaufbau setzt das BMEL daher im ersten Schritt verschiedene Maßnahmen um, die dazu beitragen, Wissen über eine humusmehrende und humuserhaltende Landwirtschaft zu generieren und möglichst großflächig in der landwirtschaftlichen Praxis zu verbreiten – sogenannte Modell- und Demonstrationsvorhaben. Dies ist der erste Schritt, um die flächendeckende Umsetzung humusmehrender und humuserhaltender Maßnahmen und Strategien in der landwirtschaftlichen Praxis zu verstärken. (BMEL)

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